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Romulus und Remus   

Romulus und Remus
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Original: Romolo e Remo   (Italien, 1961)
Laufzeit: 105 Minuten (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Sergio Corbucci
Darsteller: Steve Reves, Gordon Scott, Virna Lisi, Franco Volpi, Laura Solari u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD2.0 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interview, Bildergalerie, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3-/ 4 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Nach Rom gehen und bauen..."

Anfang der 60-er Jahre hat der spätere Italowestern-Mitbegründer Sergio Corbucci das gemacht, was alle Italiener im Filmbusiness damals gemacht haben: Sandalenfilme! Mit “Romulus und Remus” hat er sich zudem ein Nationallegende ausgesucht, deren mächtige Titelfiguren nur von den prominenten Bodybuildern Steve Reeves und Gordon Scott ausgefüllt werden konnten. Ausgesetzt in der Wildnis werden die Zwillinge Romulus und Remus von einer Wölfin gefunden und - erstaunlicherweise nicht gefressen, sondern zusammen mit ihren Welpen genährt. Glück für die beiden kleinen Fratze, dass sich in Schäfer in ihrer Gegend befindet, der die hündische Leihmutter erstmal fachgerecht erlegt. Undank ist eben der Welt Lohn! Erst 20 Jahre später setzt die Geschichte wieder mit den nun zu stattlichen Schäfern herangewachsenen Zwillingen ein. Hier kann man sich schon förmlich vorstellen, wie die Burschen zur Stählung ihrer Muskeln Schafe wie Hantelgewichte an die Enden eines Stocks gebunden haben, um sich ordentlich aufzupumpen. Der Rest der historischen Baggage sieht dagegen wahrlich ziemlich alt aus. Als die beiden schließlich von ihrem sterbenden Vater erfahren, dass sie in Wirklichkeit königlichen Geblüts sind und der örtliche Tyrann auf ihrem rechtmäßigen Erbe sitzt, springt vor allem dem aufbrausenden Remus (Gordon Scott) der Draht aus der Mütze. Als auch noch Romulus aufgrund einer amourösen Entführung verhaftet wird, zieht Remus mit einem wilden Mob von Bergbewohner, die schon lange über das Steuer-Gebahren des alten Herrschers aufregten, zur Befreiung seines Bruders und der Bürger - aber hauptsächlich um sich “sein Erbe” zu sichern. Leider ist aber Romulus Love-Interest Julia (Virna Lisi) ausgerechnet königlichen Geblüts. Der Raub dieser Sabinerin hetzt den Freiheitskämpfern aber ein ganzes Heer auf den Leib. Da hilft nur die Flucht nach vorn. Den Weg weist dabei das altertümliche GPS-System eines Orakels: “Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen sollt ihr die ewige Stadt gründen!” Zu dumm nur, dass neben den verfolgenden Soldaten, Sümpfen und einem Vulkan die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Brüder den Stadt-Trek auf eine Zerreißprobe stellen. Reeves und Scott liefern sich als ungleiches Brüderpaar ein großes Duell der Egos, das wirklich zu gefallen weiß. Auch Corbucci zeigt schon hier und da seinen Hang zu Ausschweifungen: eine fast obszöne Gottes-Opferszene, die schließlich in einer masochistischen Orgie gipfelt, lässt ahnen, wozu der Italiener fähig sein wird. Ansonsten bietet “Romulus und Remus” schickes Sandalen-Kino, das Koch Media erstmals restauriert und ungekürzt ins Rennen schickt. Ein großer Vorteil, denn neben einer drolligen Folterszene mit Steve Reeves wurde am Ende in der ursprünglichen Fassung ein entscheidender Handlungsstrang gekappt. Die ungeschnittenen Sequenzen sind mit deutschen Untertiteln versehen.

BILD

Romulus und Remus

Obwohl es sich bei dem anamorphen Transfer (2.35:1) um das Originalformat handelt, scheint trotzdem etwas schief gegangen zu sein. In einigen Gruppenszenen ist deutlich zu sehen, dass links und rechts marginal das Bild abgeschnitten zu sein scheint. Von Gesichtern an den Bildrändern sind manchmal nur die Nasenspitze, Augen und Kinn zu sehen. Anscheinend wurde zu besseren Abtastung das Bild geringfügig eingezoomt oder der Overscan nicht beachtet. Leider zeigt sich dieses Phänomen in Gruppenbildern leider recht deutlich und wirkt irritierend. Die Vorlage des Transfers sieht man das Alter an. Trotz einer Restaurierung sind immer noch deutliche Spratzer und Bildpunkte zu sehen. Schärfe und Kontrast sind weitestgehend in Ordnung, aber schwanken in einigen Szenen. Die Farben sind solide aber teilweise etwas matt. Der Schwarzlevel ist nicht sehr tief und auch nicht detailreich. In dunklen Szenen werden Bildelemente verschluckt, was vor allem an den vielen Filteraufnahmen bei “Day-for-Night”-Shots liegt, aber selten wirklich störend wirkt. Die Kompression hält sich tapfer, aber kann ein leichtes Hintergrundrauschen nicht verhindern. Für das Alter des Films geht der Transfer aber noch in Ordnung.

TON

Romulus und Remus

Der deutsche DD2.0 Mono-Ton klingt wesentlich lebendiger als das englische Pendant. Beide Tracks können aber dynamisch nicht wirklich überzeugen. Die Dialoge der deutschen Fassung sind sehr gut verständlich, während die englischen Texte leiser und etwas dumpfer wirken. Surroundaktivität findet hier natürlich nicht statt. Die Musik mischt sich ganz ordentlich unter die restliche Soundkulisse ohne störende Überlappungen. Die Soundeffekte klingen ganz klar nach “Vintage”-Verarbeitung. Insgesamt zwei solide Monotracks, die auch ordentlich rauschreduziert wurden.

EXTRAS

Als Extra gibt’s ein erstaunliches wenngleich wenig informatives Interview mit dem Stunt-Double von Steve Reeves: Giovanni Cianfriglia (alias Ken Wood) plaudert in relativ schlechter Tonqualität über seine persönliche Beziehung mit Reeves, den der stolze Italiener gerne als seltsames Weichei und Diva darstellt. Dazu gibt er einige Anekdoten von seinen Zusammenarbeiten mit ihm preis. Anscheinend hat man sich für das Interview an einem der Drehorte für “Romulus und Remus” eingefunden, was die Featurette aber kaum in Szene setzt. Ein schwaches Feature, aber immerhin.

Auf der Scheibe befinden sich noch eine hübsche Bildergalerie und ein Trailer zum Film. Der DVD liegt zudem ein kleines Booklet (6 Seiten) mit einem netten Kurztext des Buio-Omega Filmgelehrten Christian Keßler.

FAZIT

“Romulus und Remus” zeigt klassisches Sandalenkino, bei dem Regisseur Sergio Corbucci wenig Gelegenheit zum Ausbruch aus den Konventionen hat. Dafür verlässt er sich ganz auf seine starken Männer. Zu Recht. Die DVD von Koch zeigt den Film zwar ungeschnitten, aber das Bild hält leider nicht üblich hohen Koch-Standard.



Kay Pinno


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