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Panic Room SE   

Panic Room SE
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Original: Panic Room   (USA, 2002)
Laufzeit: 107 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: David Fincher
Darsteller: Jodie Foster, Forest Whitaker, Jared Leto, Kirsten Stewart, Dwight Yoakam u.v.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Tr
Extras: 3 Kommentare, Making of u.v.m
Preis: ca. 29 €
Wertung: 2 / 2 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Wir schicken ihnen nur eine Botschaft!"

Wie schnell sich doch gute visuelle Ideen zu einem ausgetragen Gag ausleiern zeigt sich bei dem (auf der Kinoleinwand) wirklich beunruhigend wirkenden Titelvorspann von David Finchers “Panic Room”. In meterhohen Lettern scheinen die Credits zwischen den Häuserschluchten von Manhattan zu hängen. Ein Gefühl der Unsicherheit in einer bekannten Umgebung macht sich breit. Besonders seitdem jeder Mist auf einem Privatsender auf diese Weise derart penetrant angepriesen wird, dass es rauscht. Eine fremde Macht hat übernommen und verwurschtelt alles bis zur Unkenntlichkeit. Ebenso geht es der frisch geschiedenen Meg Altman (Jodie Foster) und ihrer Tochter Sarah (Kirsten Stewart). In ihr neu bezogenes und viel zu großes Haus bricht ein ganz besonderes Trio ein: Burnham (Forest Whitaker) gehört zu einer Sicherheitsfirma, die sogenannte “Panic Rooms”, in denen Hausbewohner sicher vor dem Zugriff von Einbrechern sind, für reiche Angsthasen konstruiert. Junior (Jared Leto als siffige Rastalocke!) weiß, dass sein schwerreicher aber verstorbener Onkel einen Haufen Kohle in seinem “Panic Room” versteckt hatte. Tja und Raoul (Dumm und brutal Dwight Yoakam) ist ein echt fieser Schlägertyp aus der Bronx.Gemeinsam wollen sie die Millionenbeute aus dem Haus holen. Leider haben sie nicht mitgekriegt, dass Meg und Sarah darin wohnen. Und schwupps - sitzen Mutter und Tochter im “Panic Room”, während die bösen Burschen alles daran setzen in den einbruchsicheren Raum zu gelangen. Ohne viele Schnörkel geht Fincher - wie immer in dunklen Bildern - daran, ein recht fieses Schachspiel zwischen den Eingeschlossenen und den Einbrechern aufzuziehen. Mit zahlreichen aufsehenerregenden Kamerafahrten täuscht er dabei gerne über einige Lücken und Fehler im Plot hinweg. Dafür gerät das Finale düsterer und gewaltätiger als es der Film vermuten lassen würde. “Panic Room” ist eine solide Fingerübung, die weder ihrem Regisseur noch den guten Schauspielern viel Mühe bereitet hat.

BILD

Panic Room SE

Wie bei Fincher-Filmen üblich wird die Aussteuerung des Schwarzlevels zu einer echten Herausforderung für die Bildmischer. Die Vorlage des anamorphen Bildes (2.40:1) befindet in perfektem Zustand und verrät sich nicht durch störende Verschmutzungen. Die düstere Farbpallete vom tiefsten Schwarz über klebrig dunkle Ockertöne bis zu den mannigfachen Graustufen werden sehr gut wiedergegeben. Obwohl der Schwarzlevel ein wenig schwankt stört an einigen Stellen ein seichtes Bildrauschen, dass zu Verlusten im Schärfebereich führt. Dies fällt aber nur minimal ins Gewicht. Die Kompression bleibt beständig und sorgt für ein ausgeglichenes Bild ohne Ruckeln oder Pixelei. Ein sehr ordentlicher Transfer, der kaum verbessert werden kann.

