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Pakt der Wölfe, Der   

Pakt der Wölfe, Der
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Original: Le Pacte Des Loups   (Frankreich, 2001)
Laufzeit: 137 Minuten (PAL) / 145 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar / Helkon
Regie: Christophe Gans
Darsteller: Samuel Le Bihan, Vincent Cassel, Mark Dacascos, Monica Bellucci, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Französisch
Extras: 2 Kommentare, 2 Making of, Deleted Scenes
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1-/ 1-/ 1+ (Bild/Ton/Extras)


"Willkommen im Land der Bestie!"

Frankreich in der Mitte des 18. Jahrhunderts: In der dünnbesiedelten Provinz von Gévaudan tötet eine Bestie auf grausame Weise zahlreiche Bauern. Der Naturwissenschaftler und Bonvivant Gregoire de Fronsac soll dem Werwolfsmythos auf den Zahn fühlen. Die historische Sage um die “Bestie von Gévaudan” hat die Phantasie des französischen Regisseurs Christophe Gans höher schlagen lassen. Schon in der kultigen Killersaga “Crying Freeman” bewies der optikbewusste Filmfan sein gutes Gespür bei opulenter Action die feinsinnige Story nicht zu vernachlässigen. “Der Pakt der Wölfe” wirkt fast wie eine Droge. Angesiedelt zwischen historischem Kostümdrama, Horrorgeschichte, Politthriller und Hongkong-Actionfilm schafft Gans das Unmögliche: Er kombiniert diesen waghalsigen Genremix zu einem intelligenten Unterhaltungsfilm der Superlative. Schon der erste Auftritt von Fronsac (Samuel LeBihan) und seinem indianischen Begleiter Mani (Marc Dacascos) lassen keinen Zweifel an der düsteren Mittelalter-Welt, die der Zuschauer für die nächsten zweieinhalb Stunden betritt. In strömenden Regen stellen sich die beiden in hochgeschlossenen Allwettermänteln gekleideten Reisenden einem aufgebrachten Mob. Im Wechsel zwischen Zeitlupe und Echtzeit fliegen Kampfstöcke, Arme und Beine durch Regen und Matsch. Hinter der Kamera sorgte Hongkong-Veteran Philip Kwok für die richtige Choreographie beim Gerangel vor der Linse. Ein echter Augenschmaus. Zu Gast bei der provinziellen Aristokratie nimmt Fronsac die Untersuchungen in den Todesfällen auf. Schnell kommt auch die Einsicht, dass die Opfer nicht von einem gewöhnlichen Wolf getötet worden sein können. An übernatürlichen Hokuspokus möchte der Gelehrte aber auch nicht glauben. Erst als nach weiteren Todesopfern ein Kind den Angriff der Bestie überlebt, bekommen die Untersuchungen von Fronsac eine entscheidende Wendung. Die komplexe Auflösung des “Pakt der Wölfe” dürfte den Zuschauern beim ersten Anschauen besonders in der Mitte des Films ein wenig Sitzfleisch abverlangen. Christophe Gans vermittelt seine Botschaften hauptsächlich visuell und erst der Schluss spannt den entscheidenden Bogen für die Beziehungen der Charaktere. Das Finale strotzt dafür zum Ausgleich mit energetischer Action. Den einzigen Schwachpunkt im brillianten Gemälde-Look des Films bietet der digitale Anblick der Bestie. Mancher Schrecken sollte eben lieber im Dunkeln bleiben. Das Ticket nach Hollywood braucht Regisseur Christophe Gans nach dem “Pakt der Wölfe” nicht mehr zu lösen. In Frankreich ist er nämlich schon weit über deren Horizont hinaus. Die DVD von Helkon/Columbia Tristar bietet neben der normalen Kinofassung per “integrated Branching” auch noch die Möglichkeit einen acht Minuten längeren Director’s Cut anzuschauen (mehr dazu bei den Extras!).

BILD

Pakt der Wölfe, Der

Obwohl das Bild von “Der Pakt der Wölfe” ziemlich großartig ausschaut gibt es doch einige Kleinigkeiten, die die Höchstnote leider etwas schmälern. Das Dilemma fängt mit der Aspect Ratio an. Obwohl auf dem Cover ein Seitenverhältnis von 2.35:1 angegeben ist, sieht das Bild höchstens nach einem 2.20:1 Format, wenn nicht weniger aus. Die Vorlage ist nur in fast perfektem Zustand: An einigen Stellen lassen sich deutliche wenngleich kleine Spratzer bemerken. Die Farbwiedergabe ist allerdings hervorragend und beweist gleich in der Anfangssequenz seine Stärke im dichten Grün der Graslandschaft. Zudem sind die Schärfe und Detailvielfalt überrragend. Nur die Kontraste sind dann und wann ein wenig zu kräftig, während der Schwarzlevel leider im letzten Drittel des Films ein wenig wankelmütig wird und dunkle Stellen etwas bleicher als sonst aussehen lässt. Die Kompression ist absolut gelungen und offenbart keine digitalen Artefakte. “Der Pakt der Wölfe” hätte bei einer (noch!) besseren Vorlage sicherlich ein Referenzbild gehabt. Trotzdem gibt es hier ein ziemlich großes Wow.

