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Titanic SE   

Titanic SE
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Original: Titanic   (USA, 1997)
Laufzeit: 186 Minuten (PAL)
Studio: Twentieth Century Fox
Regie: James Cameron
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Billy Zane, Kathy Bates, Frances Fisher u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-ES Deutsch DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Tr
Extras: 3 Kommentare, geschn. Szenen, Dokum. u.m.
Preis: ca. 29 €
Wertung: 1 / 1 / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Der Untergang!"

Die Entstehung des Megaerfolgs “Titanic” steht der legendären Katastrophe, die er nachzeichnet, in nichts nach. Ein wahnsinniger Perfektionist als Regisseur, eine Produktion, die in Mexiko nicht nur ein ganzes Filmstudio und den größten Film-Wassertank aller Zeiten sondern auch fast einen kompletten Nachbau des Schiffs errichten lässt, eine Expedition zum echten Titanic-Wrack finanziert, um dort Aufnahmen für den Film zu machen, eine Filmcrew, die langsam dem Wahnsinn verfiel (einschließlich eines unerfreulichen Scherzes der Caterer, die mal flott an einem Tag ein wenig Drogen ins Essen mischten), ein Hollywood-Studio, das an dem Unternehmen beinahe Pleite ging und ein Zweites ins sinkende Boot holen musste und und und. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Dass dieses gigantische Unternehmen trotzdem nicht den sprichwörtlichen Schiffbruch erlitt, ist nicht zuletzt James Camerons eigener Obsession an dem Mythos Titanic zuzuschreiben. Durch eine der sicherlich cleversten Rahmenhandlungen der letzten Kinojahrzehnte führt er den Zuschauer zurück in die Post-viktorianische Zeit des maschinellen Aufbruchs und der Industrialisierung, bei der sich auch die soziale Gesellschaft im Umbruch befand. Dazu verstrickt er die Elemente des unterschwelligen Klassenkampfs, jugendlicher Rebellion gegen elterliche Zwänge, den langsam aufkeimenden Feminismus und eine Liebesgeschichte, wie sie klassischer nicht sein könnte, zu einer dramatischen “Abenteuer Leben”-Melange vor einer historischer Katastrophenkulisse, die tragischer kaum sein könnte. So rangiert “Titanic” ganz oben neben dem anderen großen zeitlosen Liebesdrama vor historischer Kulisse: “Vom Winde verweht”. Genau wie der manische O’Selznick in den 40-ern vollbringt Cameron das Kunststück, einen maximalen “universal appeal” zu kreieren - allerdings nicht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner sondern auf dem größten gemeinsamen Schiffszerteiler. In Retrospektive muss bei “Titanic” vor allem die ewig bekrittelte Schauspielkunst seiner Hauptdarsteller einmal gerade gerückt werden: Kate Winslet ist einfach Rose DeWitt Bukater und liefert eine stellare Performance als gebeutelter Oberklassen-Teenager zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und Leo, naja, ist eben Leo. Seine Jack-London-Figur ist vielleicht ein wenig zu seicht geraten, was aber letztlich der Intention von Camerons Drehbuch entspricht. Dass die zahlreichen wie gut besetzten Nebenfiguren kaum aus ihren Archetypen herausfallen, ist ebenfalls auf Cameron zurückzuführen, der sein psychologisches Drama ganz auf Rose und Jack konzentriert. Einzig die Figur von Billy Zanes Bösewicht Caledon Hockley hatte wirklich unter den Kürzungen des Films zu leiden, da er in der finalen Fassung - selbst zum Bedauern Camerons - recht eindimensional wirkt.

BILD

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Statt auf einer Scheibe verteilt sich “Titanic” nun auf zwei Silberlingen, was dem neuen anamorphen Transfer (2.35:1) deutlich gut tut. Die Vorlage ist so ziemlich fehlerfrei und liefert eine bestechend scharfe wie klare Grundlage für die Abtastung. Selbst in größeren Massenszenen gehen hier keine Details unter. Teilweise entsteht aufgrund des hohen Kontrasts besonders bei den Unterwasserszenen ein fast dreidimensionales Bild. Die Farben sind ebenfalls sehr kräftig und bringen sowohl die farblich eher sparsamen Deckaufnahmen wie die luxuriöse Innenausstattung der Titanic voll zur Geltung. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber trotzdem detailreich. Bildelemente werden nicht verschluckt. Die Kompression arbeitet ebenfalls tadellos und hält das Bild zu jeder Zeit stabil. Artefakte oder Bildrauschen treten nicht auf. Sehr gut.

