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Kill Bill Vol. 1   

Kill Bill Vol. 1
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Original: Kill Bill Vol. 1   (USA, 2003)
Laufzeit: 106 Minuten (PAL)
Studio: Buena Vista
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Uma Thurman, David Carradine, Daryl Hannah, Lucy Liu, Sonny Chiba u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, It, Spa
Extras: Making of, Musikvideo, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2+/ 1-/ 3 (Bild/Ton/Extras)


"Asien, Asien!"

Quentin Tarantino ist ein Kind der 70-er Jahre und natürlich des Kinos. Kein Wunder das seine favorisierten Filme aus dem chinesischen Kung Fu -, dem japanischen Samurai- und dem Italo-Western-Genre stammen. Alle drei hatten ihre Blütezeit in den 60-er und 70-er Jahren, oft als Wiederaufführungen, da Home Video Systeme zu dieser Zeit so gut wie noch nicht existierten. Das klassische “Cinema of Vengeance” (zu deutsch Rache-Kino) schlug sich im Westen eher in den nihilistischen Selbstjustizfilmen wie “Death Wish” oder “Dirty Harry” nieder. Wie in seinen vorangegangenen Filmen serviert Quentin Tarantino mit “Kill Bill” ein Zitatenkino, dass einer Überdosis Cola-Sirup aus dem alten Getränkeautomaten an der Schule gleicht: unverdünnt, komprimiert, extrem stark, zuckersüß sowie tödlich für jeden (Film-)Diabetiker haut der Filmemacher einem alles um die Augen, was das Exploitationkino für ihn so unvergesslich gemacht hat. Angefangen hat das alles aber schon in “Pulp Fiction”. Uma Thurmans Figur Mia erzählt darin von einem Pilotfilm in dem sie mitspielte: aus der Agententruppe “Fox Force Five” wurde schließlich das “Deadly Viper Squad” von Bill (David Carradine). Am Set von “Pulp Fiction” entwickelten Tarantino und Thurman die Figur der Braut, die gleich zu Beginn von “Kill Bill” eine Kugel in den Kopf bekommt. Nach vier Jahren im Koma erwacht sie und muss feststellen, dass sowohl ihr ungeborenes Baby als auch ihre Freunde von Bills Schergen, ihren einstigen Killer-Kollegen, zum Opfer gefallen sind. Das bedeutet natürlich Krieg! Nr. 1 auf ihrer Racheliste ist die inzwischen zum Yakuza-Boss aufgestiegene O-Ren-Ishi (Lucy Liu), die in Tokiyo schon ein hartes Regiment mit ihren eigenen Untergebenen führt. Über sie hofft die Braut auch die verbleibenden Mitglieder des “Deadly Viper Squad” auszumachen. Zuvor besucht sie jedoch noch einen legendären Schwertmeister, der ihr ein einmaliges Samuraischwert anfertigen soll. Natürlich erzählt Tarantino die Geschichte nicht chronologisch, sondern bedient sich wieder einer puzzlehaften Kapitelstruktur, die den Zuschauer den Film und seine Geschichte entdecken lässt. Dieses erste Volume von “Kill Bill” entnimmt seine Inspiration ganz dem japanischen Genrekino. Nicht umsonst wird Kapitel 3 in einer sehr graphischen Anime-Sequenz gezeigt, während der finale Kampf gegen die Horden von O-Ren-Ishi im “Haus der blauen Blätter” selbst klassische japanische Schlachtfeste wie “Okami” blutleer aussehen lässt. Die letzte Konfrontation zwischen O-Ren-Ishi und der Braut - inspiriert durch die “Lady Snowblood”-Filme - ist einfach nur Schönheit in Tüten. Für seine Akteure hat “Kill Bill Vol. I” leider kaum Zeit. Nur das Kapitel um Hattori Hanzo (Sonny Chiba) gibt der Braut und dem Schwertmeister ein wenig mehr Zeit für bedeutungsschwangere Dialoge. Ansonsten setzt der Film ganz auf harte Action und Atmosphäre. Dass Tarantino seinen Sinn für schnittige Dialoge und bitterbösen Witz aber nicht verloren hat, zeigt die Fortsetzung des Racheepos zur Zeit in den Kinos.

