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Tiefseetaucher, Die   

Tiefseetaucher, Die
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Original: The Life Aquatic with Steve Zissou   (USA, 2005)
Laufzeit: 114 Minuten (PAL)
Studio: Buena Vista
Regie: Wes Anderson
Darsteller: Bill Murray, Owen Wilson, Cate Blanchett, Willem Dafoe, Jeff Goldblum u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch, Tr
Untertitel: Deutsch, Englisch, Fr, It, Spa, Tr, Gr, Arab
Extras: Kommentar, geschn. Szenen, Dokum. u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1 / 2+ / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Tauchgang in die Tiefe einer verkrusteten Seele."

Regisseur Wes Anderson begibt sich nach “Die Royal Tenenbaums” mit „Die Tiefseetaucher“ wieder in die Untiefen einer seltsamen Familie. Bill Murray ist der ausgebrannte Chef einer Unterwasser-Dokumentarfilmcrew, der aus Rache eine Hai-Jagd veranstaltet. Steve Zissous (Murray) „Familie“ ist die Besatzung seines abgetakelten Forschungsschiffs „Belafonte“. Darunter befinden sich seine abgekapselte Frau Eleanor (Anjelica Houston), der überloyale deutsche Maat Klaus Daimler (Willem Dafoe), der etwas propere Produzent Oseary Drakoulias (Michael Gambon) und der Buchhalter Bill Ubell (Bud Cort). Zusätzlich kommen noch der junge Ned Plimpton (Owen Wilson), der glaubt Steves Sohn zu sein, und die Journalistin Jane Winslett-Richardson (Cate Blanchett) mit an Bord, um sich an der Jagd auf einen ganz bestimmten Jaguar-Hai zu beteiligen. Der zahnbewehrte Geselle soll bei den letzten Dreharbeiten der Crew angeblich Steves besten Freund getötet haben. Zissous Jagd nach dem Hai wird schließlich eine tragikomische Suche nach sich selbst. Der gut durchgeschüttelte Mix aus „Moby Dick“, „Der alte Mann und das Meer“ und Andersons eigenem „Die Royal Tenenbaums“ versetzt mit einer augenzwinkernden Jacques Cousteau Hommage hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Schon in „Die Royal Tenenbaums“ versammelte Wes Anderson eine große Ensemble-Besetzung, um sie einzeln in kleinen Episoden immer wieder aufeinander los zu lassen, ohne dabei eine stringente Geschichte zu erzählen. Bei „Die Tiefseetaucher“ verdichtet er zwar seine Kollage aus absonderlichen Beziehungsmotiven, aber kommt über ein buntes Mosaik aus äußerst gelungenen Einzelteilen nicht hinaus. Besonders Willem Dafoe erweist sich hier wieder einmal als Rampensau, der seinen Kollegen gekonnt komisch die Show stiehlt. Seine ständigen Versuche, die Aufmerksamkeit von Bill Murray zu erhaschen, um seine tiefe aber nicht wirklich erwiderte Freundschaft zu beweisen, sind echtes Komödien-Gold. Trotz des skurrilen Humors bleibt Anderson aber noch Platz für eine emotionale Reise: Zissous Unfähigkeit, die Schönheit seiner Unterwasserwelt überhaupt noch wahrzunehmen, wird schließlich durch den Kontakt mit seinem vermeintlichen Sprössling Ned aufgeweicht.

BILD

Tiefseetaucher, Die

Auch dieser Buena Vista Transfer zeigt, wie gut inzwischen die Verarbeitung von Videodaten auf DVDs aussehen können. Die Vorlage des anamorphen Transfers (2.35:1) ist tadellos in Ordnung und zeigt keine analogen Rückstände von Dreckspuren oder Spratzern. Sehr scharf und gut im Kontrast sind selbst kleinste Details immer gut sichtbar. Die Farben sind knackig kräftig und geben den seicht surrealistischen Look des Films hervorragend wieder. Das gilt auch für den Schwarzwert, der sehr tief ist, aber trotzdem keine Bildanteile verschluckt. Die Kompression verhindert störendes Hintergrundrauschen und Artefakte. Absolut sehr gut!

TON

Tiefseetaucher, Die

Surroundtechnisch wird einem in “Die Tiefseetaucher” so ziemlich alles geboten. Von ruhigen Dialogpassagen bis zu hektischen Überfall-Shootouts - die Effektekanäle werden hier auf die unterschiedlichste Weise beansprucht. Zahlreiche ambiente und auch direktionale Effekte sorgen für ein lebendiges Surroundfeld. Auch die eingespielte Musik wird gut über die gesamte Soundstage verteilt. Auch Dialogteile werden teilweise in die Surroundkanäle gelegt. Dennoch fehlen dem Film natürlich klassische Wow-Effekte wie in den klassischen Action-Blockbustern. Gut.

EXTRAS

Die deutsche DVD von “Die Tiefseetaucher” entspricht der Single-Disc-Criterion Edition aus den USA, wo es noch ein 2-Disc Set mit zusätzlichen Video-Tagebüchern, eine kompletten Making of und den einzelnen David Bowie Songs auf Spanisch aus dem Film gibt. Aber auch die Einzeldisc hat’s in sich. Regisseur Wes Anderson und sein Co-Autor Noah Baumbach sprechen einen laufenden Audiokommentar - leider genau in dem Restaurant, in dem sie auch den Großteil des Films geschrieben haben. Die ständige Geräuschkulisse von klimperndem Geschirr und brabbelnden Menschen im Hintergrund geht einem schon nach wenigen Minuten leider fürchterlich auf die Nerven. Dabei haben Anderson und Baumbach tatsächlich eine Menge spannender Themen rund um die Entstehung und Ausführung des Projekts (ebenfalls kurios: sämtliche Referenzen im Kommentar zu Jaques Cousteau wurden weggepiepst!!!) zu besprechen. Besonders die Zusammenarbeit mit Improvisationsanarcho Bill Murray wird hier sehr positiv herausgestellt. Ein sehr unterhaltsamer wie informativer Track, der kaum Pausen, aber dafür eine nervige Hintergrund-Kulisse aufweist. Das “Stars am Set”-Feature ist ein Standard-Promo-Making-of, in dem sich die Filmemacher und die große Ensemblebesetzung gegenseitig auf die Schultern klopfen. Einziger Pluspunkt: ein paar hübsche Behind-the-Scenes Aufnahmen. Abschließend gibt’s noch neun geschnittene/verlängerte Szenen, die tatsächlich alle interessant oder lustig, wenngleich für den Film nicht unbedingt nötig. Nur die Szene mit dem Fisch, der sich selbst umstülpen kann, hätte eigentlich gut drin bleiben können. Die Trailer zu “Die Tiefseetaucher” fehlen leider.

FAZIT

Wes Anderson setzt auch mit “Die Tiefseetaucher” seine Mischung aus seltsam melancholischen und zugleich doch urkomischen Filmen fort. Bill Murray gibt hier viel besser den tragisch gebrochenen Ex-Promi als in “Lost in Translation” und wird zudem von einer sehr guten Ensemble-Besetzung (allen voran Willem Dafoe!!!) begleitet. Die Scheibe von Buena Vista bietet Top-Qualität und qualitativ gute Extras. Dieser Tauchgang in den dunklen Fünf-Uhr-Tee der Seele ist absolut empfohlen.



Kay Pinno


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