TON

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Der auf der Solo-Disc vorhandene DTS-Track musste wohl für die vollgepackte Special Edition gestrichen werden, da der Platz auf der Scheibe wohl nicht ausreichte. Dies ist aber völlig zu verschmerzen, da der DTS-Track keinen Deut besser war als sein Dolby Digital Pendant, das sich hier wiederfindet. “Panic Room” ist sicherlich ein Paradebesipiel für hervorragend und effizient eingesetzte Soundeffekte. Die dumpfen Geräusche, die im inneren des Panikraums zu hören sind, sowie verschiedene Ortungsmomente wie das Aufticken eines Basketballs im Erdgeschoss oder tapsende Füße in anderen Räumen kommen bei dieser Abmischung nicht so deutlich zur Geltung. Zudem gibt es bei der deutschen Tonspur noch das Manko, dass sich die Dialogspur im Center an einigen Stellen sehr künstlich anhört und sich deutlich von der homogenen Soundkulisse absetzt. Beim englischen Ton ist dieses Phänomen nicht vorhanden. Das Lautstärke-Problem der Solo-Disc hat man aber in den Griff bekommen. Diesmal kommen alle Geräusche und Dialoge anständig ausgesteuert aus der Soundanlage heraus. Störende Überlappungen konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Das Columbia dem vergleichsweise “kleinen” Titel “Panic Room” eine Mörder-3-Disc Special Edition spendiert, ist wohl dem Enthusiasmus von Regisseur David Fincher zu verdanken. Bei all seinen Projekten lässt der Kontrollfanatiker immer irgendwie eine Kamera mitlaufen oder irgendetwas dokumentieren. Der Mensch liebt eben auch DVDs über alles, was die vorbildlichen Special Edition Versionen zu “Sieben” und “Fight Club” schon belegen (“Alien 3” ist da quasi eine Ausnahme!). Schon auf der ersten Filmscheibe können sich Fincher-Fans durch insgesamt drei Audiokommentare horchen. Auf dem ersten Track sind die Schauspieler Jodie Foster, Dwight Yoakam und Forest Whitaker zu hören. Alle drei wurden separat aufgenommen, aber perfekt miteinander verschnitten, so dass einzelne Kommentare tatsächlich so wirken, als würden alle Beteiligten in einem Raum sitzen. Völlig frei und ohne falsche Scham plaudern die drei Schauspielern zu allen Bereichen sehr detailliert aus dem Nähkästchen. Von den 120-tägigen quälenden Drehtagen unter anstrengenden Bedingungen bis zu ihren eigenen Gedanken über den Film und das Filmemachen an sich (schließlich sind alle drei Mimen auch Regisseure!) kommt hier wirklich alles zur Sprache. Dies ist locker einer der besten Schauspieler-Kommentare, die je für eine DVD aufgenommen wurden. Absolut nicht zu verpassen. David Fincher beim sinnieren über den Prozess seines Filmemachens zu hören ist wie immer ein Genuss. Ebenfalls völlig frei geht er sehr auf die technischen Details von Planung und Produktion ein und lässt wirklich kein Puzzlestückchen in “Panic Room” unerklärt. Dabei setzt er sich auch mit dem Kult-Getue um seine anderen Filme auseinander. “Manchmal macht man eben mal nur einen Film. Da gibt es keine tiefere Aussage sondern nur Spannung und Unterhaltung.” Wir sagen Amen und lauschen dem Meister gerne weiter bei seinen Ausführuengen, bei denen er nicht mit Selbstkritik spart. Der dritte Track toppt sogar noch die vorangegangenen Audiokommentare: Hit-Drehbuchautor David Koepp wird hier von Drehbuchlegende William Goldman bearbeitet. Beide gehen sehr locker und kollegial miteinander um. Goldmann hat sich zudem sehr ordentlich vorbereitet und kitzelt auch einige Infos aus Koepp heraus, die nicht wirklich aus dem Filmkontext stammen. Das Konzept geht auf und beide plaudern locker über die schwere Arbeit, ein Drehbuch tatsächlich auf die Leinwand zu bringen und über die Zusammenarbeit mit einem Perfektionisten wie David Fincher. Dieses Kommentar-Triple Feature ist wirklich absoluter Wahnsinn und zeigt wieder einmal, das Kommentare eben nicht nur Blödelei oder trockene Faktenaufzählungen sein müssen. Hervorragend! Der Trailer zu “Panic Room” lässt sich ebenfalls auf der ersten Scheibe finden.

