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Schatzplanet, Der   

Schatzplanet, Der
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Original: Treasure Planet   (USA, 2002)
Laufzeit: 91 Minuten (PAL)
Studio: Buena Vista
Regie: John Musker & John Clements
Darsteller: Josef Gorden Levitt, Brian Murray, Emma Thompson, Michael Wincott u.v.a.
Format: 1.66:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, IT, Fr, Spa
Extras: Kommentar,Making of, Deleted Scenes, u.v.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 2 / 1-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Hat jemand eine gute Idee ?!"

In einem dieser abgefahrenen Brainstormings im Haus der Maus muss es passiert sein. Einer der mit Gummibärchen zugedröhnten Anzugträger hatte sich wohl ernsthaft gefargt, warum Raumschiffe eigentlich “Schiffe” und nicht “Flugzeuge” heißen. Beim Betrachten von “Der Schatzplanet” kann man diesen Burschen seinem Boss förmlich pitchen hören: “Wäre es nicht absolut cool, wenn Raumschiffe richtige Segelschiffe im All wären?” Dies muss der entscheidende Anstoss gewesen sein, um eine “Neuinterpretation” des bekannten Abenteuer-Stoffs von Robert Louis Stevenson bei Disney vom Stapel laufen zu lassen. Sicherlich ist die Idee einer mittelalterlichen Seefahrer-Galaxis irgendwie spannend. Auch das Schicksal des vaterlosen Teens Jim Hawkins (Josef Gorden Levitt wird in der deutschen Synchronisation durch den schrecklichen Robert Stadlober ersetzt!), der in dem alten Piraten-Cyborg John Silver eine widersprüchliche Vaterfigur findet, hat seinen Reiz. Trotzdem geht der “Schatzplanet” ziemlich unter. Zwar werden einem hier überflüssige Musicalnummern erspart, aber bestimmte Disneyismen (extreme Political Correctness, echt überflüssige (!!!) Sidekicks, nervend quasselnde Nebenfiguren (Kapitän Amelia/B.E.N.) u.m.) vergällen einem richtig den Spaß. Besonders der völlig überflüssige Epilog in der neugebauten Hafenkneipe ist eine widerlich verbrämte Geschmacksverirrung sondersgleichen. Bis dahin schwimmt der “Schatzplanet” auf einem durchschnittlich vorhersehbaren Plot, der nur durch einige gute Bilder seine Existenzberechtigung hat. Auf der Suche nach dem legendären Schatzplaneten des notorischen Piraten-Kapitän Flynnt geraten dessen ehemalige Spießgesellen und die Mannschaft um Jim Hawkins aneinander. Als eher magerer Abklatsch von Fox weit unterschätztem “Titan A.E.” kann “Der Schatzplanet” eben wirklich nur mit einer netten Idee von einer intergalaktischen Seefahrt aufwarten.

BILD

Schatzplanet, Der

An den Bildtransferen zu Disneys Animationstitel gibt es eigentlich kaum etwas zu deuteln. Direkt vom digitalen Master gezogen, erstrahlt das Bild in perfekt frischem Glanz. Ohne Makel der Vorlage und mit einer guten Kompression bleibt das Bild klar und ohne Artefakte. Die Farben wirken wie frisch auf den Fernseher gepinselt. Der Schwarzlevel ist ordentlich tief und bleibt stabil. Leider hat sich bei “Der Schatzplanet” jedoch ein Schönheitsfehler eingeschlichen: das falsche Bildformat. Wieder einmal wußten die verantwortlichen Stellen bei Buena Vista wohl nicht was sie machen sollten. Eine Vollbild-Fassung hätte wieder die Kenner verärgert. Eine korrekte anamorphe Widescreen-Fassung wollte man den Kinder wohl auch nicht zumuten. Also beschloss man den dümmlichsten Mittelweg aller Zeiten: in einem anamorphen 1.66:1 Format (1.85:1 wäre korrekt!) wurde das Bild links und rechts minimal abgeschnitten, um alle Parteien glücklich zu machen. So geht’s leider nicht Disney. Auch wenn nur an wenigen Stellen auffällt, das Bildinformationen fehlen, gibt es dafür eine Note Abzug.

TON

Schatzplanet, Der

Ausnahmsweise wieder mal mit beiden Tonformaten versehen, kann der DTS klar vor dem Dolby Digital Track im Hafen des optimalen Sounds einlaufen. Voluminös und mit viel Bass rauschen die Raumschiffe quer durch das Wohnzimmer. Viel Dynamik und direktionale Momente (z.B. Jims Jetsurf-Sequenz!) saugen einen förmlich in die Onscreen-Action. Die Abmischung zwischen der fulminanten Musik und der restlichen Soundkulisse ist sehr gut gelungen. Die Dialoge werden dabei nicht überlappt. Der Dolby Digital Track muss insgesamt mit etwas weniger Bass als der DTS-Track auskommen. Sehr gut.

EXTRAS

Diesmal sind die Pferde etwas mit der Organisation der Extras durchgegangen. Hatte Disney schon tolle Konzepte zur Präsentation massiver Extras (siehe “Atlantis”), macht sich bei “Der Schatzplanet” ein wenig Verwirrung breit. Am interessantesten ist wohl der “Visual Commentary”. Hier spricht das Regieduo Musker/Clemens mit Unterstützung von Produzent Roy Conli fleißig und enthusiastisch über die Arbeit an dem Film. Der Film wird hierbei immer wieder kurz unterbrochen, um bestimmte zusätzliche Hintergrundvideos aufzurufen. Dabei kommen sowohl Animationsveteran Glen Keane als auch Roy Disney selbst zu Wort. Nach dem Abschluss der Videosegmente, setzt der Film/Kommentar wieder an der zuvor gestoppten Stelle ein. Sämtliche Videosegmente, darunter auch die drei Deleted Scenes, können auch einzeln in verschiedenen Unterkapiteln der Extras abgerufen werden. Mehrere Bildergalerien, ein interaktives Spiel, das Musikvideo “I’m still here” von John Rzeznik und der “Schatzplanet”-Trailer können ebenfalls abgerufen werden. In der “Disneypidea: The Life of a Pirate” befinden sich für Kinder aufbereitete Informationen über das reale Piratenleben. Abgesehen vom relativen Durcheinander in den Menüs, bei dem einige Segmente doppelt aufgeführt werden, kommen Zuschauer am besten mit dem wirklich gelungenen “Visual Commentary” weg.

FAZIT

Auch wenn Disney es wieder einmal geschafft hat, nicht das korrekte Bildformat für einen Film einzuhalten, ist “Der Schatzplanet” eine gelungene Scheibe geworden. Der Film stinkt zu seinem inhaltlichen Konkurrenten “Titan A.E.” ziemlich ab. Immerhin zaubert er aber noch durchschnittliche Familienunterhaltung auf den Bildschirm.



Kay Pinno


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