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Pearl Harbor DC   

Pearl Harbor DC
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Original: Pearl Harbor   (USA, 2001)
Laufzeit: 177 Minuten (PAL)
Studio: Buena Vista
Regie: Michael Bay
Darsteller: Ben Affleck, Josh Hartnett, Kate Beckinsale, Cuba Gooding jr., Tom Sizemore, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: 3 Kommentare, Produktionstagebuch, u.v.m.
Preis: ca. 30 €
Wertung: 1-/ 1 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Erzählen sie mir nicht was möglich ist!"

Dieser Filmsatz von Präsident Roosevelt (eindringlich gespielt von Jon Voight) hätte auch aus dem Mund von Regisseur Michael Bay stammen können. In Anbetracht der gigantischen Produktionsumstände (sowohl für den Film als auch die neue Director’s Cut DVD!!!!) hat der Macher von “The Rock” und “Armageddon” das gleiche logistische Talent bewiesen wie seinerzeit die beiden Kriegsmächte bei ihren Angriffen. Während auf der technischen Seite jedoch das Unmögliche machbar gemacht wurde, schaffte es Drehbuchautor Randall Wallace die Geschichte des Films ziemlich unmöglich zu machen. “Pearl Harbor” zeigt sich inhaltlich altmodischer und klassischer selbst als jeder andere Zweitweltkriegsfilm aus dieser Epoche. Ohne den Hauch einer kritischen Reflektion werden Patriotismus und Militarismus glorifiziert, dass einem Hören und Sehen vergeht. Dass diese Gesinnung bei Herrn Wallace (“Braveheart”!!) kein Zufall ist, beweißt er aktuell mit seinem üblen Vietnam-Propaganda-Epos “Wir waren Helden”. Für “Pearl Harbor” dürfte er aber ziemlich genau die zweifelhafte Stimmung und Haltung getroffen haben, die in den USA zu dieser Zeit tatsächlich vorherrschte. Das der neue Director’s Cut von Michael Bay inhaltlich nicht viel ändert war auch schon vorherzusehen. Aber trotzdem funktioniert der Film in dieser Fassung einfach besser. Die Veränderungen betreffen hauptsächlich den Angriff auf Pearl Harbor, der jetzt wesentlich grafischer in seinen Folgen dargestellt wird. Hier werden die Matrosen jetzt wortwörtlich in kleine Teile zerschossen. Auf diese Weise wird der Kontrast zur zuckersüßen ersten Hälfte, in der das Liebesdreick zwischen den Kampffliegern Rafe (Ben Affleck), Danny (Josh Hartnett) und der Krankenschwester Evelyn (Kate Beckinsale) geflochten wird, wesentlich deutlicher und die Veränderung bzw. der Schock für die Figuren nach dem Angriff auch klarer. Wer sich über den altmodischen Inhalt des Films im Klaren ist, kann jetzt auch die filmische Brillianz von Michael Bay mit etwas Abstand und in Ruhe bewundern. Das “Pearl Harbor” in jedem Fall die Gemüter bewegt (positiv wie negativ) dürfte nicht von der Hand zu weisen sein. Die filmisch ausgefeilte Präsentation dürfte jedoch Filmstudenten noch für einige Zeit beschäftigen.

BILD

Pearl Harbor DC

Das sich Michael Bay für die Qualität der neuen Fassung von “Pearl Harbor” einsetzte hat sich wirklich gelohnt. Obwohl der Director’s Cut schon früher erscheinen sollte zog Bay den Stecker, da er mit der Qualität des gezogenen Masters nicht zufrieden war. Dafür zeigt sich der neue Transfer jetzt in vollem Glanz. Die Vorlage ist absolut fehlerfrei und kristallklar. Die kräftigen Farben in den zahlreichen “Magic Hour”-Sonnenuntergängen bis zu den kalt-blau metallischen Luftkämpfen wirken besser als im Kino. Trotz des gewollt stilisierten Look, der mit viel Filtereinsatz erreicht wurde, bietet der DVD-Transfer fast durchgängig einen Schärfegrad, der an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt. Die einzig wahrnehmbaren Unschärfen sind die vom Filmemacher gewollten Weichzeichnungen. Der Kontrast wurde allerdings ein wenig zu harsch geregelt. Bei Szenen mit großen Licht und Schatten-Unterschieden sind die dunklen Konturen doch schnell im Schwarz verschwunden. Der eigentliche Schwarzlevel ist tief und lässt keine Wünsche offen. Die Kompression zeigt auch keine Schwächen: Weder in den himmlischen Hintergründen noch in Schwenks kommt es zu Störungen. Dieser Transfer kann überzeugen. Ein kleines Manko gibt es auch noch bei den Untertiteln: Bei den Japanischen Dialogen gibt es feste englische Untertitel, die automatisch mit deutschen “Übertiteln” versehen wurden. Das ist zwar praktisch sieht aber überhaupt nicht aus, da knapp zwei Drittel des Bildes mit Schrift bedeckt ist. Glücklicherweise sind die zusätzlichen Untertitel aber auch abschaltbar.

