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Denn Sie kennen kein Erbarmen   

Denn Sie kennen kein Erbarmen
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Original: Denn Sie kennen kein Erbarmen   (BRD, 2007)
Laufzeit: 88 Minuten (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Hans-Jürgen Panitz / Peter Dollinger
Darsteller: Franco Nero, Bud Spencer, Sergio Sollima, Gianni Garko, Thomas Milian u.v.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (4:3)
Ton: DD5.1 Deutsch DD2.0 Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Musik-CD
Preis: ca. 10 €
Wertung: 2+/ 2 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Ein Hauch von Leone"

Der Italowestern - oder auch Spaghetti-Western genannt - scheint seit seiner Blütezeit in den 60-er und 70-er Jahren wie ein guter Wein gereift zu sein. Trotz seines jähen Endes in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts scheint dieses oft totgesagte und -geglaubte Genre doch tapfer zu überleben - wie ein verstaubter und bissiger Leguan in der modernen Unterhaltungswüste des Filmgeschäfts. Nicht nur aus Nostalgiegründen entdecken immer mehr Fans und zu spät Geborene den wirklichen wilden Westen, der vornehmlich im spanischen Almeria und einigen Landschaften in der Nähe von Rom zu finden ist. Regisseur Hans-Jürgen Panitz hat bereits mit der TV-Dokumentation “Kino kolossal - Herkules, Maciste & Co” bewiesen, dass er ein Händchen für das europäische Genrekino hat. Statt Sandalenfilm steht aber diesmal der Italowestern auf dem Programm. Chronologisch versucht die Dokumentation die besonderen Umstände und Entwicklungen des Genres nachzuvollziehen. Von den ersten Anfängen über den Startschuss mit Sergio Leones “Für eine Handvoll Dollar”, die parallele Western-Popularität auf dem deutschen Filmmarkt, die zahllosen Epigonen und Variationen der dreckigen Antihelden, die das Italowesterngenre protégiert, die mexikanische Revolutionsära und das finale Abdriften in die Westernkomödie werden so ziemlich alle Facetten abgedeckt. Unter den vielen Interviews mit Italo-Kinogrößen und alten Westernhaudegen dürften Fans so einige Schnipsel finden, die (teilweise) bereits als Bonusmaterial auf anderen DVDs zu finden waren. Dennoch sind hier einige neue und längere Elemente dabei, die auch den eingefleischten Kennern immer noch Freude bereiten dürften. Vermisst werden allerdings Auftritte von Giuliano Gemma oder Enzo Girolami alias Enzo Castellari. Ein weiteres kleines Manko der Dokumentation ist die wirklich dauerhafte Beschallung mit dem eigens für den Film entworfenen Soundtrack von Yullwin Mak. Der Soundtrack an sich ist eine recht hübsche Hommage an die großen Westernmelodien dieser Zeit. Dennoch ist die permanente Präsenz in der Dokumenation etwas nervig. Weniger ist eben manchmal mehr. Wirklich gelungen sind die aktuellen Bilder aus Almeria, die die alten Drehorte zeigen. Hier hätte man sich aber gerne mal öfters eine genaue Verortung (in den Filmen) gewünscht. Trotzdem ist “Denn Sie kennen kein Erbarmen” eine sehr gelungene Betrachtung des Genres und bietet viele schöne Interview-Auszüge.

BILD

Denn Sie kennen kein Erbarmen

Das nicht-anamorphe Bildtransfer (1.78:1) ist mit kleinen Balken oben und unten am Bild versehen. Da das Format aufgrund eingespielter Filmszenen ständig wechselt, ist dies nur zum Vorteil. Die Interviewsequenzen sind bis auf weniges Archivmaterial (Sergio Leone und Corbucci) in sehr guter Videoqualität vorhanden. Ebenso die aktuellen Video-Aufnahmen aus Almeria. Hier bekommt das Bild fast einen plastischen 3D-Charakter. Die Filmszenen stammen aus unterschiedlichen Quellen und variieren entsprechend in der Qualität. Unansehnlich ist dabei aber nichts. Die Standardwerte liegen alle im grünen Bereich (Schärfe, Kontrast, Farbe) und liefern ein gutes Gesamtbild. Die Kompression arbeitet ebenfalls tadellos. Rauschmuster sind nicht auszumachen.

TON

Denn Sie kennen kein Erbarmen

Der Sound in Dolby Digital 5.1 ist nur auf Deutsch vorhanden und dient hauptsächlich der guten Positionierung der zahlreich eingespielten Musik. Die Interviews sind immer in der Originalsprache (Italienisch, Englisch oder Französisch) gehalten und mit deutschen Untertiteln versehen. Die Texte und Interviews sind immer gut verständlich. Störende Überlappungen gibt es nicht.

EXTRAS

Als Extramaterial gibt es auf der DVD das ca. 20-minütige Video “Auf den Spuren von wild, wild, West”. Hier ist der bekannte Synchronsprecher Hartmut Neugebauer (z.B. John Goodman in “Roseanne”) mit dem Musiker Yullwin Mak in Almeria unterwegs und zeigt noch einmal detailliert einige Schauplätze der Italowestern, um damit viel Stimmung zu verbreiten.
Als Dreingabe gibt es neben der DVD auch noch die Soundtrack-CD zur Dokumentation mit der Musik von Mak. Insgesamt 16 Tracks sind enthalten.

FAZIT

Für Einsteiger aber auch für Kenner der Materie bietet “Denn Sie kennen kein Erbarmen” die richtige Dosis an Western-Nostalgie und Hintergrundwissen. Im Komplettpaket mit Soundtrack ist die Scheibe zum Kampfpreis von zehn Euro ein echter No-Brainer. Django sagt, kauf oder stirb, Gringo!



Kay Pinno


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