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Vergiss mein nicht!   

Vergiss mein nicht!
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Original: Eternal Sunshine of the spotless Mind   (USA, 2004)
Laufzeit: 103 Minuten (PAL)
Studio: Highlight / Constantin
Regie: Michel Gondry
Darsteller: Jim Carrey, Kate Winslet, Kirsten Dunst, Elijah Wood, Tom Wilkinson u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, geschn. Szenen u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1 / 1 / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Die totale Erinnerung!"

Die menschliche Erinnerung ist schon eine vertrackte Angelegenheit. Dinge, die man am liebsten schnell vergessen will, bleiben einem dort unerträglich lange erhalten, während die Sonnenseiten des eigenen Lebens schneller ausgeblendet werden als ein Filmabspann im Fernsehen. Dies schmerzt besonders, wenn gerade die perfekt geglaubte Beziehung völlig den Bach hinunter geht. In “Vergiss mein nicht!” gibt es für solche Fälle aber eine Abhilfe. Die Firma Lacuna Inc. kann mittels einer neuen Technik einzelne Erinnerungen an Personen aus dem menschlichen Gedächtnis löschen. Diesen Service nimmt Joel Barish (Jim Carrey) aus Rache in Anspruch. Seine Freundin Clementine (Kate Winslet) hat ihn nämlich zuvor wegen eines Streits “löschen” lassen. Während des Prozesses muss Joel jedoch feststellen, dass er die schönen Momente mit Clementine eigentlich gar nicht verlieren will. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Schon zum zweiten Mal arbeiten Regisseur Michel Gondry und Ausnahme-Drehbuchautor Charlie Kaufman (“Being John Malkovich” und “Adaptation”) zusammen, um die sicherlich schönste wie mutigste Liebeserklärung an die Liebe auf die Leinwand zu zaubern. Ähnlich wie Wong Kar Weis “Ashes of Time” geht auch “Vergiss mein nicht” der Frage nach, wie die Liebe und das Vergessen-wollen den Weg von Menschen beeinflussen kann. Kaufmann, bekannt für seine äußerst verschachtelten Geschichten, bleibt diesmal nur auf zwei Erzählebenen. Da geistert Joel zunächst unwissend durch seine eigenen Erinnerungen, während parallel die seltsamen Teammitglieder von Lacuna Inc. (u.a. Ex-Hobbit Elijah Wood und Spiderman-Gespielin Kirsten Dunst) beim Löschen seines Gedächtnis selbst durch einigen Beziehungsstress gehen. Als Joel jedoch mitbekommt, dass er sich nur in seinen Erinnerungen befindet, geht das Gedankenspiel erst richtig los. Wenn er verzweifelt versucht, Clementine in seinen Kindheitserinnerungen zu verstecken, damit sie nicht gelöscht wird, ist dies nicht nur komisch sondern auch tragisch. Die surreale Reise in die Vergangenheit wird für Joel zum Erkenntnistrip von verpassten Chancen und Fehlentscheidungen. Ihm wird klar, dass nicht nur Clementine sondern auch er für das Scheitern der Beziehung verantwortlich ist. Jim Carrey gibt in “Vergiss mein nicht!” eine seiner besten dramatischen Leistungen seit der “Trumann-Show”. Zwischen naiver Glückseligkeit im Liebestaumel bis zur zerbrechlichen Verliererhaltung, mit der Joel Barish seinen Alltag bestreitet, bleibt seine Darstellung realistisch. Auch Kate Winslet ist als überdrehter Freak mit ständig wechselnder Haarfarbe der richtige Gegenpol zu Carreys Figur. Die Auflösung der kniffligen Vergessens- und Verwechslungsgeschichte gehört schließlich zum Besten, was seit Jahren aus Hollywood gekommen ist. Erst wer die Fehler seiner Liebe lieben lernt, hat die Liebe seines Lebens gefunden – einfach unvergesslich.

BILD

Vergiss mein nicht!

