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Todesmelodie   

Todesmelodie
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Original: Giù la testa   (Italien, 1971)
Laufzeit: 147 Minuten (PAL)
Studio: MGM
Regie: Sergio Leone
Darsteller: James Coburn, Rod Steiger, Romolo Valli, David Warbeck, Rik Battaglia u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-Mono Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, NL
Extras: Trailer
Preis: ca. 16 €
Wertung: 3+/ 3-/ 5 (Bild/Ton/Extras)


"Sergio Leones 'Bullet in the Head'!"

Nach seinem phänomenalen “Spiel mir das Lied vom Tod” hat Sergio Leone noch zwei große Filme in Eigenarbeit gedreht. “Zwei ?”, werden sich jetzt sicherlich einige Leser fragen. Richtig, denn zwischen “Spiel mir das Lied vom Tod” und “Es war einmal in Amerika” kommt die “Todesmelodie”. Das seltsame Zwischenstück zu Leones Amerika-Trilogie wird leider völlig zu Unrecht als schwarzes Schaf seiner Filmographie betrachtet. Dies liegt wohl vor allem an dem ungewöhnlichen Setting - mitten in der mexanischen Revolution kurz nach der vorvorigen Jahrhundertwende. Da gibt es schon Motorräder, Autos und auch Panzerwagen. Das passte wohl nicht in das klassische Westernbild, dass die Welt von Leone anno 1971 hatte. Und “Todesmelodie” ist eben auch kein Western. Es ist ein Film über das blutige wie wahnsinnige Chaos der Revolution; über die Freundschaft mit der man sich aus diesem Chaos retten kann; über den Verrat, der einen den Idealismus kostet und natürlich über das Dynamit, vor dem wirklich alle Menschen gleich sind. “Todesmelodie” ist ein Film mit großen Gefühlen (besonders unterstrichen durch die wirklich beste Musik, die Ennio Morricone für einen Leone Film geschrieben hat!!!) vor einem entsetzlich mörderischen Hintergrund - die Ähnlichkeit in der Konzeption zu John Woos Meisterwerk “Bullet in the Head” ist dabei wirklich erstaunlich. Nur kann Leone den dramatischen Faden hier noch besser spinnen als der Meister aus Hongkong: der arme Mexikaner Juan Miranda (Rod Steiger) hat sich in der Revolution mit seiner Familie (ein Opa und zahlreiche Jungs) selbstständig gemacht - als Wegelagerer und Banditen nämlich. In seiner Darstellung ist Rod Steiger ganz der illegitime mexikanische Bruder von Tuco aus Leones “Zwei glorreiche Halunken”. Schroff, ungebildet aber nicht dumm und mit der richtigen Portion drolligen Humors versehen, plündert er die überheblichen Europäer im Land aus. Von Robin Hood ist der arme Juan aber meilenweit entfernt. Sein ultimativer Lebenstraum ist ein Raubzug auf die staatliche Bank von Mesa Verde. Diesen Traum sieht er verwirklicht als er auf den irischen Sprengstoff-Experten Sean “John” Mallory (James Coburn) trifft. Durch einen fiesen Trick bringt Juan seinen “Kumpel” widerwillens dazu, sich an dem Coup zu beteiligen. Doch auch Sean hat seine Pläne und spannt Juan unwissend für die Revolution ein. Der Spaß hört jedoch schnell auf, als sich General Günther Ruiz (Antoine Saint-John) mit seiner Armee auf die Fährte der Revoluzzer setzt. Ein harter Kampf ums Überleben beginnt. Mit einer Überdosis an Onscreen-Gewalt setzt “Todesmelodie” ein klares Zeichen gegen die anarchistischen Zustände in einem von Revolution gebeutelten Land. Mehr Erschießungen gab es bis heute wohl kaum in einem Film zu sehen. Sein Potential bezieht “Todesmelodie” allerdings aus der tragischen Dynamik zwischen Sean Mallory und Juan Miranda. Gemeinsam geben sie sich den Antrieb, im anderen ein Ideal zu sehen, das ihnen selbst fehlt. So funktionieren “Hirn” und “Herz” am besten zusammen. Aber auch in dieser Revolution gibt es Opfer und ein tragisches Ende ist schon vorprogrammiert. Zusätzlich versehen mit einer geballten Portion schwarzen Humors wie in kaum einem anderen Leone-Film könnte man “Todesmelodie” in seinem sozialpolitischen Kontext fast als zynisch betrachten. Doch der originale Titel legt schon Nahe auf welcher Seite sich Leone befindet: “Duck, you Sucker” (zu Deutsch “Duck dich, du Depp”) ist die freundschaftliche Rachebotschaft eines enttäuschten Sozialisten mit viel Humor. Wie Sean Mallory seine Dynamit-Fluppe Juan entgegenwirft, schleudert nämlich auch Leone seinen explosiven Film mit dieser Warnung dem Publikum entgegen. Ein bleibender Eindruck wie ein ins Dach gesprengtes Loch dürfte nach “Todesmelodie” auf jeden Fall zurückbleiben.

