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Texas Chainsaw Massacre (2003)   

Texas Chainsaw Massacre (2003)
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Original: Texas Chainsaw Massacre   (USA, 2003)
Laufzeit: 93 Minuten (PAL)
Studio: Constantin / Highlight
Regie: Marcus Nispel
Darsteller: Jessica Biel, Johnathan Tucker, Erica Leehrson, Mike Vogel u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: 3 Kommentare,Making of,Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1-/ 2+/ 1 (Bild/Ton/Extras)


"Familien-Terror!"

Wer sich heutzutage mit dem modernen Horrorfilm beschäftigt, kommt an Tobe Hoopers “Texas Chainsaw Massacre” nicht vorbei. Jener Film zerstörte die Idylle des Kinos, das bis dahin den Zuschauer auf sichere Distanz hielt. Hooper inszenierte mit seinem surrealen Mix aus attackierender Tonspur und ungeschützt hereinrechendem Terror die Auflösung des rein beobachtenden Kinos. Ein solcher Effekt ist heute natürlich nicht mehr erreichbar und im Übrigen auch gar nicht nötig. Denn neben der stilistischen Neuerung bot “Texas Chainsaw Massacre” ein degeneriertes Familienbild, das über die Fabrikschließung des örtlichen Arbeitgebers einen sozialkritischen Hintergrund bekam. In Marcus Nispels Remake, dessen Handlung Anfang der 70er Jahre angesiedelt ist, spielt die Familie des Kettensägenkillers Leatherface ebenfalls eine sehr große Rolle. Wie in Hoopers Film fährt eine Gruppe junger Leute durch den amerikanischen Süden. Sie sind auf dem Weg zu einem Lynyrd Skynyrd Konzert und nehmen eine verstört wirkende Anhalterin mit, die sich wenige Minuten später in ihrem Wagen durch den Mund erschießt. An der nächsten Tankstelle machen sie Halt, um den Sheriff über das Unglück zu informieren. Nach einem kurzen Telefonat schickt die Besitzerin die Gruppe zur alten Crawfordmühle, wo sie den Sheriff treffen sollen. Als sie dort ankommen ist weit und breit kein Ordnungshüter zu sehen. Auf der Suche nach dem Polizisten landen zwei aus der Gruppe in einem einsamen Haus, das von einem alten Mann im Rollstuhl bewohnt wird. Als einer der beiden spurlos verschwindet, nimmt das Unglück langsam seinen Lauf. Unaufhaltsam bricht der Terror über die jungen Leute herein, die nicht einmal angefangen haben, die Verhältnisse zu verstehen. Jessica Biel spielt die Protagonistin, welche den Zuschauer durch den Film führt. Auf ihrer Flucht vor der Kettensäge des Leatherface enthüllt sie immer neue Aspekte der degenerierten Familie, welche die kleine Ortschaft vollständig unter ihrer Kontrolle hat. Nispel präsentiert das Schreckbild eines allmächtigen Sozialverbandes als unerfreuliche Gesellschaftsvision. Tatsächlich ist selbst die Staatsmacht bereits in den Bannkreis der degenerierten Herrschaft geraten, wenn der Sheriff ebenfalls Mitglied der einzigen Familie des Ortes ist. Dabei ist es kein Zufall, dass Nispels Film nicht heute, sondern in den 70ern spielt. “Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre” analysiert aus heutiger Sicht eine Zeit, die als Beginn eines großen sozialen Umbruchs zu sehen ist. Die Familie existiert in dieser Sicht nur noch als krankes Konstrukt, das mit Allmacht nach Innen beschützt und nach Außen zerstört. Stilistisch unterfüttert Nispel sein Werk mit dem ästhetischen Handwerk eines Clipregisseurs, ohne jedoch nur Oberflächenreize zu reproduzieren. Zu den schönsten Bildern des Filmes gehören die nächtlichen Einstellungen des Horrorhauses, das einsam auf dem Feld steht. Hinter der düsteren Kulisse der Vorderfront steigt mit hellem Licht bestrahlter Nebel auf. Hier wird ein Ort lebendig, der ein finsteres Eigenleben führt. Wie ein surreales Mahnmal scheint es dem Wanderer zuzurufen, seine Schritte tunlichst in eine andere Richtung zu lenken. Wer die Zeichen erkennt, der wäre sicher in Nispels Universum, das verschiedene solcher Hinweise enthält. Die Symbole wirken durch die Inszenierung entrückt und scheinen auf eine andere Realität zu verweisen. Aber im beklemmenden Spannungsszenario des Films bleibt kein Platz für Weitblick. Die unmittelbare Bewegung diktiert das Geschehen, das ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch gnadenlose Flucht und Hetzjagd ist. Selbst genreerfahrene Gucker dürften physisch angegriffen werden, wenn sie sich auf das Geschehen einlassen.

