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Robin Hood - Staffel 1   

Robin Hood - Staffel 1
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Original: Robin of Sherwood   (GB, 1983)
Laufzeit: 484 Minuten (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Ian Sharp
Darsteller: Michael Praed, Judi Trott, Ray Winstone, Clive Mantle, Nickolas Grace, Phil Rose u.v.a.
Format: 4:3 Vollbild
Ton: DD2.0 (Mono) Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, Outtakes, u.m.
Preis: ca. 27 € (Ladenpreis
Wertung: 3+/ 3 / 1+ (Bild/Ton/Extras)


"Wald-Meister!"

Das englische Fernsehen hat besonders in den 70-er und frühen 80-er Jahren einige interessante Beiträge zum allgemeinen Serien-Canon beigetragen, die bis heute Kultstatus genießen. TV-Produzent Richard “Kip” Carpenter hatte sich schon mit Beiträgen wie “Catweazle” und “Fünf Freunde” einen Namen gemacht. Mit seiner Konzeption von “Robin of Sherwood” sollte er 1983 nochmals einen ganz besonderen Klassiker schaffen. Als “Dukes of Hazzard mit Pfeil und Bogen” beschrieb er amerikanischen Geldgebern die Serie um den britischen Volkshelden. Neben dieser recht griffigen Grundkonstruktion halfen “Robin Hood” aber einige entscheidende Veränderungen gegenüber den bisherigen Darstellungen der “Merry Men” im Sherwood Forest. Von Helden in Strumpfhosen konnte hier nicht mehr die Rede sein: Carpenter und sein Regisseur Ian Sharp zauberten eine “Young Guns”-Version von Robin Hood, die durch ihren realistischen Look mit verlebten Settings und passend benutzter Kleidung auffiel. Dazu lieferte die Band “Clannad” den einmaligen Folk-Soundtrack, der sie bis heute berühmt gemacht hat. Die irischen Klänge unterstützten auch ein neues Thema, das der Legende beigefügt wurde: Herne, der Jäger und Gott des Waldes, ist eine mythologische Schamanenfigur, die zwischen den Welten wandert und Robin Hoods Mentor und Beschützer im Stil von Merlin wird. Der Kampf der guten Wald- bzw. Naturmächte gegen den bösen Einfluss der vermeintlich zivilisierten Welt zieht sich mit ihm durch die komplette Serie. Der größte Streich liegt allerdings bei der durchweg kongenialen Besetzung, die ebenfalls mit einem Novum aufwartet, das erst nach dieser Serie im Robin Hood Mythos weitergeführt wurde. Der wortkarge Sarazene Nasir (Mark Ryan) kommt eigentlich zufällig zu den “Merry Men”, aber wurde sofort zu einem absoluten Liebling bei den Zuschauern. Michael Praed und Judi Trott liefen zudem bis heute die visuell beste Verkörperung von Robin und Marion ab. Praeds Robin ist der junge wie clevere Hitzkopf, der auch mit eigenen Fehlern oder Niederlagen klar kommen muss, während Trotts englische Jungfrau im Zirkel der Testosteron-geladenen Umgebung der “Merry Men” sowohl mütterliche als auch kämpferische Funktionen erfüllt, ohne dabei in stereotypen Feminismus zu verfallen. Ein besonderer Clou gelang Carpenter aber mit der Besetzung des Sheriffs von Nottingham. Nickolas Grace spielt den Baron als durchgeknallten wie pragmatischen Choleriker mit homosexuellen Allüren, den man einfach liebt zu hassen. Zusammen mit dem blonden Handlanger Guy of Gisburne (Robert Addie) wird das Schurkenteam zu einem echten “Odd Couple”. Eine echte Revolution ist allerdings die Figur von Richard Löwenherz (John Rhys-Davies), der in der letzten Folge der Staffel als aristokratischer Kriegstreiber dargestellt. Robins Leute sind für ihn nur ein Unterpfand, um das für den Krieg ausgepresste Volk im Zaum zu halten. Hossa! Koch Media präsentiert die ersten sechs Folgen zudem in den ungekürzten Fassungen. Für die Ausstrahlung im ZDF musste die Serie seinerzeit ein paar Federn lassen. Besonders betroffen war hier die finale Staffelfolge, bei der das mythische Auferstehungsende einfach komplett gekappt wurde.

BILD

Robin Hood - Staffel 1

Leider merkt man das Alter der Vorlage im originalen TV-Format von 4:3 an. Das Material ist teilweise grieselig und auch farblich etwas ausgewaschen. Dennoch trägt auch dieser krude Look ein wenig zur grimmigeren Atmosphäre der Serie bei. Schärfe und Kontrast sind relativ solide, aber können besonders bei den zahlreichen Außenaufnahmen deutlich variieren. Dennoch gibt’s keine zu großen Diskrepanzen, die sich störend auf den Filmgenuss auswirken. Die Farben sind - wie oben schon erwähnt - ein wenig ausgewaschen, aber halten generell noch ganz gut mit. Auch hier gibt’s keine zu großen Diskrepanzen zwischen den Farbtönen bei einzelnen Aufnahmen. Der Schwarzlevel schwächelt generell ein wenig, da verschiedene Nachtaufnahmen mit einem Filter am Tag gedreht worden sind. Neben einem leichten Hintergrundrauschen, das auf das Ausgangsmaterial zurückzuführen ist, hält die Kompression das Bild ordentlich stabil.

