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Verwehte Spuren   

Verwehte Spuren
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Original: Verwehte Spuren   (Deutschland, 1938)
Laufzeit: 78 Minuten (PAL)
Studio: e-m-s
Regie: Veit Harlan
Darsteller: Kristina Söderbaum, Charlotte Schulz, Frits an Dongen, Paul Dahlke u.v.a.
Format: 1.33:1 Vollbild (4:3)
Ton: DD-Mono Deutsch
Untertitel: -
Extras: Hintergrundinfos
Preis: ca. 15 €
Wertung: 4+/ 4+/ 6 (Bild/Ton/Extras)


"Paris fordert seine Opfer!"

Veit Harlan wird gerne in eine ideologische Ecke gestellt, weil er während des Dritten Reiches seine Filme in Deutschland drehte, anstatt zu emigrieren. Dieses Handeln hat zu einer Reihe von Filmen geführt, die mit Unterstützung der Nationalsozialisten fragwürdige Positionen vertreten (»Jud Süß«, »Kollberg«). Darüber hinaus drehte Harlan während dieser Zeit aber auch Werke, die in ihrer ideologischen Position zurückhaltender sind beziehungsweise gar keine Propaganda transportieren. Zu der letzten Gruppe gehört »Verwehte Spuren«, den e-m-s zusammen mit zwei weiteren Filmen Harlans (siehe Rezensionen zu »Die goldene Stadt«, »Der große König«) in der Reihe »Deutsche Klassiker« auf DVD veröffentlicht hat. Im reinen Kriminal-Melodram erweist sich Veit Harlan als ausgesprochen fähiger Regisseur. Die Geschichte ist im Paris des Jahres 1867 während der Weltausstellung angesiedelt. Seraphine Lawrence reist mit ihrer Mutter aus Kanada an. Weil etwas mit der Hotelreservierung schief gelaufen ist, muss die Mutter in einer Dienstbotenstube des Hotels übernachten und Seraphine findet dank der Hilfe eines Arztes, den sie unterwegs kennen gelernt hatten, Unterkunft in einer kleinen Pension. Als Seraphine am nächsten Morgen zum Hotel zurückkehrt, um ihre Mutter abzuholen, ist sie spurlos verschwunden. Im Hotel leugnet man sie gesehen zu haben und keine der Personen vom Vortag erkennt Seraphine. Alles deutet darauf hin, die Mutter wäre niemals in Paris eingetroffen. Zusammen mit dem Arzt macht sich Seraphine auf eine verzweifelte Suche durch die Metropole, um Licht in das mysteriöse Dunkel zu bringen. Den sprichwörtlichen Moloch Großstadt nutzt Veit Harlan für ein kriminalistisches Verwirrspiel, bei dem es ihm stärker um die persönliche Verzweifelung Seraphines geht, als um ein detektivisches Rätsel. Virtuos zeichnet Harlan in verschiedenen Stationen, wie die Welt einer jungen Frau immer weiter aus den Fugen gerät und sich ihre innere Seelenlage bis zu extremer Selbstaufgabe steigert. Die Weltausstellung als große Schau der technischen Überlegenheit des Menschen fungiert in diesem Zusammenhang durchaus als umrahmende Metapher für eine Rückbesinnung auf das Wesentliche, das die menschliche Existenz ausmacht. Im Gegensatz zu bahnbrechenden Erfindungen sind es im stärkeren Maße soziale Kontakte sowie das Verstehen dessen, was um einen herum passiert, die unser Dasein stützen. Für Seraphine ist es genau die Ungewissheit über das Schicksal ihrer Mutter, welche sie langsam aber sicher zermürbt. Mit jedem Ereignis, das die Hoffnung in ihr weckt, Klarheit zu erhalten, verlangsamt sich dieser tragische Prozess. Harlan hat auf diese Weise den Zuschauer fest im Griff, den er auf eine mitleidende Reise durch ein Paris hetzt, das keinerlei Spuren offenbart. Denn letztlich ist bei Harlan nicht die Stadt der Moloch, der seine Bewohner verschluckt und vernichtet, sondern es bleiben die organisatorischen Systeme, welche der Mensch für sein Zusammenleben installiert hat, die ein logisches Eigenleben entwickeln. Darüber hinaus bleiben es auch die Menschen selbst, welche es jederzeit in der Hand hätten, auszubrechen, aber nicht die Kraft finden.

BILD

Verwehte Spuren

Wie es sich für einen Film von 1938 gehört leidet die Bildqualität während der gesamten Länge an Dreckspuren, Kratzern und diversen Rauschmustern. Nachdem auf diese Weise der Pflicht genüge getan ist, muss festgehalten werden, dass e-m-s seine deutschen Klassiker auf vorbildliche Weise einer digitalen Bearbeitung unterzieht, und in diesem Falle dadurch ein erstaunlich klares Bild produziert hat, das unter Berücksichtigung des Filmalters kaum Kritik verdient hat. Bildschärfe und Kontrast erweisen sich weitgehend als gelungen (ab und an muss man Abstriche machen), lediglich einzelne Szenen erscheinen ein bisschen zu hell.

TON

Verwehte Spuren

Der deutsche Mono-Ton schallt recht klar aus den Lautsprechern. Von der Anfangszene einmal abgesehen, in der ein marktschreierischer Redner, der die Weltausstellung anpreist, etwas schlechter zu verstehen ist, sind die Dialoge klar verständlich und die Musik entfaltet ihr dramatisches Potential. Nur ein leichtes Hintergrundrauschen ist zu hören, aber das stört kaum.

EXTRAS

Als Bonusmaterial gibt es Bio- und Filmographien zu Veit Harlan, Paul Dahlke und Kristina Söderbaum. Auf knappen Texttafeln erscheinen die wesentliche Stationen der genannten Karrieren. Der Text zu Veit Harlan informiert kurz über seine Haltung während des Dritten Reiches.

FAZIT

Mit diesem wundervollen Kriminalmelodram hat e-m-s ein schönes Stück Filmgeschichte gesichert. Für jeden Sammler gehören die Veröffentlichungen der Reihe »Deutsche Klassiker« ohnehin in den Einkaufskorb.



Stefan Dabrock


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