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Open Range SE   

Open Range SE
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Original: Open Range   (USA, 2003)
Laufzeit: 133 Minuten (PAL)
Studio: Universum
Regie: Kevin Lima
Darsteller: Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-ES + DD-EX Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar, geschn. Szenen, Making of u.v.m.
Preis: ca. 23 €
Wertung: 1 / 1 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Dinosaurier des Westens!"

Das letzte Aufbäumen des Wilden Westens hat sich Kevin Costner wieder mal als filmisches Thema ausgesucht. In “Open Range” setzt der ehemalige Wolftänzer diesmal die Cowboys auf die Liste der bedrohten Kulturen. Irgendwie scheint sich bei Filmemacher Kevin Costner ein Teil von Hollywoods verstorbener Western-Legende Sam Peckinpah niedergelassen zu haben. Seine große Affinität zu Westernstoffen lässt fast vermuten, dass er einfach nur in die falsche Zeit geboren wurde. Während sich Peckinpah aber eher für die Gesetzlosen interessierte, kümmert sich Costner um die gesellschaftliche Massakrierung einer Epoche und ihrer einmaligen Lebensarten. Mit “Der mit dem Wolf tanzt” rückte er das filmische Bild der Indianer gerade. Das bescherte Costner gleich zwei und dem Film insgesamt sieben Oscars. Auch seine beiden anderen Regie-Arbeiten -“Waterworld” und “The Postman” - spielten nur Western-Szenarien in einer postapokalyptischen Welt nach. In “Open Range” kehrt er aber wieder zum klassischen Genre zurück und inszeniert einen Abschiedstribut für die echten Cowboys des Westens – den sogenannten “Free Grazers”. Boss Spearman (Robert Duvall) und Charley Waite (Costner) gehören zu diesen mit ihren Rindern frei über das Land ziehenden Vagabunden. Die sind besonders sesshaften und mächtigen Ranchern wie Denton Baxter (Michael Gambon) ein Dorn im Auge. Deshalb steht statt Lagerfeuer-Romantik ein finsterer Racheplot im Stile von Clint Eastwoods “Erbarmungslos” im Zentrum der Geschichte. Als einer von Spearmans Männern für ein paar Erledigungen in die Stadt reiten muss, beginnt der blutige Konflikt zwischen dem “modernen” Machtmenschen Baxter und den Cowboys (darunter auch Diego “Y tu mamá también” Luna), der natürlich in einer finalen Hauptstraßen-Schießerei seinen Höhepunkt finden muss. Sicherlich eröffnet “Open Range” dem Zuschauer keine neue Sicht auf das Western-Genre, doch Costner verleiht den bekannten Mustern einen wunderbar ambivalenten Hintergrund in den beiden Hauptfiguren . Während der ruhige Boss eher versucht, Probleme friedlich zu lösen, hadert Charley immer noch mit seiner gewalttätigen Vergangenheit aus den Bürgerkriegstagen. Doch im Kampf um ihre eigene Lebensphilosophie sind sie doch einer Meinung. “Rinder sind eine Sache”, erklärt Boss. “Aber wenn ein Mann einem anderen Mann vorschreibt, wo er in diesem Land hingehen darf, dann ist das etwas anderes.” Das sich auch noch eine Liebesbeziehung in diesen archetypischen Freiheitskampf gemogelt hat, darf wohl der vermeintlichen Anbiederung an den Massengeschmack zugeschrieben werden. Der letzte Ritt in den Sonnenuntergang ist hier der Abschied einer aussterbenden Gattung, die sich ihrem Schicksal klar gegenüber sieht.

BILD

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Das anamorphe Widescreenbild (2.35:1) ist eine wahre Pracht. Die Vorlage liefert eine perfekte Grundlage ohne Spratzer oder Aussetzer. Schärfe und Kontrast sind extrem gut und liefern ein rasiermesserscharfes Bild, das sowohl in den zahlreiche Wideshots als auch in den Close-Ups begeistern kann. Die kräftige wie ausgewogene Farbaussteuerung sind schließlich das i-Tüpfelchen des tollen Transfers, der die großartigen Bilder von Kameramann James Muro nochmal so gut aussehen lässt. Der Schwarzlevel ist tief und äußerst detailreich. Nicht ein Bildelement geht in den dunkleren Szenerien des Films verloren. Die Kompression leistet ebenfalls meisterliche Arbeit und liefert einen stabilen artefakt- und hintergrundrauschfreien Filmgenuss. Sehr gut.