TON

Pearl Harbor DC

Wer mit dem Begriff Soundreferenz hantiert kommt um “Pearl Harbor” nicht umhin (naja, bis natürlich im Herbst “Episode II” und “LotR” Furore machen). Der Dolby Digital 5.1 Ton wird hier in seiner vollen Bandbreite benutzt. Der bestimmende Score von Hans Zimmer dringt schon zu Beginn voluminös und kraftvoll aus allen Lautsprechern. Für die erste ruhige Hälfte des Films sorgen wohl plazierte Ambiente-Effekte wie das Zischen der Lokomotive am Bahnsteig oder die unruhige Atmosphäre im Tanzclub gediegen für die richtige Stimmung ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Richtig aufgedreht wird der Mix natürlich erst wenn der Angriff auf Pearl Harbor beginnt. Die räumliche Ortung der Flugzeuge ist phänomenal und die Feuersalven mit Aprallern eine Wucht. Auch der Tiefbass hat hier richtig zu arbeiten. Aufschläge und Explosion schütteln auch die Zuhörer auf der heimischen Couch ganz schön durch. Wer seine Freunde schon immer mal vom Surroundklang überzeugen wollte, hat hier eine großartige Gelegenheit. Die Verständlichkeit der Dialoge ist auch im größten Chaos möglich und beweißt das ein geschicktes Händchen am Mischer tätig war. Absolute Referenzklasse.

EXTRAS

Gleich zwei zusätzliche DVDs wurden benötigt, um das umfangreiche Extra-Material zum “Pearl Harbor Director’s Cut” zusammenzustellen. Aber der Spaß fängt schon auf der ersten DVD, auf der sich auch der komplette Film befindet an: Fabelhafte drei Audiokommentare begleiten das epische Kriegsspektakel. Auf der ersten Kommentarspur spricht Regisseur Michael Bay gemeinsam mit seiner alten Filmprofessorin und 2.Weltkriegsfilm-Expertin Jeanine Basinger. In einem freundlichen Q&A unterhalten sich beide engagiert über den Film und der Dialog tut beiden sichtlich gut. Bay ist wie immer voll dabei und schreckt auch vor eigener Kritik nicht zurück. Zudem hat gibt er zahlreiche Infos über den geschichtlichen Hintergrund und deren Aufarbeitung im Film wieder. Hier zeigt sich sehr deutlich das Bay mit “Pearl Harbor” einen Film im Sinn hatte, der inhaltlich exakt seiner filmischen Epoche und nicht seiner Produktionszeit entspricht. Auf Track 2 sprechen die Schauspieler Ben Affleck, Josh Hartnett und Alec Baldwin gemeinsam mit Produzent Jerry Bruckheimer. Während Affleck und Hartnett anscheinend gemeinsam aufgenommen wurden sind die Anteile von Bruckheimer und Baldwin einzeln aufgenommen worden und in den Kommentar geschnitten worden. Bruckheimer gibt sehr viel Informationen über den Produktionshintergrund und die Schwierigkeiten bei “Pearl Harbor” preis. Hartnett und Affleck blödeln viel herum und haben zahlreiche Anekdoten zu erzählen. Ein wenig Zeit für Inhaltsanalyse bleibt den “Helden” trotzdem und besonders Alec Baldwin (mit dem geringsten Textanteil) begeistert sich für den Film. Die Show bestimmen hier aber Hartnett und Affleck und sorgen für ziemlich gute Unterhaltung und ein bisschen Selbst-Ironie. Auf dem dritten Track hat sich der Technik-Stab versammelt. Hier sind Kameramann John Schwartzmann, Ausstatter Nigel Phelps, Kostümbildner Michael Kaplan, Art Director Martin Laing und Komponist Hans Zimmer zu hören. In diesem Kommentar werden alle noch so kleinen Kleinigkeiten im Produktionsprozess aufgedeckt. Vom selbstgezogenen Mais für den Anfang auf dem Bauernhof bis zum falschen Schnee aus über 25 000 Eiswürfeln gibt es viel zu Schmunzeln und zu staunen wieviel Improvisation auch bei einer derartigen Blockbusterproduktion im Spiel ist. Alle drei Tracks (alle drei sind deutsch untertitelt!!!) geben einen umfassenden und höchst unterhaltsamen Einblick in das Mammut-Unternehmen “Pearl Harbor” und dürfte auch zu einiger Nachdenklichkeit über den Film selbst anregen.

