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Kaspar Hauser   

Kaspar Hauser
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Original: Kaspar hauser   (BRD, 1974)
Laufzeit: 105 Minuten (PAL)
Studio: Arthaus
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Bruno S., Walter Ladengast, Brigitte Mira, Michael Kroecher u.v.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-Mono Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Portrait Werner Herzog u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3-/ 3-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Das Rätsel der Welt."

Werner Herzog widmet sich gerne den Außenseitern der Gesellschaft, um sie in eindrucksvollen Portraits zu erfassen. Deswegen interessiert sich Herzog auch nicht für die Kriminalgeschichte hinter dem Fall Kaspar Hauser, sondern für den Menschen, der einem Rohling gleich in die Welt getreten ist und sie ebenso wieder verließ. Anhand authentischer Dokumente erzählt Herzog die Geschichte des Findelkindes Kaspar Hauser, der im Jahr 1829 in Nürnberg aufgefunden wurde. Da Hauser bis dahin nur in einem Kellerverlies aufgewachsen war, kannte er die Außenwelt nicht. Er konnte nicht richtig sprechen und musste die einfachsten Verrichtungen erst lernen. Zunächst interessieren sich vor allem Ärzte und Wissenschaftler für den ungewöhnlichen Menschen, bis Hauser einen Ersatzvater findet, der ihn in die Gesellschaft integrieren möchte. Die Geschichte des Kaspar Hauser ist bei Herzog vor allem eine Geschichte des Aufeinanderpralls zivilisatorischer Absichten und eigenwilliger Natürlichkeit. Hauser lernt, sich in seiner Umgebung zurecht zu finden, ohne sie bedenkenlos zu akzeptieren. Mit dem scharfen Verstand einer angeborenen Intelligenz stellt er Fragen, die die Gesellschaft kaum zu beantworten vermag. Vor allem die Wissenschaft und Intellektuelle erscheinen der reinen Auffassungsgabe Hausers unterlegen, da sie mit ihren statischen Ansätzen nicht flexibel reagieren können. Mehr als einmal düpiert Hauser seine Gegenüber mit entwaffnender Kreativität. Der Versuch, ihn auf die Seite und Denklinie der gesellschaftlichen Kräfte zu ziehen, wird zu einem Versuch, seine Identität zu untergraben. In gleichem Maße, wie Hauser ein Stück Integration annimmt, verliert er ein Stück seiner Persönlichkeit. Aus diesem Dilemma gibt es für Hauser keinen Ausweg. Seine Existenz ist letztlich die eines Leidenden. Eine Lösung gibt es für ihn nicht.

BILD

Kaspar Hauser

Das Bild der DVD pendelt sich in einem Bereich ein der in Ordnung ist. Die Vorlage weist nur wenige Bildpunkte oder Verschmutzungen auf. Einige Sequenzen weisen sehr starkes Rauschen auf, da sie auf Super 8-Material von einem Experimentalfilmer gedreht wurden. Es handelt sich folglich nicht um eine Schwäche der Vorlage, sondern um gewollte Effekte. Kontrast und Schärfe der DVD sind gut, gleiches gilt für den Schwarzlevel. Abstriche muss man aber bei der Kompression machen. Das Bild ist ständig in Bewegung. Es kommt zu Blockbildung und Pixelwanderung, die ein immerwährendes, leichtes Flackern zur Folge haben.

TON

Kaspar Hauser

Der Ton liegt im deutschen Mono-Format vor. Er wurde in guter Qualität auf die DVD übertragen. Die Dialoge sind ebenso gut verständlich, wie die Musik ihre Wirkung entfalten kann. Schwächen lassen sich nicht vermelden.












EXTRAS

Der Audiokommentar von Werner Herzog und Laurens Straub ist erneut sehr empfehlenswert. Sie liefern teilweise szenenspezifische Analysen, diskutieren die erzählte Geschichte und ihre Hintergründe, beleuchten einzelne Darsteller und berichten über die Dreharbeiten. Kurz zusammengefasst bietet der Audiokommentar einen umfassenden Überblick über viele filmrelevante Aspekte. Darüber hinaus enthält die DVD ein Portrait über Werner Herzog, das der bayrische Regisseur vermutlich selbst angefertigt hat. Im Abspann wird kein Verantwortlicher für die Regie genannt, aber der Oberkommentar ist von Herzog selbst gesprochen. In etwa 30 Minuten berichtet er über seine Heimat an der österreichischen Grenze, liefert einen persönlichen Blick auf seine Filme bis zu “Fitzcarraldo” aus dem Jahr 1982 und offenbart ein Stück weit seinen Antrieb, Filme zu machen. Das subjektive Selbstportrait ist eine hochinteressante Beschreibung eines der wichtigsten deutschen Regisseure. Anekdoten im etwas verschrobenen Herzog-Stil spielen darin ebenso eine Rolle, wie sein Hang zu extremen Situationen. Drehbuchauszüge, eine Fotogalerie, der Trailer sowie eine Biographie über Werner Herzog runden die gute Bonussektion der DVD ab.

FAZIT

“Kaspar Hauser – Jeder für sich und Gott gegen alle” ist ein weiteres Werk aus der Hand Werner Herzogs. Erneut beweist der Regisseur sein famoses Gespür für brillant inszenierte Außenseitergeschichten. Wer die Filme Herzogs mag, die er mit Klaus Kinski gedreht hat, wird sich auch hier wieder finden.



Stefan Dabrock


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