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Showgirls SE   

Showgirls SE
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Original: Showgirls   (USA, 1995)
Laufzeit: 125 Minuten (PAL)
Studio: Universum
Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Elizabeth Berkley, Kyle MacLachlan, Gina Gershon, Glenn Plummer u.a.
Format: 2.20:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar, Featurette, Interviews u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3-/ 2 / 4 (Bild/Ton/Extras)


"Die Show wird weitergehen!"

Die zweite Zusammenarbeit zwischen Regisseur Paul Verhoeven und Schmuddel-Autor Joe Eszterhas ging irgendwie nach hinten los. Nachdem sie mit dem Skandalhype um “Basic Instinct” das Box-Office Ergebnis noch ordentlich pushen konnten, wollte das Nitroglycerin-Konzept von viel nackter Haut gepaart mit einer maßig sleazigen Story bei “Showgirls” nicht zünden. Zudem wurde der Film schon vor seiner Veröffentlichung derart fies torpediert, dass der Negativ-Hype beim Start schon so überwältigend war, dass niemand mehr etwas mit dem Film zu tun haben wollte. Die Ausnahme war natürlich der gute Paule, der sich seine Razzie-Auszeichnungen für die schlechteste Regie und für den schlechtesten Film sogar persönlich abholte. Die größte Misskonzeption von “Showgirls” ist sicherlich, dass der Film auf seiner diegetischen Story-Ebene ernst genommen werden will. Oh Nein!!! “Showgirls” ist die ultimative Dystopie des Showbusiness und ein Kriegsfilm!!! “Showgirls” ist sozusagen die “Starship Troopers”-Version von “Fame” oder jedem beliebigen anderen Show-Tanzfilm. In Zeiten in denen tausende junger Menschen sich für “Deutschlands Superstar” halten oder sonstwie glauben, über das Showbusiness an Geld und Ruhm zu kommen, wirkt Verhoevens Epos noch umso zynischer. Hinter der glitzernden Las-Vegas-Oberfläche von “Showgirls” entfaltet sich doch ein mehr als düsterer Moloch im Stil von David Lynchs “Blue Velvet”. Nicht umsonst hält auch Kyle MacLachlan als schmieriger Showfritze seine Tolle in die Kamera. Auch unter den aufgebrezelten Fassaden der Figuren von “Showgirls” fault die vor sich hinrottende Korrumpiertheit. Nur der einzig positive Charakter des Films erfährt zum Schluss ein derart hartes Schicksal, dass die Message von Verhoeven ganz klar ankommt: solche Menschen gehen im gnadenlosen Krieg des Showbiz als Kollateralschäden vor die Hunde. Dass seine Hauptfigur, der Tramp Nomi (Elisabeth Berkley), zudem noch die wirklich ätzendste und nervigste Blondine im nackigen Humpfdolen-Ensemble darstellt und mit ihrer Zickennummer letztlich durchkommt, lässt die Rezeption des Films nicht leichter werden. Dennoch funktioniert Nomi als Archetyp von wild entschlossenen Schwachmaten, die unbedingt ins Rampenlicht wollen und sich selbstverlogen vorheucheln, große Kunst abzuliefern (Küblböck anyone?). Dass die vielen nackten Körper in dem Film letztlich nichts mit Erotik zu tun haben, sollte jedem schnell aufgehen. Die vermeintliche Illusion von Erotik (=die Show-Tänze) ist einzig die Waffe im Krieg der Frauen um die Macht auf und hinter der Bühne - eine sexuelle Themenvariation, die Verhoeven in vielen seiner Filme beschäftigt. “Showgirls” bleibt ein zu Unrecht verfemtes Werk, das seinem extrem schlechten Ruf sicherlich nicht entspricht.

