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Porco Rosso   

Porco Rosso
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Original: Kurenai no Buta   (Japan, 1992)
Laufzeit: 93 Minuten (PAL)
Studio: Universum
Regie: Hayao Miyazaki
Darsteller: Dieter Memel, Matthias Klie, Madeleine Stolze, Marieke Oeffinger, Klaus Münster u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD2.0 Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Storyboards, Interview, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2+/ 3-/ 3- (Bild/Ton/Extras)


"Wenn Schweine fliegen können..."

Der Krieg verändert die Menschen. Dass weiß auch Anime-Ikone Hayao Miyazaki und lässt seine Hauptfigur wortwörtlich zum Schwein werden. Nach seinem heldenhaften Einsatz im ersten Weltkrieg wird Fliegerass Marco Paggot zum Borstentier und ist nur noch unter dem Namen “Porco Rosso” bekannt. Als fliegender Kopfgeldjäger lebt er fortan auf einer abgeschotteten italienischen Mittelmeer-Insel und legt sich regelmäßig mit den örtlichen Luftpiraten der Mama Aiuto Bande an. Doch die luftige Briganten-Baggage hat die Schnauze von dem nervigen Schnüffler voll und engagiert den amerikanischen Top-Piloten Curtis, um das Schwein auszuschalten. Curtis will Porco aber auch noch aus einem anderen Grund ans Schweinsleder: er hat seine Augen auf die hübsche Bardame Gina geworfen, die allerdings ganz Feuer und Flamme für Porco ist. Auf dem Weg in den Urlaub wird Rosso um Haaresbreite von Curtis in der Luft zu Hackfleisch verarbeitet. Bevor es aber zur überfälligen Revanche zwischen den Streithähnen kommt, muss Porco mit seinem Wasserflieger aber erstmal ins Trockendock. Dort muss er sich mit der eigenwilligen Mechanikern Fio und ihrem Vater herumärgern, während Regierungsagenten auf den abtrünnigen Soldaten ebenfalls Jagd machen. Und die Luftpiraten haben mit dem Schwein schließlich auch noch ein Hühnchen zu rupfen. Wieder einmal verzaubert Hayao Miyazaki innerhalb von wenigen Minuten mit Figuren, die man auf der Stelle Lieb gewinnen kann und trotzdem in kein Schema passen. Allein der erste Überfall der Mama Aiuto Bande ist derart hinreißend komisch und actiongeladen, dass sich einem der offene Mund mit Lachtränen füllt. In spärlichen Rückblenden wird nach und nach das Schicksal von Porco Rosso nachgezeichnet, ohne jedoch explizit auf die mystische Verwandlung einzugehen. Auch das Ende des Films kommt derart abrupt und ohne echte Auflösung, dass man schon ordentlich schlucken muss. Dennoch ist auch “Porco Rosso” wieder ein Film, über den man sehr lange ins träumerische Grübeln kommt.

BILD

Porco Rosso

Das anamorphe Widescreentransfer (1.85:1) greift auf eine sehr gute Vorlage zurück, die nur einige wenige Bildpunkte als Verunreinigungen aufweist, die aber niemals ablenkend wirken. Schärfe und Kontrast sind durchgängig gut und geben die detailverliebten Zeichnungen sehr gut wieder. Die Farben sind sehr kräftig und geben dem Film einen soliden Look. Der Schwarzlevel ist tief und ist von der gleichen Intensität, wie der Rest der Farben. Die Kompression bleibt ebenfalls sauber und zeigt keine Artefakte oder Hintergrundrauschen. Ein fast sehr guter Transfer, der dem 14 Jahre alten Film ein jüngeres Aussehen verleiht.

TON

Porco Rosso

Erstaunlicherweise ist sowohl der deutsche als auch der japanische Ton nur in DD2.0 auf der Scheibe enthalten. Die Surroundaktivität ist deshalb trotz imposanter Flugszenen sehr auf die Frontstage beschränkt. Seitliche Soundfeldverschiebungen nach links und rechts sind das höchste der Gefühle an Effektivität. Die deutschen Dialoge sind relativ gut in die Soundumgebung eingebettet, aber immer noch deutlich im Vordergrund zu hören. Da japanische Track (mit ausblendbaren deutschen Untertiteln, die der deutschen Synchro entsprechen) wirkt hier deutlich homogener. Störende Überlappungen konnten nicht festgestellt werden. Ein DD5.1 Track wäre aufgrund der Surroundmöglichkeiten bei dem Film allerdings sehr wünschenswert gewesen.

EXTRAS

Obwohl es sich um ein 2-Disc Set handelt, ist das Bonusmaterial doch relativ dürftig ausgefallen. Während sich auf dem ersten Silberling tatsächlich nur der Hauptfilm befindet, kann auf der zweiten Disc der komplette Streifen auch nochmal in seiner Storyboard-Form angeschaut werden. Die Tonspur wurde passend zu den Storyboards, die teilweise mit der Kamera abgeschwenkt werden, angelegt. Eigentlich ein interessantes wenngleich strapazierendes Extra.

Das Interview mit mit Produzent Toshio Suzuki ist erstaunlich kurz ausgefallen. In weniger als drei Minuten plaudert er über ein paar Besonderheiten des Projekts. Dabei erfährt man, dass dieser Film ein sehr persönliches Werk für Hayao Miyazaki gewesen sein muss. Ein Trailer beschließt auch schon das Extramaterial.

FAZIT

Selbst für Anime-Meister Hayao Miyazaki ist “Porco Rosso” ein ungewöhnlicher Film geworden. Dennoch steht er ganz in der aufwühlenden Tradition seiner anderen Filme: amüsant und emotional hinreißend führt er in eine Welt, die es so nie gab. Trotz etwas enttäuschendem Bonusmaterial ist diese Doppelscheibe ansonsten ein Genuss.



Kay Pinno


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