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Troja   

Troja
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Original: Troy   (USA, 2004)
Laufzeit: 156 Minuten (PAL)
Studio: Warner
Regie: Wolfgang Petersen
Darsteller: Brad Pitt, Eric Bana, Brian Cox, Orlando Bloom, Peter O’Toole u.v.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: 3 Featurettes, Göttergalerie, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2 / 2-/ 3- (Bild/Ton/Extras)


"Antikes Gyros"

Nicht nur der griechische Wein kann Männern so richtige Kopfschmerzen bereiten. Eine griechische Frau schaffte das schon vor fast 4000 Jahren ganz allein. Da verliebte sich der hübsche trojanische Prinz Paris in die schöne Helena aus Griechenland. Dass die junge Dame mit dem Spartaner König Menelaos verheiratet war, kümmerte beide wenig, deshalb entführte Paris seine Angebete nach Troja. Damit brach der liebesblinde Prinz einen zehnjährigen Krieg vom Zaun, der als “Trojanischer Krieg” durch die Dichtungen von Homer berühmt wurde. Dass ausgerechnet ein deutscher Regie-Exilant wie Wolfgang Petersen in Hollywood den Zuschlag für die Verfilmung des bekannten Stoffes bekam war sicherlich kein Zufall. Schließlich hatte ein deutscher Auswanderer und Archäologe namens Heinrich Schliemann 1870 in der Türkei die Überreste der legendären Stadt entdeckt und schon 1924 wurde die Geschichte der “Helena” und das Schicksal von Troja in Deutschland zum ersten Mal groß verfilmt. Für das Warner-Studio sollte deshalb auch ein Deutscher “Troja” auf der Leinwand wieder neu erstehen lassen. Und Petersen erweist sich als ausgezeichneter Erfüllungsgehilfe. Aus dem umfangreichen Werk Homers kondensiert er die Höhepunkte zu einem Schlachtenepos, das ganz in der großen Tradition der alten Hollywood-Historienfilme schwelgt. Gigantische Sets und eine überbordende Ausstattung (selten gab es so viele Kostüm- und Haarstylisten Einträge in einem Abspann) sorgen für die richtige Atmosphäre, in der sich Griechen und Trojaner gegenseitig Schwerter und Speere in die Bäuche rammen. Zudem beschränkt sich Petersen eher auf eine vermeintlich geschichtliche Aufarbeitung des Mythos. Die griechischen Götter, deren interne Geplänkel der Sage nach eigentlich für das Chaos um Troja verantwortlich sind, werden im Film fast gänzlich aus dem tödlichen Spiel gelassen. Dafür konzentriert sich der Film auf die größten Kämpfer der beiden Kriegsparteien. Achilles (Brad Pitt) ist die unbezwingbare Killermaschine des griechischen Königs Agamemnon (Ex-Hannibal Lecter Brian Cox darf hier wieder richtig fies werden), der mit seinem Bruder Menelaos nur in die Schlacht zieht, um seinen Erzfeind Troja zu besiegen. Sein Gegner ist der aufrechte Hector (Eric Bana), der älteste Sohn von Trojas König Priamos (Peter O’Toole) und Bruder von Prinz Paris (Orlando Bloom). Die tragische Note ist bei beiden Kämpfern das Bewusstsein, dass sie für eine äußerst fragwürdige Sache Blut vergießen müssen. Sowohl Eric Bana als auch Brad Pitt liefern dabei eine hervorragende Darstellung ihrer unterschiedlichen Ausgangspunkte der Ausweglosigkeit ihrer (Anti-)Helden ab. Die reduzierte Liebesgeschichte zwischen Paris und Helena (Diane Kruger) wird deshalb nur als Alibi für das Machtspiel zwischen Agamemnon und Priamos genutzt. Als Entschädigung bekommen die weiblichen Zuschauer in “Troja” dafür viel nackte Haut von Pitt, Bana und Bloom zu sehen. Viel Zeit für Romantik bleibt den drei Männern aber nicht. Zwischen den ausgiebigen Schlachten müssen schließlich auch noch starke Worte über Bestimmung, Ehre, Ruhm und Macht gewechselt werden. Im Gegensatz zu den Trojanern hat Wolfgang Petersen hier aber auf das richtige Pferd gesetzt: die tödliche Tragik solch antiker Ideologien zeigt “Troja” ganz deutlich. Die DVD von Warner enthält die ungeschnittene Fassung des Films, der für eine 12-er Freigabe im Kino um wenige Sekunden an blutigen Detailaufnahmen erleichtert wurde.

