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Spiel mir das Lied vom Tod SE   

Spiel mir das Lied vom Tod SE
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Original: C’era una volta il West   (Italien, 1968)
Laufzeit: 159 Minuten (PAL)
Studio: Paramount
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch, Fr, Spa
Untertitel: Deutsch, Englisch, IT, Fr, Spa u.v.a.
Extras: Kommentar, Making of, Eisenbahn-Dok. u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1+/ 2+/ 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Abgerechnet wird zum Schluss!"

Die ausklingenden 60-er Jahre waren eine gute Zeit für den (Spaghetti-) Western. Nachdem das amerikanische Pferd- und Pistolen-Genre am Ende der 50-er durch zahllose TV-Serien förmlich zu Tode geritten wurde, kam der Aufschwung durch eine ganz neue Art von Western aus Italien. Mit “Für eine Handvoll Dollar” hatte der bis dahin eher unbekannte Italo-Regisseur Sergio Leone das Western-Rad neu erfunden und half damit auch dem italienischen Kino aus der Krise stagnierenden Sandalenfilmproduktionen. Statt gelackter und sauberer Studiokulissen zeigte Leone einen dreckigen wie staubigen Westen, in dem die Gesetzlosigkeit das einzige Gesetz war. Dieses recht nihilistische Bild eines aussterbenden Zeitalters, das der Moderne weichen muss, sollte auch ganz wenig später von US-Regisseur Sam Peckinpah aufgegriffenen. Doch noch bevor er seine “Wild Bunch” auf die Kinozuschauer loslassen konnte kam ihm Leone mit “Spiel mir das Lied vom Tod” noch zuvor. Als ultimativer Abgesang auf den alten Westen, dessen anachronistische Bräuche und Riten durch eine gar noch grausamere kapitalistische moderne Gesellschaftsordnung ersetzt wird, bleibt “Spiel mir das Lied vom Tod” formal wie inhaltlich ein Meisterwerk. Warum? Der von Leones Schauspielrn betriebene Minimalismus ist hier sicherlich auf seinem Höhepunkt angelangt. Jede winzige Bewegung in den Gesichtslandschaften wird zu einem Dialog, der für die ansonsten wortkargen Figuren spricht. Der effektive wie gezielte Einsatz von Sound als Erzählmittel (allein schon die Eröffnungssequenz!) ist ebenfalls großartig. Thematisch schnappt sich Leone alle möglichen bekannten Western-Motive, um sie für seine Zwecke zu entfremden. Dabei badet er visuell in allen klassischen Bildern einschließlich den großen Landschaften im Monument Valley. Zudem wird die Musik von Ennio Morricone endgültig zu einer großen Oper des Todes. Jede der vier Hauptfiguren hat sein eigenes Thema, das im Film jeweils wechselnd mit den anderen harmoniert. Zwischen Rache, Habgier und Liebe im entferntesten Sinne entspinnt sich eine Geschichte, die eigentlich auch ein Giallo (=italienischer Thriller) hätte sein können. Als aus scheinbar unerfindlichen Gründen eine ganze Familie irischer Einwanderer auf ihrer maroden Farm massakriert wird, tauchen plötzlich ein namenloser Mundharmonika-Spieler (Charles Bronson), ein flüchtiger Outlaw (Jason Robards) und die junge Frau des ermordeten Farmers (Claudia Cardinale) in dem entlegenen Kleinstädtchen Flagstone auf. Trotz unterschiedlicher Motive für ihre Präsenz in diesem gottverlassenen Winkel des Westens ist ihr Schicksal mit der Auflösung dieses mysteriösen Massakers verbunden. Bis dahin stehen allerdings noch viel Gewalt und Niedertracht auf dem Weg bis zum ultimativen Showdown, der das Ende der wilden Zeiten im Westen besiegeln wird.

BILD

Spiel mir das Lied vom Tod SE

Das Zittern begann, als Warner mit ihrem Release von “Es war einmal in Amerika” weit hinter den Erwartungen an diesen Titel zurückblieb. Nicht nur die neue Synchronisation sondern auch das höchst mittelmäßige Bild wurden dem imposanten Film einfach nicht gerecht. “Klar”, könnte man sagen. “Der Film ist ja auch über 20 Jahre alt und hat eine schwierige Historie. Da kann man nicht so viel erwarten.” Falsch gedacht! Paramount tritt mit “Spiel mir das Lied vom Tod” den ultimativen Gegenbeweis an. Hier wurde minutiös am Originalnegativ restauriert und später digital gesäubert. Das Ergebnis übertrifft jede noch so kühne Erwartung. Kristallklar, komplett frei von Dreckspuren und von einer ungeahnten Brillianz stellt das anamorphe Widescreen-Bild (2.35:1) sogar aktuelle Titel locker in den Schatten. Die Farben sind alle komplett korrigiert und lassen den Film in seinem ocker-braunen Tönen erstrahlen. Der Schwarzlevel ist ordentlich tief und detailreich. Auch die Kompression unterstützt das Bild bestens: Artefakte oder Grieselstellen treten nicht auf. Paramount hat sich mit dieser Scheibe einen echten Orden verdient. “Spiel mir das Lied vom Tod” bietet die bisher beste Filmrestauration eines Films auf DVD. Mehr Qualität dürfte auf DVD kaum möglich sein. Top-Referenz!!!!

