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Tränen der Sonne   

Tränen der Sonne
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Original: Tears of the Sun   (USA, 2003)
Laufzeit: 116 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: Antoine Fuqua
Darsteller: Bruce Willis, Monica Bellucci, Cole Hauser, Tom Skerrit u.v.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras: 2 Kommentare, Making of, zus. Szenen u.v.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1 / 2+/ 1- (Bild/Ton/Extras)


"Die Rückkehr der Wildgänse!"

Eigentlich hätte “Tränen der Sonne” ein knallharter Söldnerfilm werden können. Die Geschichte ist jedenfalls fast dem originalen Klassiker “Die Wildgänse kommen” entliehen. Ein wenig amerikanisiert und mit Bruce Willis und der immer hübschen Monica Bellucci versehen wird “Tränen der Sonne” allerdings nicht ein bittersüßer Abgesang auf die international verpfuschten Verhältnisse in Afrika sondern ein Propaganda-reicher Heldenepos für das US-Militär. Regisseur Antoine Fuqua (“Training Day”, “Replacement Killers”) wird aber wenigstens der schwierigen Thematik der anarchistischen Bürgerkriegszustände, die teilweise in Afrika herrschen, gerecht. Kompromisslos zeigt er die Greuel eines Krieges, den niemand richtig verstehen kann. Um die resolute Dr. Kendricks (Bellucci) vor den marodierenden Killertrupps der Militärs in Nigeria zu retten, wird eine Spezialeinheit unter der Führung von Lieutenant Waters (Willis) in den Dschungel geschickt, um die Ärztin der internationalen Hilfstruppe aus dem Gefahrenherd herauszuholen - allerdings nur sie! Ihre Schützlinge - kranke und verwundete Zivilisten - sollen zurückgelassen und somit wahrscheinlich dem sicheren Tod durch die Militärs ausgesetzt werden. Gegen seine Befehle ringt sich Waters dazu durch, den Flüchtlingen zu helfen. Zu Fuß muss sich die Gruppe auf einen langen und gefährlichen Marsch durch den Dschungel machen, doch die Killertrupps bleiben ihnen hartnäckig auf den Fersen. Trotz einiger guter wie krasser Kriegsmotive bleibt “Tränen der Sonne” zu stark an der Oberfläche und konzentriert sich komplett auf den eher drögen On-The-Run Plot. Besonders irritierend wirkt der nicht nachvollziehbare Sinneswandel von Waters, der vom knallharten Seal plötzlich zum großherzigen Retter wird. Der große Plottwist des Films wird zwar gut ausgespielt, bleibt aber letzlich bloß ein lahmes ‘McGuffin’, um die ganze Verfolgungsjagd zu legitimieren. Ein hübscher Diskurs um Rassenkonflikte oder politische Verwicklungen im Stile der “Wildgänse” wird hier leider komplett ausgespart. Richtig peinlich wird schließlich noch das Ende des Films, das wie eine menschliche Realverfilmung von “Der König der Löwen” wirkt. “Tränen der Sonne” ist einfach eine richtig gut verpasste Chance, die aber hartnäckige Actionfans kaum vor dem Anschauen abschrecken dürfte.

BILD

Tränen der Sonne

Wieder einmal beweist Columbia, dass sie zur Zeit sicherlich die besten Bildtransfere auf DVD liefern. “Tränen der Sonne” bietet eine hervorragende Vorlage, die keine analogen Rückstande von Dreck oder Spratzern aufweist. Kristallklar und rasiermesserscharf ist jedes Detail im Film auszumachen. Auch der sonst bei Columbia immer etwas stärker ausgefallene Kontrast ist nicht vorhanden und so zeigen sich keine Überscheinungen von Konturen. Die Farben sind sehr stark aber absolut natürlich. Sowohl die vielen Grüntone als auch die absichtlich goldenen Sonnenaufnahmen sind sehr gut gelungen. Der Schwarzlevel ist sehr tief aber besitzt einen großen Detailreichtum, der nur wenige Bildelemente verschluckt. Da die Nachtaufnahmen hier ebenfalls als “Unsichtbarkeitseffekte” im dichten Dschungel genutzt werden, ist der etwas stärkere Schwarzwert wirklich gut. Die Kompression ist fehlerlos und sorgt für einen stabilen Filmgenuss ohne Artefakte und Blockrauschen. Sehr gut.