BILD

Todesmelodie

Wie zu erwarten war, hat man sich für den vielleicht erfolglosesten Leone-Film kaum die Mühe einer Restauration gemacht. Die Vorlage des anamorphen Widescreenbildes (2.35:1) ist noch in passablem Zustand aber kann das Alter des Films nicht verstecken. Dropouts und Dreckspuren sind zwar auf ein Minimum reduziert worden, aber teilweise immer noch vorhanden. Besonders die Grobkörnigkeit des Bildes ist auf das alte Ausgangsmaterial zurückzuführen. Darunter leidet die Schärfe in vielen Szenen sehr deutlich. Die Farben hingegen haben sich gut gehalten. Die Grobkörnigkeit erzeugt zwar einen sehr verwaschenen Look, aber trotzdem bleiben die Farben dabei noch ordentlich kräftig. Der Schwarzlevel ist ordentlich tief und kann so gerade noch verhindern, dass zu viele Details in dunklen Bereichen verschluckt werden. Die Kompression ist tadellos und lässt kein zusätzliches Blockrauschen oder digitale Artefakte entstehen. Trotz der genannten Mängel sah “Todesmelodie” im Videobereich kaum besser aus als hier. Nur eine umfassende Restauration hätte dem Bild auf die Sprünge helfen können.

TON

Todesmelodie

Am Ton wurde bei diesem Leone-Film nichts verändert. Die originalen Monotracks in Deutsch, Englisch und Französisch wurden nur von ihren Rauschmustern befreit. Die deutschen Dialoge klingen zwar nach einer älteren Synchronisation, aber haben immer noch genug Dynamik, um nicht völlig kraftlos im Center zu verenden. Auch die wunderschöne Musik von Ennio Morricone kann sich hier noch gut hören lassen. Ein DD5.1-Upmix hätte hier aber sicherlich Wunder bewirken können. Gerade die vielen Explosionen und Feuergefechte hätten in einem richtigen Surroundklang dem Film eine neue Erfahrungsdimension geben können. Insgesamt gibt es an den vorhandenen Monotracks nichts auszusetzen. Interessant ist allerdings, dass in dieser Fassung von “Todesmelodie” der letzte Satz aus dem Off (“Und ich?!”) am Ende des Films herausgenommen/unterschlagen wurde. Seltsam.

EXTRAS

Was wäre “Todesmelodie” doch für eine hervorragende Special Edition geworden. Ein Audiokommentar mit James Coburn und Rod Steiger gemeinsam vor dem Mikrofon wäre sicherlich ein Traum gewesen. Diese Chance ist jedoch leider verpasst worden und wird nie mehr passieren. Beide Stars starben im letzten Jahr. Trotzdem wäre es sicherlich auch interessant gewesen, andere Beteiligte über die gigantische Produktion in Spanien zu befragen. Als einziges Extra hat sich jedoch nur der englische Kinotrailer auf die DVD geschlichen. Wirklich sehr schade.

FAZIT

Allen Leone-Fans sei dieser Film wärmstens ans Herz gelegt. Wer sich von den gängigen Western-Klischees frei macht, bekommt mit “Todesmelodie” vielleicht sogar den besten Leone-Streifen präsentiert. Dieser Film ist eine Liebeserklärung an die Freundschaft und ein Testament gegen gesellschaftliche wie politische Bigotterie mit ihren fatalen Folgen. Ohne Zweifel ist “Todesmelodie” Leones gewalttätigster Film in Sachen Massentötungen und deshalb sicher nicht jedermanns Sache. Trotzdem ist dieses Meisterwerk mehr als nur einen Blick wert. Die DVD von MGM kann leider nur als durchschnittlich bezeichnet werden. Trotzdem ist dies die weltweit erste und bisher einzige Veröffentlichung des Films auf DVD. Trotz fehlender Extras kann ich bei dem geringen Preis der Scheibe den Kauf dieser untergegangenen Perle nur dringend empfehlen.



Kay Pinno


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