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Spy Game - Der finale Countdown   

Spy Game - Der finale Countdown
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Original: Spy Game   (USA, 2001)
Laufzeit: 121 Minuten (PAL)
Studio: Universal
Regie: Tony Scott
Darsteller: Robert Redford, Brad Pitt, Catherine McCormack, Stephen Dillane u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Bulgarisch
Extras: Kommentar,Making of,Interviews,zus. Szenen
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1-/ 2+/ 1- (Bild/Ton/Extras)


"Das ist mein letzter Tag!"

Agenten sterben einsam. Diese Ansicht verklickert CIA-Profi Nathan Muir (Robert Redford) seinem Rekruten Tom Bishop (Brad Pitt) im West Berlin der 70-er Jahre recht eindringlich. “Wenn du in der Scheiße steckst, holt dich da niemand ’raus.” Flash-forward: Diesen Gedanken ignorierend wird Bishop 1991 bei einer nicht genehmigten Befreiungsaktion in einem chinesischen Gefängnis geschnappt. Deshalb wird Muir – inzwischen von der “Front” abgezogen und in einem Büro abgestellt - an seinem letzten Arbeitstag für den Geheimdienst noch einmal mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Während seine Vorgesetzten schon an der Vertuschung arbeiten, die Bishop den Kopf kosten soll, will Muir seinen Kollegen trotzdem retten. Hauptsächlich im CIA-Gebäude spielend spannt Regisseur Tony Scott in “Spy Game” geschickt einen Bogen zwischen Muirs brisanten Erinnerungen und dem aktuellen Kampf um das Leben seines alten Freundes. Besonders die Auseinandersetzung mit den Schreibtischtätern der CIA gerät zum eindrucksvollen Spannungsdrama. Wie schon in “Staatsfeind Nr.1” wimmelt es überall von schnellen Schnitten zu Überwachungskameras, geheimen Mikrofonen und Abhörbändern. Unsicherheit über die Privatsphäre in jeder Situation heißt hier das Ziel. In der Hintergrundgeschichte der Topagenten wird auch endlich mal die dringende Frage beantwortet: “Wie werde ich überhaupt Geheimagent und wie sieht so eine Geheimagentenausbildung eigentlich aus?” Dabei wird Tom Bishop als auch dem Zuschauer immer schneller klar, dass der geheime Dienst fleißig unschuldige Opfer fordert. Das mutigste Statement zum Thema Spionage und Terrorismus fällt “Spy Game” in einer Episode, die in den Wirren der Beirut-Krise spielt. Hier besteht im Handeln der CIA kein Unterschied mehr zu den Terrormächten, die sie bekämpfen soll. “Irgendwann haben wir mal gewusst, wozu das alles gut sein soll”, stellt Muir resigniert vor seinem angehenden Ex-Chef fest. Warum der ehemals knallharte Krieger Redford müde geworden ist, bleibt dem Zuschauer jedoch verschlossen. Nach “Spy Game” dürfte allerdings klar sein, dass das Agentenleben eben nicht nur aus “Martinis, Girls and Guns” besteht.

BILD

Spy Game - Der finale Countdown

Das kristallklare Bild und die brilliante Vorlage für “Spy Game” zeigen eindeutig, das Universal neue Filme gut verpacken kann. Wer zu Beginn des Films allerdings glaubt, jemand hätte am Kontrast des eigenen Fernsehers geschraubt, der muss enttäuscht werden. Filtereinsatzmeister Tony Scott nutze in “Spy Game” viele Kontrastunterstützende Filter, die Konturen wesentlich härter und dunkler aussehen lässt als sie eigentlich sind. Noch besser als im Kino wird hier dieser düstere Stil wiedergegeben. In den relativ normal gehaltenen Büroszenen zeigt sich die wirklich gute Quiltät des hochdertaillierten Transfers. Fast jede Büroklammer lässt sich auf den Tischen selbst in Wideshots erkennen. Die Farben mit uind ohne Filter werden kräftig wiedergegeben. Die Schärfe liegt derart hoch, dass es leider oft zu leichtem Zeilenflimmern kommt. Die Kontraste entsprechen der Intention des Filmemachers und sind in diesem Fall dadurch oft überzogen. Die Kompression ist tadellos.