BILD

Troja

Die Vorlage des anamorphen Transfers (2.40:1) ist natürlich in bester Verfassung und besitzt keine Anzeichen von analogen Verunreihnigungen des Filmmaterials. Die Schärfe des Films ist insgesamt recht gut, aber wird durch einen etwas zu starken Kontrast leicht beeinträchtigt. Auch ein extrem seichtes Bildrauschen, das die ansonsten gut arbeitende Kompression nicht verhindern kann, lässt besonders die Massenszenen und Wideshots etwas unschärfer wirken. Der starke Kontrast wirkt sich auch auf die dunklen Szenen etwas negativ aus, da der Schwarzlevel insgesamt schon sehr tief ist, werden einige Bilddetails verschluckt und zudem wirken die Akteure etwas unnatürlicher. Die Farben sind kräftig aber nicht unnatürlich, abgesehen von Schatten und schwarzen Bildelementen, die durch den Kontrast deutlich dunkler geraten sind. Ein immer noch guter Transfer, der sicherlich besser sein könnte.

TON

Troja

Ein ähnliches Urteil lässt sich auch über den Sound fällen, der durch seine Unausgewogenheit sicherlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Auch hier bedeutet dies nicht, dass der DD5.1 Track in Deutsch und Englisch wirklich schlecht ist. Die Massenszenen lassen aber audiotechnisch den richtigen Punch vermissen, der in den Einzelkämpfen von Hector und Achilles vorhanden ist. Insgesamt wirkt die Soundkulisse etwas reduzierter und mit weniger Basseinsatz als man vermuten könnte. Ein Hauptakzent wurde hier eindeutig auf die Frontstage gelegt. Trotzdem gerät der Kampf zwischen Achilles und Hector zu einer schönen Sounddemo, die besonders die Arbeit der Sounddesigner herausstellt. Dominant wurde vor allem die Musik des Films abgemischt, die sich deutlich in den Vordergrund drängt. Auch die Dialoge kommen unausgewogen und etwas leiser als üblich aus dem Center. Eine Enttäuschung auf (relativ) hohem Niveau.

EXTRAS

Diese Doppel-DVD macht den Eindruck eines hastig zusammengeraffelten Schnellschusses. Die einzigen Extras (alle in Englisch mit deutschen Untertiteln) befinden sich auf der zweiten Scheibe des Sets. In “Im Eifer des Gefechts” (ca. 17 Minuten) wird die extensive Arbeit an den Massenkämpfen, den Gore-Effekten und dem finalen Kampf zwischen Hector und Achilles beleuchtet. Mit einigen erstaunlichen Behind-the-Scenes Aufnahmen (u.a. das durch einen Hurrican zerstörte Set der Mauer von Troja) gibt diese Featurette einen interessanten wenngleich nicht zu tiefen Einblick in die Kampfausbildung der Statisten und der Problematik von Massenszenen. Das 14-minütige Video “Von den Ruinen zur Realität” beschäftigt sich mit dem gigantischen Produktionsdesign und den Problemen bei der Produktion, die nach dem Beginn des Irak-Kriegs 2003 umgesiedelt von Malta nach Mexiko umgesiedelt werden musste. Wieder versehen mit atemberaubenden Behind-the-Scenes Aufnahmen von den gigantischen Sets werden hier auch knapp die “historischen” Vorbilder bei der Entwicklung der antiken Welt beleuchtet. Trotzdem bleibt auch diese Featurette eher etwas oberflächlich an der Materie. “Troja - Eine Odyssee der Effekte” (ca. 11 Minuten) dekonstruiert schließlich die visuellen und Toneffekte (!!!) die für den Film zum Einsatz kamen. Von der komplexen digitalen Vervielfältigung der Armeen und Schiffe (wovon es nur zwei echte Versionen gab!!!) im Stil von “Herr der Ringe” bis zu den einfachen Mitteln der Tonmeister bekommt der Zuschauer hier einen kompakten aber völlig ausreichenden Überblick über die kleinen und großen magischen Tricks der Filmemacher. Zur besseren Demonstration werden hier auch verschiedene Entwicklungsstadien und Überblendungen der Effekte gezeigt. In der “Galerie der Götter” werden die zwölf griechischen Götter und ihre Verwicklung in den trojanischen Krieg mittels aufgesprochener Kommentare und Bilder vorgestellt. Zu guter letzt gibt es auch noch den amerikanischen Kinotrailer des Films zu sehen. Die relative Dürftigkeit der Extras (wo sind die Kommentare, geschnittene Szenen oder eingehende Geschichts-Dokumentationen?) lassen nur einen Schluss zu: in nicht allzu ferner Zukunft dürfte sich wohl eine umfangreiche Special Edition (evtl. mit längerer Fassung?) in den Verkaufsregalen befinden.

FAZIT

Wolfgang Petersens “Troja” ist ein gigantisches Ausstattungsfest im Stile des alten Hollywood-Kinos. Dass sich der Film weniger an Homers mythologischer Welt orientiert und sich ganz auf die Auseinandersetzung zweier mythischer Krieger konzentriert, darf mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet werden. Trotzdem ist “Troja” gigantisches Sandalenkino, dass vielleicht etwas mehr Wert auf die Verpackung als den dramatischen Inhalt legt. Die DVD von Warner ist mit nur solider Qualität gesegnet und lässt aufgrund der zusammengeschusterten Extras eine zukünfte Special Edition vermuten.



Kay Pinno


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