Der Look von “Vergiss mein nicht!” ist sehr realistisch, wenngleich die visuelle Umsetzung der Gedächtnis-Thematik sicherlich alles andere als normal ist. Farben und Kontrast wirken etwas reduziert, was durch die reale Beleuchtung zusätzlich unterstrichen wird. Der anamorphe Widescreen-Transfer (1.85:1) fängt diesen besonderen Look perfekt ein und reduziert sogar noch das Bildrauschen, das in den Kinoprints des Films wesentlich deutlicher hervortrat. Die Schärfe ist sehr gut, aber wird durch die seicht ausgewaschene Bildgestaltung eben auch etwas reduziert. Dies fällt aufgrund der zumeist von Hand gehaltenen - sprich unruhigen - Kamera aber nicht so auf. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber verschluckt keine wichtigen Details. Die Kompression arbeitet sehr gut und unterdrückt gekonnt das Hintergrundrauschen. Sehr gut.

TON

Vergiss mein nicht!

Wer hätte gedacht, dass bei einem so Dialog-lastigen Film der Sound tatsächlich die Musik macht? “Vergiss mein nicht!” ist ein Paradebeispiel dafür, wie effektiv Dialoge und Musik als Surroundeffekte ausgenutzt werden können. Besonders die Verbindung zwischen der Realität und Joels Erinnerungen wird über die verschachtelte Verteilung der “realen” Dialoge über die gesamte Soundkulisse erreicht. Diese Effekt ist äußerst wirkungsvoll und - passend zu Joels Verwunderung - äußerst desorientierent. Auch der subtile wie genaue Einsatz der ruhigen Musik ist eine akustische Meisterleistung, die ebenfalls demonstriert, wie selbst sanfteste Klänge in DD5.1 bestens ausgereizt werden können. Die zahlreichen Ambiente-Effekte, wie bei Joels erstem Besuch bei Lacuna Inc., lassen die Soundkulisse zudem sehr realistisch wirken.

EXTRAS

Auf dem Audiokommentar sind Regisseur Michel Gondry und Autor Charlie Kaufman zu hören. Die beiden Erzähler werfen sich am Mikrofon gegenseitig die richtigen Bälle zu und decken ein wirklich großes Feld ab. Von dem Dilemma zwischen Autor und Regisseur, über inhaltliche Analysen und Veränderungen bis zu Produktionsdetails lassen Gondry und Kaufman keinen Aspekt unberücksichtigt. Gondrys heftiger französicher Akzent und schlapperiger Erzählstil sind allerdings auf Dauer ein wenig anstrengend, da man irgendwann das Gefühl hat, ein Kaugummi im Ohr zu haben, das gesprochene Sätze unnatürlich dehnt. Das “Making of” ist ein knapp zwölfminütiger Werbeclip, der hauptsächlich das Geschehen des Films ohne echte Hintergrundinformationen wiedergibt. Die Schauspieler rekapitulieren ihre Filmrollen und lobpreisen Michel Gondry. Gäääääähn! Das genaue Gegenteil ist allerdings der 15-minütige Clip “Im Gespräch mit Michel & Jim”. Wechselnd verschnitten mit herrlichen Behind-the-Scenes Aufnahmen (besonders geckig sind dabei die “forced perspective”-Sets) plaudern Carrey und Gondry wild drauflos und erzählen dabei die unglaublichsten Dinge von den Dreharbeiten. Von ersten “Beziehungstests” mit Carrey und Winslet bis zu einer beinahe Prügelei zwischen dem Regisseur und seinem Hauptdarsteller werden hier alle Geschütze einer echt unterhaltsamen Dokumentation aufgefahren. Bei den vier geschnittenen Szenen (gute Qualität, Standard-Widescreen) behandeln zwei Episoden den nicht ganz unwichtigen Seitenaspekt, dass Joel für Clementine seine eigentliche Freundin Naomi verlässt. Dennoch ist es gut, dass die Szenen nicht im Film sind, da sie emotional eigentlich zu schwach sind. Neben dem Lacuna Inc. Werbespot sind auch noch der Kinotrailer (sowie andere Trailer) und das Musikvideo zu dem Song “Light+Day” von Polyphonic Spree auf der Scheibe vorhanden.

FAZIT

Für alle, die dieses Meisterwerk im Kino verpasst haben, kommt jetzt auf DVD die große Stunde: “Vergiss mein nicht!” ist wirklich wunderschönes Kino, wie es einfach sein sollte. Der Silberling von Highlight zollt dem mit exzellenter Qualität und guten Extras Tribut. Dieser Oscar-Kandidat ist defintiv ein Pflichtkauf.



Kay Pinno


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