TON

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Auch in der Soundabteilung kann die “Titanic” natürlich mit echtem Heimkino-Demomaterial aufwarten. Der deutsche DTS-ES 6.1 Track lässt schon bei der Eröffnungsmusik kräftig das Wohnzimmer beben. Sowohl Musik als auch Soundeffekte sind aggressiv über die komplette Soundstage verteilt und liefern ein sehr gut aufgelöstes Klangfeld mit einigen hervorragend plazierten direktionalen Effekten. Vom Reißen der schweren Halterungen der Schornsteine bis zu klassischen Hintergrundatmo-Effekten wie bei der Unterdeck-Party der dritten Klasse ist der Zuschauer immer mittendrin. Die Dialoge sitzen derweil fest und immer gut verständlich im Centerkanal. Störende Überlappungen gibt es nicht. Die DD5.1 Tracks sind im Vergleich zum DTS-ES Track etwas weniger Bass-lastig aber in den Surroundkanälen ebenfalls sehr gut aufgelöst.

EXTRAS

Auf den ersten beiden Filmscheiben des Sets befinden sich gleich drei Audiokommentare. Auf dem ersten Track gibt James Cameron ein fast atemloses Solo, bei der er sehr gut zwischen produktionstechnischen Details, historischen Fakten und der Story-Entwicklung hin und her springt. Nicht scheu auch die kleinen Ungenauigkeiten seines Opus Magnum hervorzuheben, darf der Zuhörer erstaunt feststellen, dass selbst ein Perfektionist wie Cameron bei einigen Unstimmigkeiten ein achselzuckendes “Frankly I don’t give a damn!” von sich gibt. Dies ist sicherlich genau der Track auf den “Titanic”-Fans gewartet haben. Anhören ist hier Pflichtprogramm. Auf dem zweiten Track sprechen Schauspieler (u.a. Kate Winslet, Bill Paxton, Billy Zane, Frances Fisher, Gloria Stewart und Lewis Abernathy), Produzenten (Jon Landau, Rae Sanchini) und viele weitere Crewmitglieder über ihre ganz persönliche “Titanic”-Erfahrung. Hier kommen detaillierte technische Details mit den Erfahrungen der Schauspieler unter der Flagge von Käptn Cameron gut zusammen. Der Track ist natürlich aufgrund der Vielzahl an Teilnehmern zusammengeschnitten worden, da die Sprecher separat oder in kleinen Gruppen aufgenommen wurden. Die Kommentare sind allerdings extrem gut zu den einzelnen Szenen montiert und geben sehr spezifisch über kleine und große Details in den Aufnahmen Auskunft. Auf dem dritten Track sprechen schließlich die Titanic-Experten Don Lynch und Ken Marshall über die historischen Gegebenheiten im Vergleich zum Film. Wem Camerons Ausführungen auf dem ersten Track noch nicht gereicht haben, bekommt hier noch einmal die volle Dröhnung an interessanten Titanic-Fakten zu hören, die zudem hübsch an vielen Kleinigkeiten Film analysiert werden. Alle drei Tracks sind absolut hörenswert, aber erfordern eben auch ein wenig Ausdauer.

Parallel zum Film lassen sich ebenfalls insgesamt 61 “Behind the Scenes”-Clips (zusammen ca. 70 Minuten) mit sehr schönen Setaufnahmen und On-Set-Interviews abrufen, die aber auch separat über die Hauptmenüs aufgerufen werden können. In Ermangelung eines aktuellen “Making of” - Cameron legte kurzfristig eine kontroverse Dokumentation über die Produktion auf Eis - ist dies sicherlich das Beste, was man von der Entstehung des Films zu sehen bekommt. Auf der zweiten Scheibe lässt sich zudem das längere alternative Ende, das endgültig aufklärt, warum die alte Rose ihren Diamanten über die Jahre behalten hat und schlussendlich wieder ins Wasser wirft, einschließlich Kommentar von Cameron finden. Auch das Musikvideo zu Celine Dions “My Heart will go on” wurde noch auf diese Scheibe gepresst.

