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Martin   

Martin
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Original: Martin   (USA, 1977)
Laufzeit: 91 Minuten (PAL)
Studio: Capelight
Regie: George A. Romero
Darsteller: Lincoln Maazel, John Amplas, Christine Forrest, Elyane Nadeau u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch DD2.0 Deutsch, Eng.
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3-/ 3-/ 4+ (Bild/Ton/Extras)


"Martins Tag!"

George A. Romero ist hauptsächlich aufgrund seiner Zombiefilme bekannt, zuletzt lief sein „Land of the Dead“ auch in den deutschen Kinos. Sein filmisches Gesamtwerk umfasst daneben auch Werke mit ganz anderen Themenbereichen. Der 1977 entstandene „Martin“ interpretiert den Vampirmythos auf eine ganz persönliche Weise. Die Titelfigur Martin reist zu Beginn per Zug zu seinem Cousin Cuda, der in Pittsburgh lebt. Fortan wohnt Martin bei Cuda und dessen Tochter. Der junge Mann hilft im Geschäft seines Cousins aus, indem er Botengänge übernimmt. Cuda kennt aber auch die dunkle Seite Martins, der immer wieder Blutdurst verspürt, und verbietet ihm, Opfer in der eigenen Stadt zu suchen. Immer wiederkehrend muss Martin jedoch seinem Drang nachgehen, so dass er Frauen auflauert, um schließlich ihr Blut zu trinken. Er betäubt sie zunächst durch eine Injektion, trinkt ihr Blut und übt an ihnen danach sexuelle Handlungen aus, weil er sich bislang nicht traute, eine lebendige Partnerin zu suchen. Das Vergnügen gewöhnlichen Sexes eröffnet ihm erst eine unglücklich verheiratete Hausfrau, deren Zuneigung Martins Seelenzustand zu stabilisieren scheint. Cuda bezeichnet Martin mehrfach als Nosferatu. In seinem Haus lagert er Knoblauchzehen und hängt Kruzifixe auf, um sich und seine Tochter vor Martins Blutdurst zu schützen. Keines der klassischen Abwehrutensilien zeigt jedoch irgendeine Wirkung. Martin hantiert offensiv mit dem Knoblauch herum, um Cuda zu überzeugen, dass dies sinnlos ist. Auf diese Weise bleibt völlig offen, wie es zu Martins Zustand kam. Der völlig in sich gekehrte junge Mann könnte einerseits tatsächlich ein Vampir sein, andererseits ist es auch möglich, dass ihm seine repressive Umgebung das nur eingeredet hat. „Martin“ zeichnet das sensible Portrait eines Menschen, der sich in einem Zustand höchster Seelenpein befindet. Seine einzigen sozialen Kontakte bestehen zu Cuda, der ihn als Nosferatu diffamiert, dessen Tochter, die ihn zwar ernster nimmt, aber mit anderen Dingen beschäftigt ist, und den Opfern, deren Blut er trinkt. Martins Vampirismus wirkt wie das sehnsüchtige Verlangen nach einem Leben, dass er in seiner Isolation nicht hat. Verzweifelt saugt er anderen Menschen in der Hoffnung den Lebenssaft aus, seiner Existenz neue Impulse zu verleihen. Romero inszeniert den Vampirmythos in diesem Sinne als soziologische Metapher. Es ist kein Zufall, dass das Pittsburgh des Films wie eine Stadt des Niedergangs erscheint, deren Bevölkerung abwandert oder unglücklich ist. Keine der auftretenden Figuren besitzt ein intaktes Sozialleben. Die Hausfrau, welche Martin Sex anbietet, ist verheiratet, eines seiner Opfer überrascht er gerade bei einem Seitensprung. Deswegen ist Martins Suche nach einem besseren Leben auch zum Scheitern verdammt. Denn das bessere Leben gibt es in Romeros düsterer Gesellschaftssicht schon längst nicht mehr. Durch seine Welt wandert der Tod und letztlich ist es egal, ob er körperlich oder sozial erlitten wird.

BILD

Martin

Vielleicht sollte man „Neuer 16:9 Widescreen Transfer von HD“ nicht ganz so offensiv auf das Cover der DVD schreiben, denn letztlich handelt es sich bei „Martin“ um einen 28 Jahre alten Low-Budget-Film, dessen Bildqualität die dadurch geweckten Erwartungen niemals erfüllen kann. Das Bild ist nicht besonders scharf, auch wirkt es wenig detailreich. Die Farben sind weitgehend in Ordnung und auch der Kontrast arbeitet auf brauchbarem Niveau. Das Bild ist teilweise ungemein körnig, auch treten häufig stehende Rauschmuster auf. Viel mehr ist bei „Martin“ wahrscheinlich auch kaum herauszuholen, nur muss sich Capelight angesichts der oben erwähnten vollmundigen Werbung nicht wundern, wenn der Käufer unter Umständen bitter enttäuscht ist. Insgesamt ist der Transfer unter Berücksichtigung des Filmalters sowie der Produktionsbedingungen in Ordnung.

TON

Martin

Auch der Mono-Ton liefert eine Vorstellung, die akzeptabel ist. Natürlich tritt ein leichtes Rauschen auf. Der englische Ton ist dumpfer, als die deutsche Synchronisation und es kommt zu leichten Verzerrungen. Dennoch lassen sich die Dialoge gut verstehen, so dass man nicht viel kritisieren braucht. Wer es nicht lassen kann, dem Film einen Ton aufzupfropfen, der niemals vorgesehen war, der kann auch einen deutschen oder englischen 5.1-Upmix anwählen.



EXTRAS

Auf dem Audiokommentar sind George A. Romero (Regie), Michael Gornick (Kamera), Richard Rubinstein (Produktion) und Tom Savini (Spezialeffekte) zu hören. Es scheint so, als träfen sich hier ein paar alte Bekannte wieder und so hört sich auch der Audiokommentar an. Nur ganz selten äußert man sich in interessanter Weise zum Film, wenn beispielsweise einzelne Motive erläutert werden. Auch ein paar Produktionsanekdoten und die Arbeitsweise von George A. Romero im Schneideraum gehören zu den brauchbaren Teilen des Kommentars. Über sehr weite Strecken lobt man sich jedoch gegenseitig, macht belanglose Witze über die Nacktszenen des Films oder erzählt, in wessen Haus eine Szene gedreht wurde. Da man die Hausbesitzer jedoch nicht kennt, ist das lediglich von privatem Interesse für die Kommentatoren. Der nicht beteiligte Zuhörer bleibt dabei ausgeschlossen. „Making Martin: A Recounting“ ist ein etwa 10minütiger Beitrag, in dem sich Romero (Regie), Savini (Spezialeffekte), Rubinstein (Musik) und ein paar der Darsteller an die Produktion erinnern. In knapper Form erzählen die Beteiligten etwas über die Produktionsumstände oder ihre Sicht auf den Film. Auf diese Weise wird ein bisschen der Geist der damaligen zeit lebendig, in dem der Film entstanden ist. Zwei Radiospots, ein TV-Spot, der Trailer und eine Fotogalerie runden das Bonusmaterial ab.

FAZIT

George A. Romeros „Martin“ nutzt den Vampirmythos für eine faszinierende Gesellschaftsmetapher, die ein düsteres Bild sozialer Beziehungen zeichnet. Technisch ist die DVD in Ordnung, das Bonusmaterial überzeugt jedoch nicht, weil der Audiokommentar sehr schwach ausfällt.



Stefan Dabrock


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