BILD

Kill Bill Vol. 1

Die Bildqualität von “Kill Bill” zu bewerten ist schwierig. Für jedes Kapitel der Erzählung wurde anderes Filmmaterial benutzt, was die Qualität und den Look des Films graduell verändert. Die künstlich integrierten Filmspratzer der Kinoversion sind auf dem DVD-Transfer völlig verschwunden. Die Vorlage des anamorphen Transfers (2.35:1) ist ebenfalls bestem Zustand und zeigt keine Spuren einer analogen Herkunft. Die Schärfe wird an einigen Stellen durch ein sehr seichtes Bildrauschen beeinträchtigt, das wohl aber teilweise auf den Ursprung des Films zurückzuführen ist. Gleiches gilt für den Kontrast, der besonders in hellen Segmenten eher etwas zu harsch die Konturen verwaschen lässt. Die Farben sind in ihrer Saturierung durch das unterschiedliche Filmmaterial ebenfalls unterschiedlich geraten. Zumeist sind sie jedoch übernatürlich stark betont (Ausnahme Hochzeitskapelle) und unterstreichen den eher comichaften Charakter des Films. Der Schwarzlevel ist sehr tief aber trotzdem detailreich. Die ansonsten gute Kompression kann leider nichts gegen das durchgängige seichte Bildrauschen tun. Blockrauschen im Hintergrund oder digitale Artefakte wurden allerdings nicht gesichtet. Ein sehr guter Transfer, der nur mit ein wenig Grundrauschen zu kämpfen hat.

TON

Kill Bill Vol. 1

Der schmucke deutsche DTS-Soundtrack kann vollauf begeistern. Schon zu Beginn des Films bringt er mit viel Aktiv-Bass das Bang-Bang in den Song “Bang Bang”. Die dynamische Surroundaktivität wird sowohl für die prägnanten Musikeinlagen wie für direktionale Soundeffekte eingesetzt. Besonders beeindrückend wirkt dies in der Anime-Sequenz, die das Soundfeld wahrlich voll ausnutzt. Wenn Menschen und Gegenstände quer durch das Bild fliegen, kracht es auf allen Surroundkanälen. Die Dialoge sitzen fest im Centerkanal und werden dank einer guten Abmischung auch nicht überlagert. Ein Unterschied zwischen den Dolby Digital 5.1 Tracks ist diesmal nur im Bassbereich festzustellen, der beim DTS-Track eindeutig mehr Oooommph herausgibt. Sehr gut.

EXTRAS

Als einzig nennenswertes Extra gibt es auf der Scheibe ein 25-minütiges “Making of” von “Kill Bill” zu sehen. Hier handelt es sich glücklicherweise nicht um eine der üblichen PR-Features sondern um einen soliden Blick auf die Entstehung von “Kill Bill”. Genrefans werden hier sicherlich wenig Neues erfahren, aber für alle anderen Zuschauer gibt es eine kleine Lehrstunde in Sachen Exploitationfilm zu sehen. Zudem gibt es zahlreiche Aufnahmen von den Dreharbeiten in China und nette Statements von vielen Beteiligten einschließlich Q & U. Als besondere Hardcore-Dreingabe gibt’s auch noch ein Musikvideo mit zwei Songs der japanischen Girl-Band “5,6,7,8’s” zu sehen. Da die Mädels nicht mal auf Englisch wirklich verständlich plärren gibt’s wenigstens deutsche Untertitel für den Gesang. Zwei Trailer zu “Kill Bill Vol. I” und der Teaser zu “Volume II” sind ebenfalls auf der Scheibe zu finden.

FAZIT

Das Melken hat begonnen. Die erste und sicherlich nicht letzte DVD zu “Kill Bill” ist zwar weit von einer würdigen Special Edition entfernt, aber kann sich trotzdem sehen lassen. Ungeschnittenen und in sauberer Qualität bedient diese Scheibe exzellent den deutschen Mainstream-Markt. Hardcore-Tarantino-Fans setzen ihr Geld allerdings eher auf die japanische Version, denn da gibt’s das Finale komplett in Farbe zu sehen.



Kay Pinno


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