BILD

Texas Chainsaw Massacre (2003)

Hier zeigt sich mal wieder eine DVD von ihrer besten Seite. Das Bild ist bis in kleinste Details gestochen scharf und präsentiert den clip-artigen Look des Films perfekt. Reduzierte, silbrig-schwarz glänzende Farben, die einem ständigen Zwielicht entsprungen zu sein scheinen, geben dem Film seine Atmosphäre. Die DVD reproduziert das ohne Abstriche. Mit perfektem Kontrast bietet die Scheibe eine sehr gute Bildqualität. An fast keiner Stelle ist das Bild instabil, Rauschmuster sucht man zumeist vergeblich.

TON

Texas Chainsaw Massacre (2003)

Der 5.1-Sound ist durchaus gelungen. In den entscheidenden Situationen tauchen in den hinteren Lautsprechern Effektgeräusche auf, welche die spannende Atmosphäre steigern. Natürlich hätte es ein bisschen mehr sein können, auch die Musik könnte sich stärker räumlich ausbreiten. Darüber hinaus gibt es nichts anzumerken, da die Dialoge sehr gut verständlich aus den Lautsprechern erschallen. Die Dynamik des Sounds ist ausgezeichnet. Ein wirklicher guter Ton bei einem Horrorfilm.

EXTRAS

Die DVD enthält drei Audiokommentare, welche thematisch geordnet wurden. Sie beschäftigen sich mit der Technik, der Produktion und der Story. Auf dem ersten zur Technik sind Regisseur Marcus Nispel, Kameramann Daniel C. Pearl und andere Beteiligte enthalten. Der offensichtlich zusammen geschnittene Kommentar wirft einen interessanten Blick auf einzelne gestalterische Aspekte des Films. Es geht sowohl um die Drehorte, Ausstattung, Bildgestaltung oder die Realisierung einzelner Szenen. So erfährt man zum Beispiel sehr genau, wie der Abschluss der Selbstmordszene gedreht werden konnte. Der zweite Audiokommentar mit Produzent Michael Bay, Regisseur Marcus Nispel und weiteren Beteiligten geht auf die Produktion ein. Hier sprechen die einzelnen Verantwortlichen, wie es zu dem Projekt gekommen ist und welche Vision sie bei der Realisierung hatten. Auch dieser Kommentar ist zusammen geschnitten, so dass man in dichter Folge viele Informationen erhält. Der dritte Audiokommentar mit Drehbuchautor Scott Kosar, Regisseur Marcus Nispel und einzelnen Darstellern geht auf die Geschichte ein. Es werden sowohl die Ed Gein Hintergründe beleuchtet, als auch Vergleiche zum Original gezogen und Kosar erzählt viel über seine Ideen als Drehbuchautor. Hier handelt es sich ebenfalls um einen zusammen geschnittenen Kommentar.

Die Dokumentation über Ed Gein (25 Minuten) vermittelt in dichter Folge eine Vielzahl an Fakten über den legendären Mörder, der in einem einsamen Farmhaus lebend seine Taten beging. Gein wird in den Zeitkontext eingeordnet, in dem er seine Verbrechen verübte. Eine sehr gute Dokumentation.

In 76 Minuten vermittelt das Making Of einen hervorragenden Überblick zu dem Entstehungsprozess des Films sowie der Dreharbeiten. Auch wen es heißt, dass sich der Film mit dem Original und dem Remake beschäftigt, liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Remake. Alle wichtigen beteiligten wie Produzenten, Kameramann, Regisseur, Darsteller etc. kommen zu Wort. Die Dokumentation bietet einen tief gehenden Einblick in die wesentlichen Aspekte der Produktion. Es kommt dabei auch zu Überschneidungen mit den Audiokommentaren, diese nehmen aber nicht Überhand.

In einer Deleted Scenes-Sektion leitet Marcus Nispel verschiedene Szenen ein, die in der fertigen Fassung nicht mehr enthalten sind. Vor allem durch die Erläuterungen Nispels, der anschaulich begründet, warum die Szenen zunächst enthalten waren, aber nun entfernt wurden, erhält dieses Extra seinen Wert. So erfährt man auch, dass die Macher effektemäßig in zwei Szenen etwas deftiger zu Werke gegangen sind, als dies im Film enthalten ist. Es mussten Schnitte vorgenommen werden, um ein höhere Rating zu verhindern.

Ein Musikvideo, Szenen vom Casting (Jessica Biel, Eric Balfour, Erica Leehrsen) und eine B-Roll runden das Material ab.

Darüber hinaus enthält die DVD einige TV-Spots. Die Interviews erweisen sich als reines, langweiliges Promotionsmaterial.

FAZIT

Marcus Nispels Remake erweist sich dem Original als ebenbürtig. Spannender Horror trifft auf ein packendes Drehbuch. Dank des umfangreichen Bonus-Materials ist die Premium Edition des Films unbedingt zu empfehlen.



Stefan Dabrock


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