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Novocaine - Zahn um Zahn   

Novocaine - Zahn um Zahn
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Original: Novocaine   (USA, 2001)
Laufzeit: 95 Minuten (PAL)
Studio: Highlight
Regie: David Atkins
Darsteller: Steve Martin, Helena Bonham Carter, Laura Dern, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD 5.1 Englisch, Deutsch
Untertitel: -
Extras: Making of, Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3-/ 2-/ 3 (Bild/Ton/Extras)


"Wer anderen die Zähne zieht, muss selber bluten!"

Die Karriere Steve Martins befindet sich nicht gerade auf ihrem Höhepunkt. Um so erfreulicher ist es, wenn ein Film mit dem Komödienhelden der 80er und frühen 90er wenigstens eine Veröffentlichung auf Video und DVD erfährt. Wenn dann noch Helena Bonham Carter, die man in “Fight Club” so richtig lieb gewinnen konnte, und Laura Dern – gerne erinnert man sich an David Lynchs “Blue Velvet” oder “Wild at Heart” – mitspielen, kann schauspielerisch nichts mehr schief gehen. Aber der Film überzeugt nicht nur durch seine Besetzung. Wenn man ein Herz für klein produzierte Genre-Filme hat, die das Kino zwar nicht neu erfinden, aber auf charmante Weise bedienen, dann ist man hier genau richtig. Steve Martin schlüpft in die Rolle eines Zahnarztes, der eigentlich keinerlei Probleme hat. Die Praxis floriert, seine reizende Verlobte assistiert ihm bei der Arbeit. Aber dann, man ahnt, dass das Glück nicht unbeschadet bleiben kann, taucht das Problem in Form der attraktiven Helena Bonham Carter bei ihm auf. Am späten Abend erscheint sie zu einem Termin, der eigentlich vormittags hätte statt finden sollen. Das weiß natürlich auch unsere “Femmes Fatale”, spielt aber dennoch die Unschuld vom Lande, bis sie herausfindet, dass es eine geheime Phantasie ihres Zahnarztes ist, Sex im Behandlungsstuhl zu haben. Und weil gerade niemand in der Praxis ist, verführt sie Steve Martin. Ihr Hintergedanke dabei ist jedoch weniger der Spass, als Martin in einen Zustand der Unaufmerksamkeit zu versetzen, so dass sie seinen gesamten Vorrat der Droge Novocaine stehlen kann. Als der Diebstahl am nächsten morgen bemerkt wird, ist auch die Drogenfahndung nicht weit, welche durch einen toten Drogensüchtigen Wind von der Sache bekommen hat, bei dem eine Flasche mit dem Namen des Arztes gefunden wurde. “Novocaine” löst die klassische Geschichte vom glücklichen Menschen, der durch Leichtsinn in Schwierigkeiten gerät, nicht in einer amüsanten Komödie auf. Statt dessen pendelt er mit genügend Thriller-Momenten versehen, die gleichzeitig etwas absurdes an sich haben, zwischen Humor und Spannung. Niemals jedoch verfällt David Atkins in den Fehler, die bedrohliche Situation der Lächerlichkeit preis zu geben. Der Zahnarzt greift, immer hektischer durch sein zerbrochenes Leben hetzend, zu stetig verzweifelteren Methoden, um heil aus der Sache zu kommen und seine Gelegenheitsgeliebte nicht zu gefährden. Steve Martin spielt diesen Mann mit einer nervösen Leidensfähigkeit, der schließlich erkennen muss, dass sein Glück an anderer Stelle liegt, als immer gedacht. “Novocaine” erweist als gelungener, kleiner Genre-Vertreter aus Thriller, Film Noir und leichten Komödienansätzen, der das immerwährende Thema vom persönlichem Glück und seiner Gefährdung behandelt.

BILD

Novocaine - Zahn um Zahn

“Novocaine” leidet in der vorliegenden Fassung vor allem an der Bildschärfe. Es stellt sich während der kompletten Lauflänge ein ständiger, leichter Weichzeichnereffekt ein. Die Konturen laufen aus. In dunkleren Szenen nutzen deswegen auch akzeptable Kontrastwerte nur wenig, die Details sind nicht vollständig klar wieder gegeben. Dreckspuren oder kleinerer Schäden halten sich in engen Grenzen und beeinträchtigen die Qualität nur sehr unwesentlich. Das vorhandene Hintergrundrauschen ist zumeist sehr schwach und nur in einigen wenigen Szenen drängt es sich stärker in den Vordergrund. An mancher Stelle lassen sich außerdem deutlichere Rauschmuster auf einzelnen Flächen oder Gegenständen ausmachen. Alles in allem landet die Bildqualität gerade noch im unteren Durchschnittsbereich.

TON

Novocaine - Zahn um Zahn

Am Ton gibt es nur wenig auszusetzen. Die Verständlichkeit der Dialoge ist an keiner Stelle getrübt. Der größte Unterschied zwischen der deutschen Synchronisation und dem englischen Originalton besteht in einem leichten Rauschen bei der englischen Spur. Mit voreiligen Abzügen sollte man sich aber im Zaum halten, da der ganze Film dadurch wesentlich näher am Geschehen und weniger künstlich als die klinisch reine Synchronisation erscheint. Einige nette Nebengeräusche tauchen in den Surroundkanälen auf, ansonsten muss die Musik für den räumlichen Klang sorgen.

EXTRAS

Das Bonus Material macht einen durchwachsenen Eindruck. Das Making Of kommt mit seinen gut acht Minuten nicht über das übliche Promotiongequatsche hinaus. Netter ist da schon die etwa 9minütige Kurzdoku über die zahntechnische Gerichtsmedizin. Das Thema spielt im Film zwar nur eine kleine, aber durchaus entscheidende Rolle. Man erfährt ein wenig über die Bedeutung und Arbeitsweisen zahnärztlicher Methoden bei der Identifizierung von Toten und der Verbrechensbekämpfung. Die vier Deleted Scenes sind größtenteils nicht besonders wichtig für den Film. Lediglich die erste, welche das Verhältnis der Steve Martin Figur zu seinem Bruder klarer macht, als es im Film wird, hätte man sich in der fertigen Schnittfassung gewünscht. Ein amüsanter Outtake zeigt Steve Martin, wie er erfolglos versucht einen Bademantel anzuziehen. Ansonsten gibt es noch eine Szene im Bild im Bild Modus als Vergleich zur Storyboard-Zeichnung zu sehen, Biographien und Werberailer.

FAZIT

Steve Martin, Helena Bonham Carter und Laura Dern in einem feinen, kleinen Thriller mit Komödienansätzen. Auch wenn die Bildqualität nicht ganz den heutigen Ansprüchen genügen kann, bietet die restliche DVD genügend Kaufanreize. Steve Martin Fans haben ohnehin keine Wahl.



Stefan Dabrock


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