TON

Robin Hood - Staffel 1

Der deutsche Monoton wurde ordentlich aufgeräumt und deutlich rauschbefreit. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Die Dialoge sind gut verständlich und auch die Soundkulisse des DD2.0 Tracks lässt die Frontstage ganz gut arbeiten. Die nicht synchronisierten Passagen sind in der deutschen Fassung mit Untertiteln belegt. Surroundaktivität gibt’s natürlich keine. Dynamischer hört sich der englische Stereotrack an, der sogar mit sehr gut verständlichen Dialogen daherkommt, die sehr viel besser in die Soundkulisse eingearbeitet sind. Ein klarer Vorteil ist auch die bessere räumliche Verteilung der Geräusche, die die Frontstage in Stereo natürlich lebendiger wirken lässt.










EXTRAS

Zu der Pilot-Doppelfolge und der finalen Episode sind Audiokommentare von Autor/Produzent Richard Carpenter und Regisseur Ian Sharp vorhanden. Die beiden sind gute freunde und haben fast kindischen Spaß daran, sich wieder an die alten “Robin”-Tage zu erinnern. Von der ursprünglichen Konzeption über das Casting bis zu den klassischen Set-Anekdoten plaudern Carpenter und Sharp so ziemlich über alles. Besonders interessant sind hier die historischen Fakten der Robin Hood Legende, die Carpenter ebenfalls in den Kommentar einbringt. Vieles davon ist tatsächlich auf dem Bildschirm gelandet, was die Serie eben so außergewöhnlich macht. Auch zu den zahlreichen realen Drehorten in England haben die beiden Serienväter einiges zu erzählen. Ganz erstaunlich: Richard Carpenter kritisiert sich selbst für das (in Deutschland ehemals geschnittene) mystische Finale der letzten Staffelepisode mit Richard Löwenherz. Damals sei wohl mit ihm etwas durchgegangen. Einige der Anekdoten der Audiokommentare wiederholen sich zwar in dem “Making of Robin Hood” (ca. 60 Min.), was aber kaum ins Gewicht fällt. Die Dokumentation enthält aktuelle Interviews mit allen Beteiligten an der Show (einschließlich dem inzwischen verstorbenen Gisburne-Darsteller Robert Addie) und zeigt auch einige sehr schöne Behind-The-Scenes Aufnahmen. Filmemachern und Schauspielern ist immer noch anzumerken, dass diese Serie ihr Leben verändert hat. Neben einigen recht amüsanten Histörchen von den Drehs wird auch auf den Robin-Mythos und die neuen Elemente in der Serie eingegangen. So stellt sich auch heraus, das “Robin of Sherwood” ein ganz großes Vorbild für Kevin Costners Robin-Film “Prince of Thieves” darstellte. Die Interviews geben einen sehr persönlichen und individuellen Eindruck von der Erstellung der Serie, die jeden Fan glücklich machen dürfte.

Zusätzlich ist auch noch das originale TV-“Making of” von 1983 (ca. 25 Min.) vorhanden, das einige sehr schöne On-Set Interviews mit den Machern und Darstellern enthält. Und wem das noch nicht reicht, der bekommt auch noch 68 Minuten an Behind-the-Scenes Material der Sendung zu sehen, das nicht mehr verwendet wurde. Darunter befinden sich auch einige Interviews (u.a. Michael Praed und Anthony Valentine, der Robins teuflischen Gegenspieler in den Pilotfolgen mimt) und teilweise stumme Setaufnahmen.

Ein echter Renner ist auch das neuminütige Outtake-Reel, bei dem man endlich sieht, dass das richtige Abfeuern des Bogens gar nicht so einfach ist. Außerdem bekommt Robin mal von Little John aus Versehen einen Knüppel auf den Sack - tut weh, aber ist auch schon echt komisch.

Die stummen Promo-Aufnahmen von Clannad (ca. 12 Min.) sind hingegen gar nicht beeindruckend, da leider auch das passende Musikvideo dazu fehlt. Dennoch eine nette Dreingabe.

Eine ausführliche Bildergalerie und sehr gelungenes Booklet (24 Seiten) mit guten Infos zu Figuren, Schauspielern, der Serie und ihren einzelnen Folgen rundet die Packung in einem eleganten Schuber ab.

FAZIT

Auf diese Kult-Serie haben Fans lange warten müssen. Doch das Ausharren hat sich gelohnt. Neben den ungeschnittenen Folgen sind hervorragende Extras vorhanden, die schon alleine den Kauf des Sets rechtfertigen. Kudos gehen an Koch Media für diese tadellose DVD-Umsetzung. Pflichtkauf.



Kay Pinno


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