TON

Spiel mir das Lied vom Tod SE

Der Ton liegt nur in einem neuen DD5.1-Upmix Format. Das Fehlen des originalen Mono-Soundtracks dürfte zwar Puristen auf die Palme bringen, ist aber absolut verschmerzbar. Der Upmix ist hervorragend gelungen. Abgesehen von einigen sehr deutlichen Effekten wie den vorbeifahrenden Zügen bleibt der Track auf dem Teppich und kümmert sich mehr um die Frontstage. Die wunderbare Morricone-Musik verteilt sich schön über alle Surround-Kanäle. Die Dialoge wurden komplett aufgeräumt, aber können letztlich ihr Alter nicht ganz verbergen. Ganz seicht dumpfer als die restliche Soundkulisse heben sich die Dialoge etwas ab.Hier hört sich erstaunlicherweise die deutsche Synchronisation aber etwas natürlicher als die englische Tonspur an. Die Abmischung selbst ist ebenfalls geglückt. Störende Überlappungen gibt es nicht. Ein hervorragender Upmix, der auf überbetonte direktionale Effekte verzichtet und trotzdem den Klang des alten Streifen ins 21. Jahrhundert katapultiert. Danke Paramount. So wird’s gemacht.

EXTRAS

Auf der ersten Film-Disc befindet sich nur der montierte Audiokommentar, der zum Großteil von Leone-Biograph Sir Christopher Frayling gesprochen wird. Der Filmkenner beschränkt sich aber hauptsächlich auf eine Filmanalyse, bei der er einfach nur das Geschehen auf dem Bildschirm wiedergibt. Vereinzelt werden Sektionen -teilweise “screen-specific”- von John Milius, John Carpenter, Alex Cox sowie Bernado Bertolucci, Kameraman Tonino Delli Colli, Claudia Cardinale sowie Gabriele Ferzetti gesprochen. Bei diesen Beiträgen kommt viel mehr der Hintergrund der Produktion von “Spiel mir das Lied vom Tod” in den Vordergrund. Trotz extrem guter Beiträge dürfte der filmanalytische Teil für einige Zuhörer eher müßig sein.

Auf der zweiten Scheibe befindet sich eigentlich eine große Dokumentation, die unverständlicherweise in drei Happen aufgeteilt ist. In “Eine Oper der Gewalt”, “Der Preis der Sünde” und “Dem Tode nahe” (zusammen ca.70 Minuten) sind alle Teilnehmer des Audiokommentar vertreten. Auch einige alte Interviews mit Sergio Leone und Henry Fonda sind vorhanden. Hier kommt wirklich alles an Informationen zusammen, was man sich nur wünschen könnte. Mit einigen wenigen Überlappungen zum Audiokommentar werden Geschichten und persönliche Erfahrungen rund um “Spiel mir das Lied vom Tod ausgeplaudert. Dabei wird Leone auch irgendwie als kleiner Chauvinist geoutet. Trotzdem stimmt einen die ansonsten vorherrschende Lobhudelei über das Filmgenie aus Italien schon fast etwas misstrauisch. Die Dokumentation ist einfach eine wirklich gelungene Fundgrube, die sowohl für Kenner als auch Einsteiger den Mythos von “Spiel mir das Lied vom Tod” korrekt aufdröselt. Die zehnminütige Dokumentation “Die Eisenbahn - Revolution des Westens” gibt einen knappen Überblick über die umstrittene Historie des amerikanischen Eisenbahnbaus. Mit einigen alten Aufnahmen und Bildern wird hier ein interessantes Stück Geschichte dokumentiert, dass sicherlich etwas ausführlicher hätte sein können. Ein nettes Feature ist die automatische Fotogalerie “Locations - damals und heute”. Hier werden aktuelle Fotos der Drehorte mit den Filmaufnahmen verglichen. Faszinierend: der Torbogen in der Wüste, an dem “die Rückblende” spielt, ist zum Teil noch vorhanden. Zudem gibt es noch eine Fotogalerie mit Produktionsfotos und den originalen Kinotrailer zu bestaunen.

FAZIT

Mit dieser Doppelscheibe hat Paramount den Vogel abgeschossen. Perfekte Qualität gepaart mit genialen Extras machen diese Special Edition zu einem Selbstläufer. Selbst hartnäckige Gegner von “Spiel mir das Lied vom Tod” werden den Film mit dieser DVD in einem anderen Licht sehen. Der große Dank geht an Paramount, die die lange Produktionszeit für den Titel wirklich genutzt haben. Absoluter Pflichtkauf!!!



Kay Pinno


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