TON

Spy Game - Der finale Countdown

Sowohl der deutsche DTS- als auch der Dolby Digital Track sind von der ersten Sekunde an sehr agressiv. Die musikalische Untermalung von Übergängen zwischen verschiedenen Orten bringt eine zusätzliche Räumlichkeit auch zu den eher ruhigen Passagen des Films. Trotz exzessivem Soundtrackeinsatz sind ebenfalls nette atmsopherische Kleinigkeiten in den Surroundkanälen versteckt. Die actionreicheren Backflash-Sequenzen in Vietnam und Beirut sorgen für das große Heimkinoerlebnis. Helikopterüberflüge und reichlich Tiefbassexplosion bringen die Lautsprecher zum glühen. Die Abmischung zwischen den klaren Dialogen, Musik und Soundeffekten kann ebenfalls überzeugen, obwohl an wenigen Stellen kurze Dialogfetzen ein wenig untergehen. Oberklasse.

EXTRAS

Mit “Spy Game” erhält der erste Tony Scott Film eine echte Special Edition Behandlung. So gibt es hier den ersten laufenden Audiokommentar des erklärten Actionfilmemachers. Genau wie sein Bruder Ridley gibt sich auch Tony Scott sehr engagiert in seinen Kommentaren zum Film wobei sein eher ruhiger Erzählstil schon anstrengend ist. Trotzdem gibt er sehr viel interessante wie unterhaltsame Informationen zum Besten. Richtig hart wird’s in den Beschreibungen der Beirut-Sequenzen, die eigentlich in Israel gedreht werden sollten, aber kurz vor Drehbeginn der Krieg zwischen Juden und Palästinensern ausbrach. Yieks. In einem zweiten Kommentar geben die Produzenten Marc Abraham und Douglas Wick ihr Hintergrundwissen preis. Auch hier gibt es viel Behind-the-Scenes Tidbits zu hören. Gemeinsam spielen sich die beiden Produzenten die Bälle zu und spekulieren sogar darüber, ob sie Tony Scott mit dem verleih eines Helikopters übers Ohr gehauen hat. Huiuiuiui. Mehr Behind-The-Scenes Material versteckt sich hinter dem Eintrag “Geheime Operationen”. In 19 einzel anzuwählenden Kapiteln gibt es kurze Clips (zwischen 1-5 Minuten), die verschiedene Elemente und Momente der Produktion abdecken. Dabei kommt hauptsächlich Tony Scott aber auch einige seiner technischen Mitstreiter zu Wort. Mit vielen wirklich guten Aufnahmen von den Sets bleiben die Clips zwar informativ aber irgendwie doch immer ein wenig zu kurz. Weiterhin gibt es es neun geschnittene/erweiterte Szenen, die in Widescreen (nicht anammorph) und passabler Qualität mit optionalem Kommentar von Tony Scott anzuschauen sind. Wirklich spannendes gibt es hier aber trotzdem nicht zu sehen. “It came out for pacing” wiederholt sich Scott auch zu Recht im Kommentar. In der Abteilung “Vom Skript zum Storyboard” erzählt Tony Scott in zweieinhalb Minuten, wie er sich seine Storyboards zurechtfummeld. Nett. Wer nach dem Film trotzdem noch Lust bekommen hat, Agent zu werden, kann sich in der Sektion “Voraussetzungen für die CIA-Anerkennung” auf fünf Seiten in Ruhe durchlesen, was bei den urschen so abverlangt wird. Da sage ich lieber Prost Malzeit und schaue mich lieber den ebenfalls mitgelieferten “Spy Game”-Trailer noch einmal an.

FAZIT

“Spy Game” ringt dem ausgelutschten Agentenfilmgenre endlich mal wieder eine andere Note ab und geht wirklich an die Wurzeln besonders der 70-er Jahre Thriller zurück. Allerdings mit den prachtvollen Visuals und Tempo von Tony Scott. Die DVD zeigt sich zudem auf hohem Standard und bringt alle wünschenswerten Extras mit. Besonders für Bond-Muffel dringend empfohlen!!!



Kay Pinno


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