TON

Tränen der Sonne

Der Dolby Digital 5.1 Ton kann sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch voll überzeugen. Von agressiven Surroundeffekten in den Actionszenen bis zu den viel häufigeren Suspense-Momenten im Dschungel, die hauptsächlich von der dichten Atmosphären-Kulisse der zahllosen Dschungelgeräusche leben, kommen die Effektkanäle der Heimkinoanlage sehr gut zum Einsatz. Dabei darf auch der Tiefbass ordentlich mitmischen. Pan-Effekte oder gezielt direktionale Momente bleiben aber eher spärlich. Die stimmungsvolle und effektiv eingesetzte Musik wird ebenfalls voll über alle Kanäle verteilt. Störende Überlappungen gibt es dabei aber nicht. Die Dialoge sind fest im Center stationiert und immer gut verständlich. Fast schon ein sehr guter Track.

EXTRAS

Die kleine böse Überraschung kommt gleich zu Beginn: Neben dem vollen Audiokommentar mit Regisseur Fuqua ist der zweite Kommentar mit den Drehbuchautoren nur 17 Minuten (die erste Viertelstunde des Films) lang. Dafür geben die beiden so richtig Gas: ohne Pause und mit viel Kritik gehen sie ihren Arbeitsweg an und versuchen ausgewogen ihre Entscheidungen über bestimmte Thematiken zu begründen. Hier werden auch die Schwierigkeiten einer solchen Studioproduktion mit politischen Inhalten angesprochen. Trotz der Kürze ein erstaunlich ehrlicher und solider Track, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Etwas entspannter aber nicht weniger informativ gibt sich Antoine Fuqua auf seinem Solo-Track. Von persönlichen Erlebnissen über die Hintergründe zu dem Projekt bis zu inhaltlichen wie technischen Details gibt Fuqua einen versierten, nachdenklichen aber trotzdem unterhalsamen Rundumblick über die “Tränen der Sonne” (einschließlich einer Erklärung für den Titel, der tatsächlich von einem anderen Filmprojekt geklaut ist!). Ohne große Pausen lässt er auch seine persönliche politische Meinung einfließen ohne dabei allerdings zu kritisch zu werden. Ebenfalls ein sehr gelungener Track, der eine hübsche Ergänzung zum Film darstellt. Ein zusätzlicher Untertitel Track namens “Wissenswertes über Afrika” informiert den Zuschauer während des Films über weitere tragische Ereignisse und Begebenheiten im kriegsgeschüttelten Afrika der letzten 30 Jahre. Mit vielen Zahlen, Daten und Fakten dürften die meisten DVD-Gucker hier erschütternde Neuigkeiten erfahren, die sich aber auch auf die Produktion und auf die teilweise native Besetzung des Films beziehen. Ebenfalls eine hervorragende Bereichung. Das 15-minütige “Making of” ist ebenfalls nicht die typische PR-Veranstaltung für Hollywoodfilme. Sehr ernst äußern sich Fuqua und seine Besetzung zu den Ereignissen im Film und zur afrikanischen Situation. Besonders die Erfahrung mit den afrikanischen Extras, die selbst solche Erlebnisse wie im Film durchleben mussten, steht im Zentrum der Dokumentation. Weil dies aber nicht reicht, gibt es die Sektion “Stimmen aus Afrika”. Hier erzählen acht am Film beteiligte Afrikaner über ihre persönlichen Kriegserfahrungen. Erschreckend und bewegend ohne künstlich auf die Tränendrüse zu drücken schildern sie ihren persönlichen Horror. Zum Film selbst gibt es noch acht geschnittene Szenen, die sogar recht gelungen sind. Die Ausnahme ist eine noch längere Version des peinlichen Endes. Präsentiert in Standard-Widescreen und mittelmäßiger Qualität beeindruckt vor allem eine Szene mit Bruce Willis und dem Priester der Mission. Willis drückt ihm eine Pistole in die Hand, worauf der Priester sagt, dass er nicht einmal so gnadenlose Menschen wie die Rebellen töten konnte. Willis meint darauf, dass die Pistole nicht für die Rebellen gedacht sei. Autsch. Eine informative Landkarte von Nigeria und der Kinotrailer des Films beschließen die Extras.

FAZIT

Wo ein Willis ist, da ist auch ein Weg - selbst im kriegsgeschüttelten Afrika. Trotz einer schonungslosen Kriegsdarstellung kommen bei diesem Film nicht nur der Sonne öfters die Tränen. Dafür kommt einem bei der DVD von Columbia der Glanz wieder zurück in die Augen . Die hervorragende Qualität und sehr gute Extras sollten die Käufer äußerst zufriedenstellen.



Kay Pinno


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