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Manhunter - Roter Drache   

Manhunter - Roter Drache
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Original: Manunter   (USA, 1986)
Laufzeit: 117 Minuten (PAL)
Studio: Kinowelt
Regie: Michael Mann
Darsteller: William Petersen, Dennis Farina, Brian Cox, Tom Noonan, Kim Greist, Joan Allen u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Englisch DS Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Trk, NL, IT u.m.
Extras: 2 Dokumentationen, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1- / 2 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Sie sind wahnsinng!"

Dieses Attribut auf jemanden wie Hannibal Lecter zu verwenden ist ungefähr so als würde man Zucker auf auf den Honig streuen. Trotzdem verfehlt die Bemerkung von FBI-Ermittler Will Graham nicht seine Wirkung bei dem Monster, das er selbst gefangen hat. Leider bekam von dieser denkwürdigen Szene aus “Manhunter” alias “Roter Drache” anno 1986 leider noch niemand etwas mit. Thomas Harris Figuren waren damals bei weitem noch nicht so populär und Regisseur Michael Mann kehrte dem Kino zugunsten seiner TV-Legende “Miami Vice” erstmal den Rücken. Trotz des soliden Remakes von Bret Ratner bleibt Michael Manns “Manhunter” aber immer noch sehenswert. Dies liegt haupsächlich an dem anderen Ansatz den Mann benutzt: statt einen geradlinigen Thriller zu konstruieren steht die Figur von Will Graham (grandios mit William Petersen besetzt) und dessen fast übernatürlich wirkende Fähigkeit, sich in die Täter und deren Verbrechen hineinzudenken, im Vordergrund. Er ist eigentlich ein ähnlich außerhalb der Gesellschaft stehender Sonderling wie Lecter (Brian Cox) oder auch der im Film gesuchte Zahnfee-Killer, Francis Dollarhyde (ewig apathisch Tom Noonan). Grahams Kampf um seinen Verstand bei der Hatz auf die Zahnfee wird zum dramatischen Dreh- und Angelpunkt in “Manhunter” - ein Aspekt der in Ratners “Roter Drache” eigentlich keine Rolle spielt. Dazu kommt noch Michael Manns großartiges visuelles Gespür, das jede Szene zu einem kleinen Kunstwerk geraten lässt, ohne den Film dabei künstlich aussehen zu lassen. “Manhunter” fehlt eigentlich nur Anthony Hopkins, aber dann hätte der Film wohl auch anders ausgesehen.

BILD

Manhunter - Roter Drache

Endlich in seiner korrekten Aspect Ratio präsentiert dürfte das anamorphe Widescreen Format alle Skeptiker zufriedenstellen. Oft nur in einer schlechten Vollbildfassung auf Video oder im TV zu sehen, entfaltet der Film so endlich seine anvisierte Wirkung. Die Vorlage ist in sehr gutem Zustand und lässt nur einige winzige Spratzer im Film auftauchen. Die unterschiedlichen stylisch gefärbten Setting erstrahlen auch hier in voller Blüte: so ist die Bettszene von Graham und seiner Frau zu Beginn des Films ein atemberaubender Traum in Blau. Trotz Filtereinsatz hält sich die Schärfe auch in Wideshots gut und ein lästiges Bildrauschen bleibt erfreulicherweise aus. Der Schwarzlevel könnte einen Tick stärker sein, da sich in den dunklen Flächen ein leichtes Grieseln zeigt. Obwohl Kinowelt in letzter Zeit oftmals DVD mit schwacher Kompression auf den Markt geworfen hat bleibt bei “Manhunter” alles ruhig. Sehr gut.

TON

Manhunter - Roter Drache

In Sachen Atmosphäre bietet “Manhunter” einen wirklichen tollen Soundtrack, der durch seine stilvolle musikalische Untermalung den Zuschauer schnell in seinen Bann zieht. Leider fällt die deutsche Stereospur dabei ein wenig flach aus. Kraftlos dringen Soundeffekte hauptächlich auch aus der Centerbox und lassen dadurch einen gequetschen Eindruck der nur im vorderen Bereich aktiven Soundstage aufkommen. Echte Surroundeffekte sind hier nicht zu vernehmen. Die aufgeräumten Dialoge sind noch der beste Teil des deutschen Tons, obwohl auch hier etwas mehr Dynamik nicht geschadet hätte. Der Vorzug ist eindeutig dem englischen Dolby Digital 5.1 Upmix zu geben. Die Musik kommt mit kraftvollem Basseinsatz zur Geltung und auch die Originaldialoge erklingen in neuer Fülle. Auch wenn es durch den Film keine wirklich diskreten Effekte gibt, werden die Surroundkanäle für atmosphärische Momente wie Wellenrauschen und natürlich die hervorragende Musik benutzt.

EXTRAS

Als Bonusmaterial hat Kinowelt fleißig bei Anchor Bay lizensiert: “Inside Manhunter” ist eine über 20 Minuten laufende Dokumentation mit neuen Interviews von William Petersen, Tom Noonan, Joan Allen und Brian Cox. Alle vier Teilnehmer plaudern frei von der Leber weg über ihre “Manhunter”-Erfahrungen ohne dabei peinliche Details auszusparen. Das Fehlen von Michael Mann kann wirklich gut verschmerzt werden, da die Schauspieler ebenfalls ihre Meinungen zur Aufbereitung ihrer Rollen und der Hannibal Lecter Thematik haben. Eine wirklich gelungene Dokumentation. In der zweiten Dokumentation - “The Manhunter Look” - erzählt Kameramann Dante Spinotti, der auch in Ratners Remake “Roter Drache” hinter der Kamera stand, viele technische Details aber einige Anekdoten über die Zusammenarbeit mit Michael Mann. Auch für nicht Filmtechnik-Freaks bleibt dieser Clip deshalb sehenswert. Einige Trailer und eine Bildergalerie beschließen die Manhunter DVD.

FAZIT

Auch wenn diese Version des ersten Kapitels in der Hannibal Lecter Saga nicht jeden Geschmacksnerv trifft, bleibt “Manhunter” ein mehr als sehenswerter Film. Kinowelt hat sich dafür ins Zeug gelegt und eine hervorragende DVD mit guten Extras zu einem unwiderstehlichen Preis von unter 20 Euro produziert. Dringend empfohlen!!



Kay Pinno


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