Auf der zweiten DVD befinden sich drei anwählbare Abteilungen: Unter “Zum Film” verbergen sich das Faith Hill Musik Video zu Pearl Harbor, eine Super 8 Film Montage mit Bildern des Angriffs auf die Schiffe, die für eine Wochenschau im Film verwendet werden sollten (aber es letztlich nicht in den Film schafften!) und das sogenannte “Produktionstagebuch”, das einem “Making of” am nächsten kommt. Hier werden verschiedene große Produktionsmomente mit vielen “Behind the scenes” und Voice-Over-Interviews zusammengestellt und geben einen sehr guten Eindruck von der Arbeit an den Sets. Die Gesamtlaufzeit der Clips, die auch alle zusammen abgespielt werden können, beträgt über eine Stunde. Die Abteilung “Geschichtlicher Hintergrund” enthält einen sieben minütigen Voice-Over Kommentar einer überlebenden Krankenschwester von Pearl Harbor und eine 50-minütige Dokumentation des History Channel über den “Doolittle Angriff” auf Tokyo. “Wenn Kulturen aufeinanderprallen” sind fünf Abteilungen, in denen die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan in der Zeit von 1846 bis 1941 beleuchtet werden. Hier wird auch die zweifelhafte Rolle Amerikas in Richtung Pearl Harbor verdeutlicht, die durch ihre wirtschaftlichen Sanktionen gegen Japan, das sich zu dieser Zeit in einem kulturellen und politischen Umbruch befand, den Gegner geradezu aufstachelten.

Auf der dritten DVD befinden sich eine ausführliche Bildergalerie über die Produktion (offizielle und inoffizielle) und die Promotion. Richtig spaßig sind die zwei “Boot-Camp” Videos (zusammen ca. 21 Minuten), in denen die Akteure bei ihrer Kurzausbildung beim Militär gezeigt. Hier haben wirklich alle gelitten und die Ausbildungsszenarien erinnern schrecklich an “Full Metal Jacket” oder “Starship Troopers”. Das hatten sich die Hollywood-Hotshots wohl auch anders vorgestellt. Für jeden Zuschauer ist es aber ein lustiger Augenschmaus mit hohem Unterhaltungswert. Den größten Teil nimmt aber die Abteilung “Visuelle Effekte” ein. Hier kann das von verschiedenen Personen kommentierte Animatic-Video (eine grobe Computeranimation) ansehen, durch welches das Militär und das Studio von dem Film überzeugt wurden. Zudem gibt es eine ausführliche Einführung von Michael Bay und Eric Brevig von ILM über die Erstellung der detaillierten visuellen Effekte für Pearl Harbor (ca. 22 Minuten). Hier darf nicht nur eine gelunge Splitscreen-Präsentation bestaunt werden, sondern der Zuschauer bekommt auch noch zahlreiche digitale Vorab-Modelle zu Gesicht. Wirklich gelungen. Die Königsdisziplin wird jedoch mit dem bisher besten Multi-Angle Feature aller Zeiten bestritten: Die interaktive Angriffsequenz! In diesem Feature kann sich die komplette Bomberangriffsequenz auf Pearl Harbor (ca. 28 Minuten) per Angle-Taste in vier verschiedenen Produktionsstadien angeschaut werden: 1. Der fertige Film 2. Die Szene am vor Ort am Set 3.Storyboards und Animatics und der 4. Blickwinkel zeigt alle drei Phasen gleichzeitig auf dem Bildschirm. Zusätzlich zur Bildauswahl können auch noch sieben (!!!) verschiedene Audiospuren angewählt werden: 1. Der originale Dolby Digital 5.1 Ton des Films 2. Der Ton vom Set 3. Nur Musik 4. Nur Soundeffekte 5. Audiokommentar von ILM Effects Supervisor Eric Brevig 6. Audiokommentar von Storyboarder Robbie Consing und 7. Audiokommentar von Überlebenden von Pear Harbor. Bei dieser Fülle an Informationen macht das zappen zwischen den Elementen nicht nur Spaß sondern vor allem Sinn. An jeder Ecke gibt es wieder etwas Neues zu erfahren. Zukünftige Multi-Angle Features werden sich an dieser Leistung wirklich messen lassen müssen. Absolute Spitzenklasse!

Abschließend müssen hier auch noch ein paar Worte über die gelungene Aufmachung des 3-er Disc Sets fallen. Ich bin eigentlich kein Fan von überkandidelten Aufmachungen, aber hier gehen Funktionalitat und gutes Aussehen Hand in Hand. In Form einer alten Fliegermappe liegen nicht nur die drei Scheiben sicher in dem aufklappbaren und gut bebilderten Schuber sondern auch vier Postkarten-Replikas von auf 40-er Jahre getrimmten Werbeplakaten mit den Hauptdarstellern, die Rede von Präsident Roosevelt an den Kongress nach dem Angriff auf Pearl Harbor und ein 24-seitiges zahlreich bebildertes Booklet mit einer Einführung von Michael Bay.

FAZIT

Egal was man von den filmischen Qualitäten von “Pearl Harbor” halten mag, so bietet die Director’s Cut DVD-Edition reichlich Gelegenheit sich mit der Materie nochmals in Ruhe auseinanderzusetzen. Der Aufwand für die Erstellung dieser umfangreichen DVD-Box hat sich wirklich gelohnt. Absolute verpflichtende Kaufempfehlung und sei es nur, um mit Sound bei seinen Freunden anzugeben. Ein Muss!!!



Kay Pinno


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