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Unbesiegbare Schwert, Das   

Unbesiegbare Schwert, Das
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Original: Bride with white Hair   (Hongkong, 1993)
Laufzeit: 86 Minuten (PAL)
Studio: Splendid
Regie: Ronny Yu
Darsteller: Leslie Cheung, Brigitte Lin, Francis Ng, Elaine Lui, Kit Ying Lam u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch DD2.0 Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2 / 3 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Nur die Liebe zählt"

Anfang der 90-er Jahre kam der aus der Mode gekommene klassische Kung Fu Film ganz groß zurück auf die asiatischen Leinwände zurück. Pioniere wie Tsui Hark und Ronny Yu verpassten dem angegrauten Genre mit den Mitteln des modernen Kinos einen neuen Anstrich: überstilisierte Farbgebungen, wilde Kamerafahrten und ein tricktechnisches Effektegewitter ließ die Faszination an den klassischen Geschichten und Martial Arts Künsten wieder aufleben. Neben Harks “Once upon a Time in China”-Serie, die Jet Li zum Kino-Superstar machte, gehört “The Bride with white Hair” (aka “Jiang Hu - Between Love and Glory”) zu den definierenden Meisterwerken der “New Wave Kung Fu”-Welle. Getragen von einer emotionalen Fantasy-Geschichte, die sich vor einem historischen Hintergrund entfaltet, trifft Ronny Yus Abgesang auf die Leiden und Freuden der Liebe nicht nur kräftig ins Genreherz. Wer da am Ende des Films nicht selbst mit einem glasigen Blick verzaubert die mitreißende Titelmelodie unbewusst mitsummt, der muss schon absolut tot sein. Als sich Schwertkämpfer Cho Yi Hang (Leslie Cheung) in eine unbekannte wie tödliche Kung Fu Meisterin Lien (Brigitte Lin) verliebt, ahnt er nicht, dass sie eigentlich das Werkzeug eines von irren Zwillingen (!!!) geführten Kultes ist, der die chinesische Ching Dynastie stürzen und die sieben Schwertkämpfer-Clans ausrotten will. Hin und hergerissen zwischen ihrer Leidenschaft und einem eingehämmerten Pflichtbewusstsein, entschließen sich die beiden, ihren “Führern” zu entsagen und gemeinsam zu fliehen. Doch Verrat und Missgunst werden die Pläne der Verliebten vereiteln und zu einem tragischen wie blutigen Schicksal führen. Von der ersten Sekunde führt Ronny Yu in eine überlebensgroße Welt, die sich wie in Anlehnung an alte Shaw Brothers Produktionen vor einem künstlichen Studiohorizont abspielt. Jedes Bild wirkt dabei wie ein Gemälde und zieht den Zuschauer förmlich in die chinesischen Sagenwelt hinein. Schon in der Einführung seiner Figuren in ihren Kindheitstagen im Clan wird das emotionale Dilemma und das Konfliktpotential gut eingeführt. Wenn es schließlich zum Kampf kommt, wird die Action atemberaubend schnell und auch recht blutig - wenngleich sehr übertrieben. Hier ist anzumerken, dass Splendid die ungeschnittene Fassung des Films veröffentlicht, die im Gegensatz zur Hongkong-Fassung ein paar kurze Einstellungen mehr bietet. Im Vergleich zu aktuellen chinesischen Hochglanz-Produktionen wie Zhang Yimous “Hero” oder “House of Flying Daggers” wirkt “Das unbesiegbare Schwert” visuell zwar schon etwas angestaubt, aber von seiner Wucht hat dieser magische Streifen absolut nichts verloren.

BILD

Unbesiegbare Schwert, Das

Nach zahlreichen weltweit eher schwachen Erscheinungen erscheint der Film in Deutschland erstmals in einem guten anamorphen Widescreentransfer (2.35:1). Die Vorlage befindet sich in einem guten Zustand und zeigt nur wenige Anzeichen von Kopieschäden des Originals. Ein paar kleine Dreckspuren und auch ein wenig Hintergrundrauschen des Prints müssen aber in Kauf genommen werden. Ansonsten hat man das Material gut nachgearbeitet. Schärfe und Kontrast wurden gut ergänzt und liefern einen detailreichen Eindruck. Dennoch fällt in einigen Szenen die Nachbearbeitung an den Konturen auf, die ein wenig krieseln. Die an sich schon kräftigen Farben sind nicht zu stark angehoben worden. Die Künstlichkeit der Farbgebung und Bildkomposition wird dadurch nicht überbetont. Der Schwarzwert liegt im akzeptablen Bereich, aber hatte ruhig etwas tiefer sein können. Die Kompression leistet auch bei verstärktem Onscreen-Nebeleinsatz gute Arbeit und verhindert die Bildung von Artefakten oder Hintergrundschleiern. Insgesamt ein recht guter Transfer, der die visuelle Kraft des Films gut zur Geltung bringt.

TON

Unbesiegbare Schwert, Das

Die Enttäuschung gleich vor weg: der kantonesische Originalton ist auf der Scheibe nur in DD2.0 zu hören (Anm. bisher gibt’s leider auch nirgendwo sonst auf der Welt den O-Ton in einer 5.1 Surroundabmischung). Das klingt zwar insgesamt nicht schlecht, aber ein DD5.1 Track wäre hier dringend von Nöten gewesen. Neben dem tollen Soundtrack ist in dem Film nämlich einiges an räumlicher Dynamik drin. Jetzt könnte man sich trösten, indem man auf den deutschen DD5.1 Track zurückgreift. Die deutsche Synchronisation ist aber leider derart scheußlich geraten (alte Splendid-Synchro!), dass man sich am liebsten selbst ein Schwert quer durch beide Ohren stecken würde. Ansonsten hat der deutsche Track ein solides Surroundverhalten. Durch die stark im Vordergrund befindlichen Stimmen wird der Effekt aber deutlich reduziert. Der Bass hat an nur wenigen Stellen einen prominenten Einsatz, aber bleibt sonst eher im Stand-By-Modus. Die zuschaltbaren deutschen Untertitel für den O-Ton sind ertragbar, aber leider auch an ein paar Stellen falsch. Dies führt zwar nicht zu Verständnisproblemen, aber ist schon ein wenig ärgerlich.

EXTRAS

Als Bonusmaterial ist neben dem kantonesischen Kinotrailer auch ein kleines Promo-“Making of” zu finden, das anscheinend für die Fernsehaustrahlung gedacht war. Neben Filmausschnitten gibt’s rare On-Set-Interviews mit (leider inzwischen verstorbenen) Leslie Cheung und Brigitte Lin zu sehen. Dabei ist besonders amüsant zu sehen, wie sich Cheung und Lin charmant um Aussagen über ihre Liebesszenen herumdrucksen. Leider wurde der Audiokommentar von Ronny Yu von der US-Scheibe von Tai seng nicht mit eingekauft.

FAZIT

Splendid hat es geschafft, einen wirklich guten Bildtransfer für “Bride with white Hair” anzufertigen, der weltweit einer der Besten sein dürfte. Umso trauriger, dass der Originalton nur im DD2.0 Format daherkommt. Für Fans asiatischer sollte diese Scheibe trotzdem ein Pflichtkauf sein. Besser sah die Rache-Braut noch nicht aus.



Kay Pinno


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