BILD

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Warum das anamorphe Widescreenbild in dem ungewöhnlichen Format von 2.2:1 statt dem originalen 2.35:1 gehalten ist, wird wohl ein Geheimnis des Verleihs bleiben. Durch diese Einschränkung wird das Bild zwar nicht unvorteilhaft beschnitten, aber lässt doch Raum für einen kleinen Protest. Die Vorlage des Transfers ist in einem guten Zustand und zeigt nur einige wenige Bildpunkte, die nicht weiter stören. Auffällig ist jedoch die schwache Kompression, die zu teilweise starkem Hintergrundrauschen aber vor allem deutlichen Zeilenflimmern führt. Besonders horizontale Konturen fangen sehr leicht an zu flimmern und stören den Gesamteindruck des Bildes. Schärfe und Kontrast sind weitestgehend passabel, aber werden durch Rauschen und flimmern beeinträchtigt. Die Farben sind allerdings sehr kräftig und geben den künstlichen Look des Films gut wieder. Der Schwarzlevel ist tief aber trotzdem detailreich. Ein vergleichsweise schwacher Transfer.

TON

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Die beiden DD5.1 Tracks auf Deutsch und Englisch geben alles, was man bei einem Film wie “Showgirls” erwarten kann. Die Musik in den Tanzszenen ist gut und sehr dynamisch auf die Surroundkanäle verteilt, während sich bei den Barszenen auch genügend ambiente Sounds in die hintere Soundstage schleichen. Die Dialoge sitzen fest und immer gut verständlich im Centerkanal. Störende Überlappungen finden nicht statt. Ohne große Überraschungen leisten die Tracks saubere Arbeit. Gut.






EXTRAS

Nicht alle Extras der amerikanischen VIP-Edition haben den Sprung auf die Special Edition von Universum geschafft. Verschollen sind unter anderem ein visueller Audiokommentar mit zwei Stripperinnen, ein Trivia-Track sowie eine weitere Stripperinnen-Doku. Geblieben ist der unsägliche Audiokommentar des selbsterklärten “Showgirls”-Experten David Schmader. Dieser Track ist eine widerliche Kompilation von Schmaders ach so (un)lustigen Gedanken über das Trash-Phänomen “Showgirls”, die besonders an Menschen gerichtet sind, die den Film als gnadenlose Ulknummer ansehen. Dabei will uns der gute Dave auch noch (natürlich nur im Spaß) verklickern, dass er den Film für ein großes Meisterwerk hält. Muhahahaha! Selten so gelacht. Schmader, du bist ne echte Spaßkanone und ein richtiger Frauenversteher, aber halte dich von Mikrofonen fern, wenn du auf deine Farm im amerikanischen Bibelgürtel zurückkehrst. Yieeks! (Anmerkung: tatsächlich ist der Mann Buchautor und eine Art konservativer Stand-Up-Comedian. Auweia!) Wer diesen Track lustig findet, der dürfte auch bei “Schindlers Liste” einen Lachkrampf kriegen. Echt unterirdisch. Hinter “Showgirls Diary” verbirgt sich ein 11-minütiger Zusammenschnitt aus Video-Probenmaterial am Set, Szenen aus dem Film und Aufnahmen von Verhoeven Storyboards. Abgesehen von der erstaunlichen am “nackten” Set lässt sich hier aber nicht viel mitnehmen. Die “Featurette” ist ein 5-minütiger originaler Promoclip von “Showgirls” mit Fimausschnitten und kurzen, belanglosen Interviewschnipseln mit Verhoeven, Eszterhas und den Schauspielern. Diese EPK-Interviews können auch noch in ganzer Länge in der Interviewsektion gefunden werden. In der “B-Roll” gibt’s nochmal fünf Minuten an unkommentierten Setaufnahmen zu sehen. Ein Trailer und ein Biographien von Stab und Besetzung sind auch noch vorhanden.

FAZIT

Diese Special Edition von “Showgirls” ist aufgrund der mauen Extras leider keine Offenbarung. Für Besitzer der alten Scheibe wäre höchstens der neue aber trotzdem schwache anamorphe Transfer ein Upgrade wert. Der Preis von 20 Euro ist für diese Scheibe jedenfalls zu viel. Also abwarten oder den Gang in die nächste Videothek wagen.



Kay Pinno


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