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Was nicht passt wird passend gemacht   

Was nicht passt wird passend gemacht
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Original: Was nicht passt wird [...] gemacht   (BRD, 2002)
Laufzeit: 97 Minuten (PAL)
Studio: Universal
Regie: Peter Thorwarth
Darsteller: Willi Thomczyk, Ralf Richter, Hilmi Sözer, Dietmar Bär, Alexandra Maria Lara u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar,Making of,Interviews,zus. Szenen
Preis: ca. 25 €
Wertung: 3+/ 2 / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Schön kalt ausgeschlagen!"

So und nicht anders kommentiert Bauarbeiter Kalle (mit fetter Plautze Ralf Richter!) das 5-Liter Fäßchen Bier im Partykeller seines Chefs Werner Wiesenkamp (Dietmar Bär). Diese Feststellung trifft aber auch auf die lange Kinoversion von Peter Thorwarts ehemaligem Kurzfilm “Was nicht passt wird passend gemacht” zu. Ganz im Sinne des seltsam übersetzten US-Titels - “If it don’t fit use a bigger Hammer!” - hat sich auch Thorwarth mit seinem Schreibkumpel Mathias Dinter noch mal hingesetzt und versucht, aus dem 15 Minuten-Material eine abendfüllende Geschichte zu machen. Dies gelingt Thorwarth aber letzlich nicht so glücklich wie in “Bang Boom Bang”. Ob es an der Fehlentscheidung lag, sich selbst wieder in einer der Hauptrollen zu besetzen oder weil einfach die vielen spannenden Möglichkeiten der Figuren nicht genutzt werden kann man nicht genau sagen. Zu sehr dümpelt der Film an manchem Ende nur in einer recht amüsanten Milieu-Studie herum, ohne auf den eigentlichen Plot zu achten. Auch kommen die vielen Subplots nicht so gut zueinander wie in Thorwarts Kleingangsterfilm. Trotzdem bleibt der Film ungemein unterhaltsam und dürfte zumindest für jeden “Pott-Kieker” auch zum Pflichtprogramm gehören. Das kleine Abenteuer, das Praktikant Philip (Thorwarth) auf der Baustelle mit Baumeister Horst (Willi Thomczyk), Kümmel (Hilmi Sözer) und Kalle erlebt, ist so detailverliebt, dass sich jeder Ruhrpottler irgendwie heimisch fühlen dürfte. Als bei einem Unfall ein schwarz angeheuerter Pole stirbt, müssen die Jungs vom Bau Hand anlegen, um die Leiche verschwinden zu lassen. Doch Firmenchef Werner Wiesenkamp hat noch andere Sorgen: der penible Architekt (Stefan Jürgens) droht seinen Besuch an und die Konkurrenzfirma seines Bruders sowie der Pleitegeier sitzen ihm ebenfalls im Nacken. Die Besetzung des Films ist einfach grantenstark und liefert volle Ruhrpott-Power. Für den einen zu viel und für andere zu wenig muss sich “Was nicht passt wird passend gemacht” wahrscheinlich wie “Bang Boom Bang” auch auf Video/DVD erstmal beim Publikum setzen. Dann dürfte einem Double Feature im Bochumer UCI nichts mehr im Wege stehen.

BILD

Was nicht passt wird passend gemacht

Obwohl das Bild von “Was nicht passt...” eine ordentliche Baussubstanz aufweisen kann, ist der etwas rohe Look des Films geblieben. Dies liegt nicht etwa an einem schlechten Transfer, sondern repräsentiert den filmischen Stil Thorwarths. Die Farben sind eher naturalistisch matt und haben einen hohen Kontrast. Die Schärfe des anamorphen Bildes ist in Ordnung, auch wenn einige Stellen leicht körnig wirken. Ansonsten ist die Vorlage frei von Verunreihnigungen und Abnutzungsspuren. Leider hat sich aber beim Transfer ein leichtes Zeilenflimmern eingeschlichen, dass besonders bei bewegter Kamera ein wenig ins Auge fällt. Dafür hält die Kompression gut mit und produziert keine Artefakte oder Rauschmuster. Ein durchschnittlicher Transfer für einen neuen Film.

TON

Was nicht passt wird passend gemacht

Mit viel Baustellenatmosphäre und zahlreichen Songs von Stoppok bis zu den H-Blocks kesselt der deutsche DD5.1 Sound ganz schön durch alle Kanäle. Obwohl es nicht viel Anlass für direktionale Effekte gibt, werden die Surrounds gut für einige ambiente Effekte genutzt. Trotzdem bleibt der Ton eher Frontstage fixiert. Die Dialoge sind fest im Centerkanal verankert und gut verständlich. Die Musikeinsätze kommen voluminös aus allen Boxen und unterstützen die Atmosphäre ohne andere wichtige Soundanteile zu schlucken. Ordentlich.

EXTRAS

Randvoll mit Bonusmaterial dürfte diese Scheibe wie “Bang Boom Bang” zu einem guten Geheimtipp werden. Im Audiokommentar geben sich wieder Regisseur Peter Thorwarth und Schauspieler Ralf Richter die Ehre. Gemeinsam veranstalten sie über die volle Länge des Films einen wilden Kindergeburtstag aus abgefahrenen Anekdoten aber leider auch schon fast zu viel Blödsinn. Besaß der Track von “Bang Boom Bang” noch viel Hintergrundinformation dünnt sich dies hier leider sehr stark aus. Wer den Film schon kennt und nicht zuviel Inhalt erwartet wird aber sicherlich seinen hemmungslosen Spaß bei der Blödelei der zwei Haudegen haben. Und wenn es wirklich stimmt, dass für Thorwarts nächstes Projekt auch Dieter Hallervorden mit im Boot ist, darf man ihm diese etwas flache Nummer durchgehen lassen. Natürlich hat universal auch den Originalkurzfilm “Was nicht passt wird passend gemacht” auf die DVD gepresst (1,78:1 Widescreen, Stereo). Die Bildqualität ist ordentlich, wenn auch nicht so gut, wie die des Hauptfilms. Hinter dem “Making of Digital Effects” (ca. 4 Minuten) verbirgt sich eine mit Musik unterlegte Kollage der verschiedenen Stufen der Spezialeffektaufnahmen des Films. Ein erklärender Kommentar ist nicht vorhanden. Auf der “Set-Tour mit Hilmi Sözer” und dem “Teamfilm” gibt es einen unbezahlbaren und ungeschminkten Blick hinter die Kulissen. Diese Features sollten auf keinen Fall verpasst werden und bestätigen: “Film ist eine Baustelle”. Neun geschnittene und siebzehn verlängerte/ungekürzte Szenen geben noch einmal einen lustigeren Einblick in das Thorwarth-Ruhrpott Universum. Auch wenn es sich bei vielen Szenen nur um kleine Verlängerungen handelt, sind die schauspielerischen Zugaben auf jeden Fall einen Schmunzler wert. Die “Outtakes” dürften besonders für Ralf Richter Fans eine echte Goldgrube sein. Mit dem Trailer, Biographien und dem Musikvideo “Sacred” von Superfly69 bleibt nur die Erkenntnis: “Schön gelöst!”

FAZIT

Für Thorwarth-Fans gibt es keinen Zweifel: diese vollgepackte DVD muss in die heimische Sammlung eingebaut werden. Bei so viel lustigem Zusatzmaterial dürften auch Nicht-Ruhrpottler Spaß auf dieser Baustelle haben. Dringende Empfehlung: erstmal “Bang Boom Bang” gucken.



Kay Pinno


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