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Tödliche Wespennest, Das   

Tödliche Wespennest, Das
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Original: Nid de guepes   (Frankreich, 2002)
Laufzeit: 103 Minuten (PAL)
Studio: Universum
Regie: Florent Emilio Siri
Darsteller: Samy Naceri, Benoit Magimel, Nadia Farès, Pascal Greggory u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Französich
Extras: Making of, Trailer, Biographien
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1-/ 2 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Das neue Ende!"

In den Zeiten der unbegrenzten Remake-Mania aus Hollywood wirkt “Das tödliche Wespennest” aus Frankreich wie eine Offenbarung. Als Vorlage für das “Wespennest” dient John Carpenters Klassiker “Assault on Precint 13” (oder auf Deutsch eben “Das Ende”). Drei unterschiedliche Gruppen treffen an einem abgelegenen Ort aufeinander und geraten in tödliche Gefahr durch eine nahezu unsichtbare Bedrohung. Das alte Polizeirevier aus Carpenters archetypischem Schocker muss einer modernen Lagerhalle weichen, während die aufgebrachten Straßengangs durch Mitglieder der Balkan-Mafia ersetzt werden. Mitten in dem ausgebufften Überfall einer Einbrechertruppe muss eine schon dezimierte Spezialeinheit in dem Lagerhaus einen Notstopp einlegen. Sie transportieren den gefährlichen Mafia-Boss, Kriegsverbrecher, Vergewaltiger und sexistischen Hobby-Satan Abedin Nexhep (Angelo Infanti dürfte dem ein oder anderen noch als Baron aus dem Bud Spencer Klassiker“Sie nannten ihn Plattfuß” bekannt sein!), um ihn in Straßburg vor den internationalen Gerichtshof zu bringen. Doch die Häscher der Mafia schlagen ungesehen zu und umzingeln schließlich die letzte Zuflucht des Gefangenentransport. Und drinnen müssen sich Einbrecher, Elite-Einheit und die überfallenen Wachmänner zusammenraufen, um gegen den Ansturm zu bestehen. Clever und relativ minimalistisch inszeniert, kann man Regisseur Siri bei “Das tödliche Wespennest” eigentlich nur den Vorwurf machen, sich manchmal etwas zu nah an Carpenters Original orientiert zu haben. Zuschauern, die “Das Ende” aber nicht kennen, dürfte das aber kaum auffallen. Dafür ist das “Wespennest” bis auf den absichtlich etwas verzögerten Anfang zu temporeich inszeniert. Der klägliche Versuch über ein paar Fotos und eine nette “Sind-das-deine-Kinder”-Geschichte ein paar der Figuren Hintergrund zu verleihen ist allerdings lahmes Filmschulen Einmaleins. Das geht wohl auf das Konto von Siris Co-Autor, der anscheinend Filmwissenschaftler ist. Dafür entschädigt der Film aber auch mit großartigen Szenen. Allein der komplette Anfang mit einem der Wachmänner setzt die Stimmung für den restlichen Film perfekt in Szene. Die absolute da-fällt-einem-das-Kinn-herunter Aufnahme kommt aber auf der Autobahn, von der der Gefangenentransport abweichen muss. Eine lange Kamerafahrt enthüllt einen massiven Unfall mit Toten und Verletzten. Ohne Schnitt enthüllt die Kamera nach und nach den Grund für den Unfall und schließlich die fiese Ursache für den zuvorgenannten Grund. Wow. “Das tödliche Wespennest” ist ein moderner Euro-Actionklassiker geworden, den sich niemand entgehen lassen sollte. Dass der Inhalt nur kopiert ist, darf als ausgleichende Rache in Richtung Hollywood abgehakt werden. Dort hat man ja zu genüge erfolgreiche europäische Filme kopiert - nur meistens schlechter!

BILD

Tödliche Wespennest, Das

Mit einem tödlich guten Transfer kann der französische Actionthriller begeistern. Die Vorlage ist fehlerfrei und zeigt sich von der besten Seite. Verunreihnigungen oder Spratzer sind absolut nicht vorhanden. Schärfe und Kontrast sind sehr gut geraten. Trotz des enorm tiefen Schwarzlevels bleiben dadurch immer noch alle Details in dunklen Aufnahmen erkennbar. Da der Film hauptsächlich nachts spielt ist dies enorm wichtig. Die Farben sind sehr natürlich aber kommen im Film kaum zur Geltung, da die Umgebung sehr dunkel und grau ist - eben eine Lagerhalle. Der düstere Ton des Films wird dadurch sehr gut vermittelt. Die Kompression macht keine Schwierigkeiten und verhindert die Bildung von Artefakten oder Hintergrundrauschen. Ein wirklich sehr guter Transfer.

TON

Tödliche Wespennest, Das

Nur in Dolby Digital 5.1 kann der Ton entweder auf Deutsch oder Französisch genossen werden. Beide Tracks sind sehr dynamisch und in den vielen Baller-Momenten sehr aggressiv in der Ausnutzung der Surround-Kanäle. Die Dialoge sind fest im Center platziert und immer gut verständlich. Störende Überlappungen gibt es nicht. Die gezielt wie eher spärlich eingesetzte Musik integriert sich gut in den gesamten Track. Der Tiefbass hat im Film nicht so viel Arbeit zu verrichten und unterstützt hauptsächlich das zahlreiche Gewehrfeuer. Echte Pan- oder gezielt direktionale Effekte sind kaum vorhanden und eher unspektakulär eingesetzt. Ein sauberer 5.1 Ton, der seine Arbeit ohne Überraschungen gut ausführt.

EXTRAS

Außer dem Kinotrailer und ein paar Kurzbiographien bringt “Das tödliche Wespennest” ein recht anständiges “Making of” mit. Bei der Zusammenstellung ist den DVD-Produzenten aber wohl ein Fehler unterlaufen. Die erste halbe Stunde der insgesamt ca. 80 minütigen Dokumentation besteht nur aus Storyboard-zu-Film Vergleichen. Erst danach setzt das eigentliche “Making of” ein. Dem recht ausführlichen Blick hinter die Kulissen fehlt zwar ein bisschen die Struktur, aber dafür sind die Aussagen aller Beteiligten oft recht ehrlich, da sie spontan am Set aufgenommen wurden. Hier dreht sich auch alles eher um die eigentliche Produktion des Films und nicht um die Konzeptionen, die dahinter stehen. Ein wahrlich ungeschminkter Blick hinter die Kulissen - was will man mehr?

FAZIT

Europäisches Kino und Actionfilme - kann das funktionieren? Ja, es kann! Die Nachfahren von Belmondo und Co. haben sich in Frankreich auf die Hinterbeine gesetzt und mit “Das tödliche Wespennest” einen düsteren, actionreichen und kompromisslosen Thriller geschaffen. Die DVD von Universum überzeugt durch gute Bildqualität und eine hübsche Dokumentation. Der absolute Geheimtipp! Jetzt sofort leihen oder kaufen!



Kay Pinno


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