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Hexenjäger, Der   

Hexenjäger, Der
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Original: The Witchfinder General   (GB, 1968)
Laufzeit: 91 Minuten (PAL)
Studio: mcone
Regie: Michael Reeves
Darsteller: Vincent Price, Ian Ogilvy, Hilary Dwyer, Rupert Davis u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-Mono Deutsch, Englisch
Untertitel: -
Extras: Michael Reeves Dokumentation, Trailer u.m.
Preis: ca. 16 €
Wertung: 3 / 3 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Folter-Trauma Teil 2!"

Ein Jahr vor seinem Selbstmord hat der britische Regisseur Michael Reeves seinen dritten und letzten Film gedreht – “Der Hexenjäger”. Reeves litt an Depressionen, die bereits im “Hexenjäger” spürbar sind. Nach dem Roman “Witchfinder General” von Ronald Bassett erzählt Reeves die Geschichte des Matthew Hopkins, der im Jahr 1645 als Hexenjäger durch Ostengland zieht. Die Magistrate der kleinen Ortschaften bezahlen ihn dafür, “Verdächtige” männlichen und weiblichen Geschlechts zu verhören und als Hexen zu überführen. Die Folge des Vorgehens sind Hinrichtungen Unschuldiger. Als sich Hopkins auch mit einer Pfarrerfamilie beschäftigt, erregt er die Aufmerksamkeit eines Soldaten, da dieser mit der Tochter des Pfarrers liiert ist. Er schwört gemeinsam mit seiner Verlobten Rache für den Tod ihres Vaters und macht sich auf die Suche nach Hopkins, der bereits den Rufen der Magistrate aus den nächsten Ortschaften gefolgt ist. “Der Hexenjäger” wurde unter anderem auf folgende Weise in der journalistischen Betrachtung aufgenommen:

Werner Kließ schrieb 1969 in der Zeitschrift FILM:

“Die Schlussszene ist gewiss eine der brutalsten, die es je im Kino gab. In jedem Italo-Western fließt mehr Blut, in jedem Sado-Film gibt es erlesenere Matern. Die starke sinnliche Wirkung dieser Schlächterei kommt aus der Überraschung und daraus, dass in diesem Moment ein Guter die ganze Widerwärtigkeit der Folterknechte in sich aufnimmt. In der Sekunde der gerechten Empörung wird der Gute zu einer rasenden Bestie. Die kühne Umkehrung funktioniert so überzeugend, weil Regisseur Michael Reeves von der Gattung Historienfilm zwar das Schema der Schwarzweiß-Zeichnung übernimmt, aber eben nur das Schema, nicht den Ballast antiquierter Moralvorstellungen, mit denen der Trivialfilm gewöhnlich das Gutsein zu belegen versucht. Das Mädchen Sara z.B. kommt relativ schnell auf die Idee, sich mit dem Hexenjäger einzulassen. Sie handelt taktisch richtig. Moralische Skrupel werden nicht gezeigt; auch nachher wird ihr Opfer nicht im geringsten sentimental ausgebeutet. Die Guten sind durch ihren Stellenwert in der Geschichte hinreichend definiert, ihre edlen Beweggründe müssen nicht noch lange vorgetragen werden.”

Danny Peary schrieb im Buch CULT MOVIES:

“Es steht fest, dass in der gesamten Filmgeschichte kein Regisseur dermaßen konsequent eine solch niederdrückende und zornige Weltsicht zur Schau gestellt hat wie Reeves. Aus diesem Grund haben politisch ’progressive’ Filmkritiker auch meist Schwierigkeiten, mit seinem Werk fertig zu werden – besonders mit “Der Hexenjäger”, den Reeves-Kultisten für seinen besten und ambitioniertesten Film halten. Während sein Talent außer Frage und seine wiederholte Ablehnung jener, die dem Machtmissbrauch huldigen, fest steht, ist es schwer, ihm ganz und gar beizupflichten, weil seine Ansichten, die sich in negativen Ausgängen zeigen, so negativ, ja sogar defätistisch sind. Seine Helden und Heldinnen, die als nette Menschen voller Liebe und Zärtlichkeit eingeführt werden, unterwerfen sich schließlich dem Bösen, von dem Reeves annimmt, dass es in der Person eines jeden Menschen dominiert.”

Robert Zion schrieb im Buch DIE KONTINUITÄT DES BÖSEN:

“Besonders an der Schlussszene von “The Witchfinder General” entzündete sich kurz nach dessen Erscheinen eine hitzig geführte öffentliche Debatte über Gewaltdarstellungen im Film. Hierbei ging Reeves in der Tat bis an die Grenze des Zumutbaren.”

BILD

Hexenjäger, Der

Die Vorlage kann ihr Alter nicht vollständig verbergen. Es zeigen sich Bildpunkte und Verschmutzungen. darüber hinaus ist die Schärfe nur angenehm, das Bild wirkt leicht matschig. Rauschmuster halten sich demgegenüber in Grenzen, die eher zurückhaltende Farbpalette entspricht der Weltsicht des Regisseurs, der einen tristen Film machen wollte. Wenn man das Filmalter in Rechnung stellt, handelt es sich um einen ordentlichen Transfer.








TON

Hexenjäger, Der

Der Mono-Ton wird vom üblichen Rauschen begleitet, dass n der deutschen Version stärker vernehmbar ist, als in der englischen Version. Dafür ist die Original-Tonspur dumpfer abgemischt. Auf beiden Tracks kommt die Musik jedoch in guter Qualität zur Geltung.









EXTRAS

Die etwa 25minütige Dokumentation widmet sich über Interviewsequenzen der damaligen Weggefährten Michael Reeves sowie verschiedener Filmausschnitte dem drei Filme umfassenden Werk des britischen Regisseurs.

Darüber hinaus enthält die DVD den Trailer, eine Fotogalerie und Biographien.

FAZIT

Mcone hat den Film in zwei Versionen veröffentlicht. Dabei fällt auf, dass sowohl die FSK 16-Version (Der Hexenjäger), als auch die FSK 18-Fassung geschnitten sind. Technisch ist die DVD völlig in Ordnung.



Stefan Dabrock


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