Auf der dritten Disc befinden sich ausschließlich die 29 geschnittenen Szenen (ca. 40 Minuten) in anamorphen Widescreen und DD5.1 Sound. Die Szenen können optional mit Kommentar von James Cameron abgespielt. Neben historisch belegten Begebenheiten wie dem zwecklosen Versuch des Kapitäns, die halbvollen Rettungsboote wieder zurück zu kommandieren, wurden zahlreiche Nebenstränge der Erzählung wie eine weitere Liebesgeschichte mit DiCaprios italienischem Kumpel gekappt. Dennoch haben auch Kate Winslet und Leonardo DiCaprio weitere Szenen, in denen sie sich nun zaghaft näher kommen, um schließlich im Heizerraum ihren bisher nicht gesehenen ersten heißen Kuss auszutauschen. Doch nicht nur das Drama sondern auch die Action des Films wurde gestrafft. David Warners Verfolgungsjagd der Liebenden durch das sinkende Schiff fiel der Schere zum Opfer. „Das Publikum in den Testvorführungen hasste diese Szene”, begründet Cameron die Kürzung. Insgesamt lässt sich tatsächlich festhalten, dass die meisten dieser Szenen als “geschnittene Szenen” zwar sehenswert sind, aber den Film letztlich nur unnötig gestreckt hätten.

Auf der vierten Disc befinden sich schließlich zahlreiche verschiedene Extras: in der Sektion “Marketing” lassen sich die zwei originale TV-Specials “HBO First Look: Das Herz des Ozeans” und “Fox Special: Pionierarbeit” aus dem Jahr 1997 finden, die zusammen einem “Making of” mit einer Laufzeit von ca. 74 Minuten am nächsten kommen. Neben einigen sich wiederholenden Interview- und Behind-the-Scenes Segmenten lassen sich hier auch die Interviews mit Überlebenden der Titanic-Katastrophe und weitere historische Hintergrundinformationen finden. In der Abteilung “Sonderausstattung” lassen sich sieben Videosegmente finden: für den Film nachgemachtes Wochenschaumaterial vom Auslaufen der Titanic, eine Zeitraffer-Studie des Aufbaus des großen Titanic-Sets in Mexiko, ca. 20 Min. an originalen Tauchmaterial am Wrack der Titanic kommentiert von James Cameron, ein äußerst gelungenes Crew-Video (ca. 18 Min.) mit erstaunlichem wie lustigem Hinter-den-Kulissen-Material (den Schlussgag sollte man nicht verpassen!), das absolut nicht ernst gemeint ist, eine 8-minütige Führung durch die opulenten Sets, sowie jeweils drei Specials zu den vorgeplanten Videomatics und einigen optischen Effekten, unter denen man ebenfalls die komplette Sink-Simulation der Titanic, die auch im Film zu sehen ist, abrufen kann. Ebenfalls einen gepflegten Blick ist die Abteilung der Fotogalerien wert. Neben den üblichen Diashows mit Film-, Design- und Setbildern befindet sich hier Camerons komplettes “Titanic”-Drehbuch (über 400 Seiten!!!), eine detaillierte Bildersammlung von bekannten Titanic-Gemälden, eine Statistik-Galerie mit Einspielergebnissen und anderem Schnickschnack sowie eine interessante Bibliographie mit allerhand obskuren Bücher, die sich auch nur irgendwie mit dem Phänomen “Titanic” beschäftigen. Abgerundet wird die letzte Disc noch mit sämtlichen Werbematerialien und Trailern zum Film. Ein Kracher ist dabei ein “Nicht verwendeter Action-Trailer”, der einem wirklich vor unfreiwilligen Lachen die Tränen in die Augen treibt. Heftig.

FAZIT

Obwohl als ultimative Special Edition angekündigt bleibt das 4-er Disc Set von “Titanic” ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Das Fehlen einer aktuellen Dokumentation über die gesamte Produktion sowie eine detaillierte Betrachtung der Titanic-Historie machen sich bemerkbar. Auch die Abwesenheit von Leonardo DiCaprio im Audiokommentar ist bei dieser Edition ein Minus. Dennoch kann man sich mit dem vorhandenen Set sicherlich mehr als zufriedengeben, auch wenn es ein wenig wie eine verpasste Chance wirkt.



Kay Pinno


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