TON

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Auch der Sound braucht sich hinter dem phänomenalen Bild nicht zu verstecken. Zudem hat sich Universum zu einem bisher einmaligen wie in diesem Fall absolut großartigen Entschluss durchgerungen: sowohl der deutsche als auch der englische Ton werden auf der Special Edition in DTS-ES präsentiert. In beiden Fällen muss die Bezeichnung “Laut” neu definiert werden, da der Track anscheinend mit voller Power aufgezeichnet wurde. Tipp: die heimische Anlage mindestens 10db leiser stellen als gewöhnlich, damit einem nicht die Ohren abfliegen. Insgesamt setzt der Track viel auf das Ambiente und auch auf die epische Musik. Besonders bei den zahlreichen Gewitter und Regensequenzen gerät man gerne in Versuchung, das eigene Wohnzimmer nach Überflutungen zu überprüfen. Alle Surroundkanäle sind von Anfang an aktiv dabei und liefern über die gesamte Distanz eine echte 360-Grad Soundstage für den Film. Die nur wenigen gezielt direktionalen Effekte, besonders im finalen Shoot-Out, sind klasse platziert und verfehlen ihre Wirkung nicht. Der Basseinsatz ist besonders bei Blitz und Donner spürbar. Die Dialoge kommen immer verständlich aus dem Centerkanal, aber werden an einigen Stellen auch hübsch direktional verteilt. Echtes Demo-Material.

EXTRAS

Auf der ersten Filmscheibe befindet sich der laufende Audiokommentar mit Kevin Costner, der schon Kommentar-Erfahrung von “Der mit dem Wolf tanzt” mitbringt. Von thematischen Motiven des Films über produktionstechnische Details bis zu historischen Hintergrunden bekommt der Zuhörer bei diesem Track die volle Breitseite des Wissens eines echten Filmemachers zu hören. Besser und ausgewogener kommen Audiokommentare nur selten. Absolutes Pflichtprogramm.

Die zweite DVD ist hält den Hauptteil der Extras bereit. Das 66-minütige “Making of” (unterteilt in acht Kapitel, die alle zusammen abgespielt werden können) bietet einen sehr tiefen Einblick in die Produktion dieses großen Western-Epos. Mit zahlreichen und wirklich guten Behind-the-Scenes Aufnahmen, die die Filmemacher hauptsächlich während ihrer Off-Camera Arbeit zeigen, wird ein umfassender Eindruck von der Entstehung des Films und der harten Arbeit an den Outdoor-Sets gezeigt (u.a. wurde die Western-Stadt komplett für den Film neu aufgebaut). Während der gesamten Doku fungiert Kevin Costner als Erzähler, wodurch einem die üblichen “sprechenden Köpfe” von handelsüblichen “Making ofs” erspart bleiben. Erstaunlicherweise bekommt der Zuschauer sogar auch etwas über die Schwierigkeit des Casting-Prozess für einen Film vermittelt. Filmclips sind nur in sehr geringem Umfang vorhanden, so dass sich die Doku wirklich voll auf jedes noch seine kleine Detail der Entstehung konzentrieren kann. Großartig. Eine weitere Dokumentation namens “Amerikas Open Range” (13 Minuten) beschäftigt sich mit der Historie von Cowboys und den im Film auftauchenden “Free Grazers”. Besonders beeindruckend ist dabei originales Fotomaterial aus der Periode zwischen 1866 und 1887. Hinter “Storyboards” verbirgt sich keine überflüssige Dauermontage sondern ein knapp 6-minütiger Einblick in die Arbeit des Set-Storyboarders, der seine Arbeit spontan auf dem Set erledigt. Die “Deutschlandpremiere” (ca. 10 Minuten) zeigt Kevin Costners Premieren-Auftritt in Hamburg, der nicht sonderlich spektakulär aber trotzdem ganz nett ist. Dafür sind die 12 geschnittenen/verlängerten Szenen (im Standard Widescreen-Format mit Timecode) sehr gut und hätten sicherlich auch gut in den Film gepasst. Neben schönen Charakter-Momenten bekommt man hier auch endlich die Geschichte des ursprünglichen Streits in der Stadt zu hören. Alle Szenen sind zusätzlich mit einem Videokommentar von Costner anzuschauen. Desweiteren gibt es einen Musik-Videoclip mit Behind-the-Scenes Aufnahmen von “Open Range”, Trailer und TV-Spots zu sehen. Zusätzlich sind auch noch biographische Informationen zu den Schauspielern abrufbar.

FAZIT

Die Special Edition von “Open Range” erfüllt alle Anforderungen, die an eine DVD gestellt werden können. Neben exzellenter Bild- und Tonqualität bekommt der Käufer extrem hervorragendes Extramaterial geliefert, welches wirklich essentielle Informationen und Unterhaltung liefert. Diese Doppelscheibe ist der ebenfalls erhältlichen Standard-Edition eindeutig vorzuziehen! Dringend empfohlen.



Kay Pinno


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