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Schwarzer Engel   

Schwarzer Engel
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Original: Obsession   (USA, 1976)
Laufzeit: 94 Minuten (PAL)
Studio: Anolis / e-m-s
Regie: Brian de Palma
Darsteller: Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Englisch DD2.0 Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Dokumentation u.m.
Preis: ca. 18 €
Wertung: 3-/ 2 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Renaissance der Liebe!"

Gerne wird Brian de Palma als Hitchcock-Epigone bezeichnet. Diese Bezeichnung ist zum einen falsch, da de Palma mit Filmen wie “Die Verdammten des Krieges” oder “Die Unbestechlichen” bewiesen hat, dass er gelungene Filme drehen kann, für die Alfred Hitchcock in keiner Weise eine Vorbild war, und zum anderen verkennt sie die Eigenleistung de Palmas. Selbst ein Film wie “Schwarzer Engel”, der so deutlich wie kein anderes Werk de Palmas an Hitchcock angelehnt ist, erweist sich bei näherem Hinsehen als ein Film, der durch und durch de Palma ist. Vorbild für Paul Schraders Drehbuch ist Hitchcocks “Vertigo”, dessen Motiv der Frau, die einer Verstorbenen zum verwechseln ähnlich sieht, hier aufgenommen wird. Bei einer verpatzten Befreiungsaktion durch die Polizei verliert der Geschäftsmann Michael Courtland Frau und Tochter, die entführt worden waren. Aus Respekt vor ihrem Andenken verzichtet Courtland darauf, ein wertvolles Grundstück im Herzen New Orleans zu entwickeln. Stattdessen errichtet er ein opulentes Grabmal. 15 Jahre später hält sich Courtland zusammen mit seinem Partner auf Geschäftsreise in Florenz auf. In derselben Kirche, in der er damals seine Frau kennen lernte, steht ihm plötzlich eine junge Restauratorin gegenüber, die seiner verstorbenen Frau bis aufs Haar gleicht. Courtland verlängert seinen Florenzaufenthalt und beginnt eine Beziehung mit der jungen Frau, die er schließlich heiraten möchte. Brian de Palmas Spezialität ist die visuelle Ausgestaltung seiner Filme. Zusammen mit Kameramann Vilmos Zsigmond erschafft er eine traumartige Atmosphäre, die im trüben Design der Aufnahmen eine melancholische Stimmung erzeugt. “Schwarzer Engel” spielt auf geschickte Weise mit Andeutungen und Doppeldeutigkeiten, die er in den Dienst der Liebesgeschichte stellt. De Palma wird gerne vorgeworfen, das er mechanische Filme drehen würde, dabei gibt es nur wenige Regisseure, die sich so bedingungslos der emotionalen Seite der menschlichen Existenz verschrieben haben. Mit seinem visuellen Stil hat er eine Möglichkeit gefunden, die Bildsprache des Kinos adäquat darauf abzustimmen. De Palmas vielseitige Methoden wie Split-Screen, aufwendige Kamerafahrten, ungewöhnliche Kamerawinkel, etc. entsprechen unterschiedlichen emotionalen Stimmungen. “Schwarzer Engel” reiht sich ein in de Palmas gefühlsorientierte Werke. Er untersucht die Liebe, treibt sie auf eine Spitze und unterfüttert sie mit einer spannenden Thrillerhandlung. Alles in “Schwarzer Engel” ist Emotion, die durch Verdopplungen gesteigert und durch das Spiel mit der Realität direkt erfahrbar wird. Als Zuschauer befindet man sich in ihr und beobachtet sie nicht nur von Außen.

BILD

Schwarzer Engel

Das Bild der DVD kann das Alter des Films nicht ganz verbergen, Obwohl man Dreckspuren und Bildpunkte vergeblich sucht, wird der optische Eindruck ein wenig durch die allgemeine Matschigkeit beeinträchtigt. Diese ist zwar weitgehend Teil des visuellen Konzeptes, aber eben nur teilweise. Vor allem dunkle Bildelemente vor anderen dunklen Bildelementen schwimmen ineinander. Das Bild ist ein bisschen körnig, Blockrauschen ist nur sehr selten zu entdecken. An einigen Stellen flimmert das Bild vernehmlich. Die stimmungsvollen Aufnahmen werden adäquat wieder gegeben. Die altersbedingten Schwächen sind in Ordnung. Die DVD präsentiert den Film in einer angenehmen Bildqualität.

TON

Schwarzer Engel

Für die englische Tonspur hat man einen 5.1-Upmix vorgenommen, der erfreulicherweise sehr dezent ausfällt. Jenseits der Musik Bernard Herrmanns, gibt es keine nennenswerte Aktivität in den Surround-Boxen. Insofern ist man, wenn man den Film nicht unbedingt in der Originalfassung gucken möchte, mit dem deutschen 2.0-Ton auch gut aufgehoben. Die Qualität der Tonspuren ist ansprechend. Störendes Rauschen gibt es nicht, auch die Originalfassung ist nicht zu dumpf.

EXTRAS

Weitere Extras sind zwei Trailer, eine Bildergalerie.

FAZIT

Brian de Palma hat eine meisterliche Hommage an Alfred Hitchcocks “Vertigo” gedreht, die bei allen Anleihen durch und durch de Palma ist. “Geschickt konstruierter und brillant inszenierter romantischer Thriller” (Lexikon des internationalen Films).



Stefan Dabrock


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