TON

Pakt der Wölfe, Der

Monstermäßigen Sound verspricht der deutsche DTS-Track und hält sein Versprechen auch fast. Die höchst atmospherisch-gruselige Musik von Joseph Lo Duca kommt in vollem Umfang zur Geltung. Auch präsentiert sich ein durchgängiges 360-Grad-Ambiente sowohl in der freien Natur als auch in den düsteren Kammern der Schlösser. Der Audiotrack nimmt sich aber ein wenig bei den Kampfszenen zurück. Hier wirkt der Schlagabtausch ein wenig gedimmt und kraftlos im Vergleich zur restlichen Soundkulisse. Hier hätte etwas mehr “Punch” hingehört. Dies ist aber schon das einzige worüber der Zuschauer mäkeln könnte. Die Abmischung ist schon fast zu gut. Die Dialoge kommen auch im wilden Kampfgetümmel gut herüber und wenn die Bestie angreift darf der Subwoofer so richtig aufglühen. Auch gezielte direktionale Effekte, wie die Bestie zum Beispiel ihre Beute umkreist, sind hervorragend gelungen und bringen die gruselige Hammer-Studio-Stimmung ins Wohnzimmer. Saubere Arbeit.

EXTRAS

Schon das aufwendige 3-er Disc Set aus Frankreich ließ die Frage bei den deutschen Fans von Christophe Gans aufkommen: Wieviel von dem aufwendigen Extra-Material würde sich auf der deutschen DVD wiederfinden lassen? Das Warten ist jetzt vorbei und die Angst vor einer mageren DVD auch. Helkon hat fast alle Extras übernommen. Aber fangen wir von vorne an: Auf der ersten Scheibe befindet sich neben der 137-minütigen Kinofassung auch ein 145-minütiger Director’s Cut. Hier wurden einige Dialogszenen per “Integrated Branching” eingefügt. Die neuen Szenen behandeln einen weiteren Aspekt in der Beziehung zwischen Fronsac und Marianne Mongarias sowie eine andere Erklärung für die Rückkehr Fronsacs ins Gévaudan. Die Szenen sind aufgrund fehlender Synchronisation im französischen Original mit deutschen Untertiteln. Persönlich halte ich die Kinofassung für die bessere Version, da die neuen Szenen, dem schon langen Film keine wirklich neuen Aspekte hinzufügen. Trotzdem ist es schön, beide Fassungen auf einer DVD zu haben. Nur bei dem Director’s Cut anwählbar, darf sich der Zuschauer zwischen zwei Audiokommentaren (auf Französisch mit deutschen Untertiteln) entscheiden. Auf dem ersten Track gibt sich Regisseur Christophe Gans die Ehre. Mit einer riesigen Fülle an Informationen beleuchtet er ohne Lücken sowohl die technischen als auch die künstlerischen Entscheidungen, die bei der Entstehung des Films traf. Für Filmschüler ein absolutes Muss, aber für normale DVD-Fans könnten Gans Ausführungen ein wenig zu anstrengend sein. Etwas Abwechslung bieten da die Haupdarsteller Samuel Le Bihan und Vincent Cassel, die sehr engagiert aber etwas lockerer an den Film herangehen. Mit Witz und Charme wird hier die persönliche Erfahrung als Schauspieler bei dem “Pakt der Wölfe” mitgewirkt zu haben auch für den Zuschauer lebendig. Beide Kommentare sind wirklich mehr als gelungen und runden das Filmerlebnis wirklich ab. Hervorragend.

Auf der zweiten DVD befinden sich weitere ausführliche Extras: Die Dokumentation “Im inneren der Bestie” ist ein tiefer Einblick (ca. 80 Minuten!) in die komplette Entstehungsgeschichte von “Der Pakt der Wölfe”. Mit Interviews von allen Beteiligten hinter der Kamera werden verschiedene Aspekte wie die Drehbuchentstehung, die künstlerische Gestaltung oder auch die Kämpfe ausführlich besprochen. Da die Dokumentation komplett auf Französisch mit deutschen Untertiteln ist, sollte man sich lieber einen ruhigen Moment zum Anschauen der Dokumentation aussuchen, da durch die Fülle an Informationen viel lesen erforderlich ist. Ein Musterbeispiel einer gelungenen Dokumentation. ein absolutes Muss. Hinter der zweiten Dokumentation “Hinter den Kulissen” verbirgt sich ein 78-minütiger Zusammenschnitt aus “Behind the Scenes”-Aufnahmen, die mit On-Screen Kommentaren von Christophe Gans und anderen Beteiligten zu einem Produktionstagebuch zusammengefasst wurden. Wow, da fällt einem Nichts mehr ein! Hier wurde ganze Arbeit geleistet, dem Zuschauer die Strapazen einer Filmproduktion näher zu bringen. Für beide Dokumentationen gibt es ebenfalls separate Kapitelanwahlmöglichkeiten. Als Sahnehäubchen gibt es noch eine “Deleted Scenes”-Sektion, die in der Ausführung ihresgleichen sucht. Anstatt die fünf Szenen einfach hintereinander zu klatschen, gibt Christophe Gans zu jeder Szene On-Screen eine kleine Einleitung. Danach kommt die eigentliche Szene in non-anamorphen Widescreen, die zum Abschluss von Christoph Gans mit einigen “Behind the Scenes”-Aufnahmen der Szene erläutert wird. Bei den fünf Szenen gibt es zusätzlich eine sechste Auswahlmöglichkeit: Wie bei der DVD von “Gladiator” gibt es eine Montage mit weiteren nicht verwendeten Aufnahmen, die mit einem alternativen Soundtrack zum Film versehen wurden. Perfekt.

FAZIT

Für die hervorragende DVD-Umsetzung eines in Deutschland nur recht moderat gelaufenen Meisterstücks europäischer Genre-Filmkunst darf man Helkon und Columbia Tristar die Hände schütteln. Ihr habt’s richtig gemacht! Diese DVD ist einfach ein Muss. Also Leute, macht euch schnell auf zum Händler eures Vertrauens. Absoluter Kaufzwang. An dieser DVD-Bestie führt kein Weg vorbei.



Kay Pinno


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