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Piraten   

Piraten
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Original: Pirates   (USA, 1986)
Laufzeit: 113 Minuten (PAL)
Studio: Concorde
Regie: Roman Polanski
Darsteller: Walter Matthau, Cris Campion, Damien Thomas, Ferdy Mayne, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch DS Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Fotogalerie
Preis: ca. 25 €
Wertung: 3-/ 3 / 5- (Bild/Ton/Extras)


"Es lebe Kapitän Red!"

Nachdem das Piratenfilmgenre irgendwann zwischen den 50-er und 60-er Jahren eingemottet wurde, gab es eigentlich nur zweieinhalb weitere Einträge ins Logbuch der Piratenfilme, die jeweils auf ihre Weise bis heute eine Fangemeinde um sich scharten. “Die Piratenbraut” von Actionfilmer Renny Harlin, “Krieg der Eispiraten” von Stewart Raffill und eben Roman Polanskis “Piraten” haben auf jeden Fall eins gemeinsam: einen besonderen Sinn für Humor. Mit einem überkandidelten Touch für eine der Zeit entsprechenden Ausstattung ist sich Polanski nicht zu fein, um seine Protagonisten in Badekübel pinkeln oder tote Ratten verspeisen zu lassen. Pinkelig dürften die harten Seebären der alten Zeit jawohl auch nicht gewesen sein. In der Rolle des alten Haudrauf Kapitän Red geht Walther Matthau völlig auf. Trotzdem wird ihm eigentlich zu wenig Zeit gegeben, um seinem Spieltrieb wirklich vollen Lauf zu lassen. Mit seinem treuen französischen Gefährten Frosch (Cris Campion) schwimmt er auf einem brüchigen Floß inmitten des Atlantik. Als Red vor Hunger kurz davor steht, seinen Gefährten aufzufressen, naht die Rettung am Horizont: eine spanische Galleone. An Bord herrscht der grausame wie ignorante Don Alfonso (Damien Thomas) mit einer unglaublichen Lockenperücke. Klar das Red unter der geknechteten Besatzung eine Meuterei anzettelt. Neben der Nichte eines spanischen Gouverneurs befindet sich aber auch noch ein goldener Inka-Thron unter Deck auf dem Rückweg nach Spanien. Aber nicht mehr lange. Polanski geizt wirklich nicht mit absurden Situationen und versetzte die Filmwelt mit seiner tatsächlich original nachgebauten Galleone ins Staunen (Heute würde wohl viel Blue Screen und ein Rechner für solche Aufnahmen herhalten!). Trotz vieler kleiner Liebenswürdigkeiten bleibt “Piraten” aber inhaltlich auf der Strecke. Statt eines echten Plot gibt es nur eine amüsante Aneinanderreihung von seltsamen bis ulkigen Situationen in pompösen Dekors. Polanski und seine Crew dürften viel Spaß beim Drehen gehabt haben, der sich aber nur zu einem geringen Teil auf den Zuschauer überträgt. Da das Element Spannung nur schlecht in einer Geschichte schwimmen kann, geht es in dieser wässrigen Piratenfarce gleich ganz unter. “Piraten” ist eben mehr eine burleske Komödie statt waschechter Abenteuergeschichte.

BILD

Piraten

Nie hat der Begriff “Wischiwaschi” besser auf einen Bildtranfer gepasst als bei “Piraten”. Während sich die anamorphe 2.35:1 Vorlage des Films noch in einem recht guten Licht präsentiert, wurde anscheinend ein exzessiver Filtereinsatz genehmigt, um dreuendes Bildrauschen zu verhindern. Dies hat leider zur Folge, dass das Bild konstant unscharf (auch bei Close-Ups) und ausgewaschen wirkt. Das Rauschen wurde dafür aber tatsächlich größtenteils eingedämmt. Die Farben haben auch durch den Filtereinsatz ein wenig an Kraft verloren, bleiben aber noch durchschnittlich gut präsent. Der Schwarzlevel hätte ein wenig stärker sein können, da manche dunklen Bereiche ein wenig milchig wirken. Einzig die Kompression hält sich gut über Wasser. Digitale Artefakte und Blockrauschen gehen hier glücklicherweise über Bord. Der Schärfeverlust drückt das Endergebnis unter den Durchschnitt (auch für solch einen alten Film!).

TON

Piraten

Für den deutschen Ton wurde ein neuer DD 5.1 Ton angefertigt, der aber kaum mehr leistet als der normale Stereoton, der ebenfalls auf der DVD vorhanden ist. Nur die vordere Soundstage ist aktiv, wobei anscheinend nicht nur die Dialoge sondern auch die Toneffekte oftmals aus dem Centerkanal dringen. Dafür kann sich die Musik ungestört und sehr voluminös auf die Surroundkanäle verteilen. Nur gelegentlicher Kanonendonner scheint etwas effektiveren Einsatz der heimischen Anlage abzufordern. Die Tonspur selbst ist aufgeräumt und verheimlicht sehr gut ihr Alter. Da kann auch der englische Ton gut mithalten, der ebenfalls bei den Dialogen gut verständlich und ohne Rauschen bleibt. Echte Surroundaktivität kann hier aber nicht erwartet werden, da die ilmvorlage dies auch nicht wirklich hergibt.

EXTRAS

Die echten Extras für diese DVD wurden anscheinend auch auf einem Floß im Atlantik ausgesetzt: nur ein Trailer, eine Fotogalerie und einige Texttafeln über Produktion sind an Bord der Scheibe übriggeblieben. Meuterei!

FAZIT

Nicht jeder Zuschauer dürfte “Piraten” wirklich lustig finden. Trotzdem bietet die DVD von Concorde eine noch ordentliche Qualität für enterfreudige Videopiraten. Zu schade nur, dass essentielle Extras über die aufwendige Produktion des Films anscheinend über Bord gingen.



Kay Pinno


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