Auf der zweiten Disc befinden sich ein 50-minütiges “Making of” von “Panic Room”, ein zehnminütiges Interview mit den Make-Up-Effektmagiern Tom Woodruff und Alec Gillis, kommentierte Test-Aufnahmen sowie einige ebenfalls kommentierte Multi-Angle-Features. Während die Multi-Angle-Features wieder nur etwas für die sehr detailverliebten DVD-Gucker sind, können die Videosegmente voll überzeugen. Die “Testphase” enthält 17 Minuten an kommentierten Testaufnahmen aus der Vorproduktionsphase. Dort erklärt Kameramann Conrad W. Hall wie er seinen speziellen Dunkel-Look für David Fincher kreiert. Ebenfalls sind zahlreiche Aufnahmen von Tests mit den praktischen Effekten im Film (z.B. die Explosion des Gastanks) zu sehen. In der “Safe-Knacker-Schule” lässt sich David Fincher von einem Profi detailliert erklären, wie man man den Safe in seinem “Panic Room” aufbrechen kann (Wie dieses Extra wohl in England durch die BBFC kommt?). Das “Making of” ist mehr wie ein Produktionstagebuch gestaltet, das von kurzen Interview-Momenten unterbrochen wird. Am beeindruckensten ist hier sicherlich der Bau des kompletten Hauses samt Umfeld in einem Studio. Dazwischen kommen alle Beteiligten immer wieder zu Wort. Die freie Struktur ohne “künstlichen Erzähler” lässt die Dokumentation zusätzlich sehr viel “echter” wirken und vermittelt einen sehr guten Eindruck von der Arbeit am Set. Das 10-Minuten Interview mit Woodruff und Gillis ist ein absoluter Brüller und sollte auf gar keinen Fall verpasst werden. Beide erzählen äußerst witzig über ihre spezielle Zusammenarbeit mit Fincher und erklären jeden Effekt, den sie für den Film anfertigen mussten. Dabei kommt es auch noch zu ein paar Zwischenfällen und drolligen Einschüben. Echt ein Knaller. Die zahlreichen unterschiedlichen Multi-Angle-Features beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Einfluss der PreViz-Technik, die das klassische Storyboard inzwischen ablöst. Digital animierte Sequenzen können dabei schon genau den Raum erfassen und nicht nur fertige Bildeinstellungen präsentieren, sondern auch als genaue Maßstäbe für Kamerabewegungen am (zunächst virtuellen) Set dienen. Faszinierend.

Auf der dritten Scheibe befinden sich hauptsächlich die Dokumentationen über die technischen Details der Produktion wie visuelle Effekte, Ton und Musik. Allerdings gibt es auch noch ein Feature aus dem Produktionsbereich. Unter “Dokumentation Filmsequenzen” können vier Szenen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien (nicht als Multiangle!!!) begutachtet werden. Von der Szenen im Drehbuch über die Storyboards bis zu verschiedenen Testläufen am Set kann die Entwicklung genau verfolgt werden. Unter “Visuelle Effekte” wird so ziemlich jede Effekt-Aufnahme im Film in einzeln anwählbaren Kapiteln relativ kurz von den digitalen Zauberern am Computern erklärt. Unter “Sound Design” befindet sich ein 17-minütiges Special mit Soundmeistern von “Panic Room” bei der Arbeit im Studio. Hier erklären die Experten wie eine detaillierte Soundkulisse für einen Film künstlich entsteht, da der originale Sound so gut wie nie genutzt werden kann. Filmkenner erfahren hier nicht viel neues, aber für alle anderen Zuschauer dürfte dies ein echter Ohrenöffner sein. Die “Dokumentation Filmmusik” ist irgendwie unsinnig: zu vier Filmszenen kann man sich zusätzlich Komponist Howard Shore beim dirigieren des Orchesters anschauen. Was zum Geier soll das? Ein kurzes Interview mit Shore über die Komposition zu dem düsteren Thriller wäre sicher sinnvoller gewesen. Unter “Digitaler nachbearbeitung” geht es nicht um Effekte sondern um die Farbkorrekturen und das “Framing” in der Postproduktion. damit ein Film wie aus einem Guss aussieht wird inzwischen standardmäßig dem digitalen oder eingescannten Filmmaterial im Computer der letzte Feinschliff verpasst, der später im Kino leider allzu oft durch billige Kopien versaut wird. Die “technischen Erläuterungen zum Super35-Filmformat” sind leider nur als Texttafeln mit einigen Bildern vorhanden. Hier wird detailliert auf die verschiedenen Bildformate im Kino und auf Video eingegangen. Auch wenn die Beschreibungen ein wenig technisch wirken, sollten vor allem unaufgeklärte Zuschauer mal einen Blick riskieren, um zu sehen, was ihnen bei Vollbildfassungen verborgen bleiben kann.

FAZIT

Wieder fährt David Fincher mit einer ausführlichen Special Edition zu einem seiner Filme schwere Geschütze auf. Auch wenn “Panic Room” sicher nur ein seichter Handstreich des Engländers ist, zeigt die Special Edition doch sehr deutlich, wieviel detaillierte Schwerstarbeit in diesen Film geflossen ist. Die drei Audiokommentare auf der Film-DVD sind zudem alle grandios und zeigen, wie solche Tracks gefälligst zu sein haben. Für Käufer der Single-Disc ist ein Upgrade absolut zu empfehlen und Neukäufer sollten auf jedenfall zu dieser mächtigen Special Edition greifen. Pflichtkauf!



Kay Pinno


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