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Schloss des Schreckens   

Schloss des Schreckens
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Original: The Innocents   (GB, 1961)
Laufzeit: 96 Minuten (PAL)
Studio: Capelight
Regie: Jack Clayton
Darsteller: Deborah Kerr, Megs Jenkins, Marin Stephens, Pamela Franklin u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-Mono Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Hörspiel, Trailer, Fotogalerie
Preis: ca. 16 €
Wertung: 1 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Verdammte Kids!"

Für den Horrorfilm sind Kinder ein großer Glücksfall. Schließlich sind die meisten Erwachsenen nur zu gern bereit, die lieben Kleinen als engelsgleiche Unschuldswesen zu idealisieren. Umso hinterhältiger können Horrorfilme zuschlagen, indem sie Kinder in anderen Rollen auftreten lassen. Der spanische Genrebeitrag „Tödliche Befehle aus dem All“ wusste das 1976 genauso effektiv einzusetzen wie „Das Omen“. Und 1961 erzählte Jack Clayton nach einer Novelle von Henry James ebenfalls eine Geschichte mit etwas merkwürdig anmutenden Kindern. Im späten 19.Jahrhundert nimmt Miss Giddens eine Stelle als Gouvernante auf einem einsam gelegenen englischen Landsitz an. Das Anwesen gehört einem Londoner Junggesellen, der keine Zeit hat, sich um die beiden Kinder Miles und Flora zu kümmern, deren Onkel er ist. Stattdessen soll Miss Giddens die Geschicke eigenverantwortlich leiten. Bereits der erste Eindruck der Landsitzatmosphäre mutet seltsam an, hört die neue Gouvernante doch eine Frauenstimme Flora rufen, obwohl niemand anders sie gehört hat oder zugibt, gerufen zu haben. Später sieht Miss Giddens geisterhafte Erscheinungen, die ebenfalls niemand sonst wahrnimmt. Gleichzeitig wirken die Kinder irritierend altklug sowie ein wenig dämonisch. Schon bald erfährt die Gouvernante, dass sich in der Vergangenheit Merkwürdiges ereignet hat, was nun seine geisterhafte Hand in Richtung der Kinder ausstreckt. Die Geschichte wird vollständig aus der Perspektive Miss Giddens’ erzählt, so dass es keine objektive Instanz zur Bestätigung der Erscheinungen gibt. Auch die Wahrnehmung des Kinderverhaltens sieht der Zuschauer nur aus dem Blickwinkel der Gouvernante. Das einzige objektive Ereignis ist die frühere Ankunft Miles’, der erst einige Wochen später aus dem Internat erwartet wurde. Da sonst niemand lesen kann, ist aber auch der im Brief angegebene Grund – Miles soll seine Mitschüler verdorben haben – nur eine Erzählung der Gouvernante. So bleibt völlig unklar inwieweit die Befürchtungen Miss Giddens’, die Kinder seien durch Seelen Verstorbener besessen, zutreffen. Mehr als einmal bezeichnet sie ihre Schützlinge als Unschuldsengel, der Landsitz mit seinem weitläufigen Garten erscheint ihr als Paradies. Sie idealisiert die ländliche Welt als Refugium unberührter Reinheit. Jegliche Störung – und sei sie auch noch so klein – muss ihr als Angriff auf die Wunschprojektion erscheinen, die es zu verteidigen gilt. Jack Clayton inszeniert das mit meisterlicher Hand. Effektvoll setzt er seine Spannungselemente ein, die einen latenten Schrecken beschwören. Unter jedem Mauerstein könnte Böses verborgen sein. Die größte Leistung besteht jedoch darin, die Schwebe zwischen möglicher Wahnvorstellung und echtem Grauen zu halten. Flora und Miles besitzen beunruhigende Eigenschaften, die einen restlichen Zweifel lassen. In einer Szene erfreut sich Flora dran, wie eine Spinne einen Schmetterling frisst und Miles drückt seiner Gouvernante einen Gutenachtkuss auf die Lippen, der eher an einen leidenschaftlichen Liebesbeweis erinnert. Irgendetwas lauert hinter der idyllischen Fassade.

BILD

Schloss des Schreckens

Mit Veröffentlichung Nummer 5 dringt Capelight bei der Collector’s Series in ungeahnte Höhen vor. Zwar hat man es diesmal aufgrund des Schwarzweiß-Materials einfacher, als bei den vorherigen Veröffentlichungen, aber das soll kein Grund sein, die Bildqualität zu schmälern. Unter Berücksichtigung des Filmalters ist die Bildqualität exzellent. Die Schärfe ist sehr gut, nur ganz selten leistet sie sich leichte Schwächen. Der Kontrast ist traumhaft und lässt die fein komponierten Bildarrangements in strahlendem Licht erscheinen. Hier wurde ganze Arbeit geleistet, so dass der über 40 Jahre alte Film fast wie neu aussieht. Störende Rauschmuster tauchen fast gar nicht auf, selbst Bilddefekte gibt es nur sehr selten. Das ist eine vorbildliche Veröffentlichung.

TON

Schloss des Schreckens

Der Ton liefert nicht ganz so gute Werte wie das Bild, da ein leichtes Rauschen hörbar ist. Das wirkt sich auch die Verständlichkeit der Dialoge jedoch in keiner Weise aus. Auch die Musik kann sich effektiv entfalten.








EXTRAS

Das Bonusmaterial besteht im wesentlichen aus einem 72minütigem Hörspiel nach derselben Novelle von Henry James. Das ist insofern sehr angenehm, da die Hörspielfassung wie die Novelle nur mit Worten arbeiten kann, so dass sich auf die Erscheinungen, die Miss Giddens sieht, ein anderer Blickwinkel ergibt. Teilweise erfährt man zusätzliche Hintergründe zu den Charakteren. Die Hörspielfassung ist damit ein echter Gewinn für die DVD-Veröffentlichung, die dadurch noch einmal deutlich aufgewertet wird.

Der Trailer sowie eine Fotogalerie runden das Bonusmaterial ab.

FAZIT

„Schloss des Schreckens“ gehört zu den Meilensteinen des Horrorfilms. Effektiv hält der Film die Schwebe zwischen puritanischem Wahn und echtem Schrecken. Dabei beunruhigt vor allem die Charakterzeichnung der beiden Kinder, die auch jenseits der Wahrnehmung der Gouvernante etwas Unheimliches an sich haben. Die DVD überzeugt vor allem durch eine exzellente Bildqualität sowie geschickt ausgewähltes Bonusmaterial in Form eines Hörspiels.



Stefan Dabrock


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