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Suicide Girls   

Suicide Girls
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Original: Jisatsu Saakuru   (Japan, 2002)
Laufzeit: 92 Minuten (PAL)
Studio: Ion New Media / Splendid
Regie: Shion Sono
Darsteller: Ryo Ishibashi, Akaji Maro, Masatoshi Nagase, Saya Hagiwara u.v.a.
Format: DD5.1 Deutsch DD2.0 Japanisch
Ton: DD5.1 Deutsch DD2.0 Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3-/ 2-/ 3+ (Bild/Ton/Extras)


"No Future war gestern!"

54 Schulkinder halten sich an der Bahnsteigkante einer japanischen U-Bahnstation an den Händen. Auf drei springen sie nach vorne, weil in diesem Moment der Zug einfährt. Shion Sono zeigt gleich zu Beginn das Unfassbare, verstört auf eine Weise, die einen zunächst einmal im Sitz zusammen sacken lässt. Ist das nun eine grelle Keule plumper Provokation oder hat der Japaner tatsächlich etwas zu sagen? Je länger „Suicide Circle“ dauert, desto mehr verlässt das Werk eine klare narrative Struktur und dringt mit Hilfe greller, symbolartiger Bilder in die bitteren Untiefen der japanischen Gesellschaft ein, die symbolhaft für weltweite popkulturelle und generationstypische Phänomene steht. Der Japaner hat tatsächlich etwas zu sagen, ob einem nun die Form gefällt oder nicht. Nach dem Hieb in die Magengrube zu Beginn lässt „Sucide Circle“ in seiner Grausamkeit nur wenig nach. Es kommt zu weiteren Selbstmorden junger Schüler. Der Würgegriff, in dem sich der Zuschauer befindet, bleibt bestehen. Die Ereignisse alarmieren die Polizei, auch wenn es in den Reihen der Ordnungshüter eine starke Fraktion gibt, welche die Ereignisse als tragische Unfälle abtun möchte. Aber dann taucht eine mysteriöse Internetseite auf, eine seltsame Informantin berichtet per Telefon über einen Selbstmörderklub und die Todesfälle reißen nicht ab. Erste Ermittlungserfolge der Polizei nähren die Vermutung, dass etwas mehr an der Sache dran ist. Aber welche Rolle spielt die Teenie-Band Dessart mit ihrem Smash-Hit „Mail me“. Und wer ist das seltsam röchelnde Kind, das sich per Telefon meldet? Shion Sono wird die Fragen nicht im Sinne eines gelösten Rätsels klären. Er setzt auf die Wirkung bedrohlicher Bilder, mit denen er popkulturelle Tendenzen beleuchtet, die leicht beeinflussbare Teenager zu Mode-Robotern degenerieren. Schnell finden sich Selbstmord-Nachahmer, weil die Idee cool wirkt. Die Trendmaschinerie der aktuellen Medienstrukturen ist in der Lage, auch das absurdeste attraktiv aussehen zu lassen. Wer keine Individualität hat nimmt die vorgekaute und pfropft sie seinem eigenen Ego auf. In „Suicide Circle“ wird daraus eine bitterböse Farce, die das ganze Ausmaß des Verfalls bebildert. Selbst der Tod erscheint nur noch als eine spielerische Option in einer Welt ohne Halt. Kommunikationslosigkeit, Isolation und der Opiateffekt weiter Bereiche der Popkultur führen ins Nichts. Anstelle einer Auseinandersetzung mit den Faktoren, suchen die Schulkinder als Ausweg den Tod. Ein bequemer Weg in der Welt des Shion Sono.

BILD

Suicide Girls

Die Vorlage der DVD ist aufgeräumt. Dreckspuren oder Bildpunkte sucht man vergeblich. Dafür ist die Bildschärfe nur angenehm, alles wirkt leicht matschig. Auch der Kontrastwert verhindert nicht, dass in einigen dunklen Szenen Bildinhalte ineinander laufen. Stehende Rauschmuster sorgen für eine weitere Beeinträchtigung des Sehgenusses.







TON

Suicide Girls

Der japanische Originalton im 2.0-Format bringt eine solide Klangkulisse, bei der die Dialoge klar und verständlich sind. Die Geräuschkulisse breitet sich brauchbar auf der Front-Stage aus, ohne eine besondere Räumlichkeit zu vermitteln. Der deutsche 5.1-Ton kann dem nichts hinzufügen. Stattdessen wartet er mit einer kaum konsumierbaren Synchronisation auf.







EXTRAS

In einem 23minütigen Interview spricht Regisseur Shion Sono, nachdem er überzeugend erläutert hat, dass der Tokio-Tower ein Bauwerk des Bösen ist, über seine Karriere und den Film „Suicide Circle“. Seine Ausführungen sind stets interessant, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, wenn er propagiert, dass man bei der Gewalt in „Suicide Circle“ lachen solle.

Der Beitrag Talkshow (13 Minuten) liefert interessante Statements der Darsteller und des Regisseurs anlässlich einer Vorführung des Films „Suicide Circle“.

Ein Trailer rundet das Bonus-Material ab.

FAZIT

Technisch ist die DVD solide. Der Film ist eine verstörende Abrechnung mit weiten Teilen popkultureller Tendenzen der Gegenwart und ihrer Auswirkungen auf die Generation der Schulkinder. Vorsicht vor kommenden Superstars!



Stefan Dabrock


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