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WAZ   

WAZ
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Original: WAZ   (USA, 2007)
Laufzeit: 100 Minuten (PAL)
Studio: Sony Pictures
Regie: Tom Shankland
Darsteller: Stellan Skarsgard, Melissa George, Ashley Waters, Tom Hardy, Selma Blair u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Making of, Interviews, Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 19 €
Wertung: 1 / 2+/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Liebe in Zeiten der Folter"

Genre-technisch haben sich die ersten zehn Jahre des dritten Jahrtausends als Geburtsstunde eines sicherlich fragwürdigen Genres erwiesen: “Torture-Porn” heißt die schlimme Typenbezeichnung für Filme, in denen die Delektierlichkeit gegenüber der Schmerzempfindlichkeit des Menschen und der starke Magen des Zuschauers auf die Probe gestellt wird. In hilfloser Stellung werden hier Menschen vor laufender Kamera gefoltert, gequält und schließlich getötet - alles natürlich nur zur Unterhaltung versteht sich. Selten wachsen die Filme dabei über den reinen Schockeffekt über sich hinaus. Newcomer Tom Shankland katapultiert sich mit seinem “WAZ” (sprich “Dabbeljuu Delta Säätt”) allerdings in eine zutiefst nihilistische Sphäre, die sich auch am großen Vorbild “Sieben” reibt, ohne dabei aber wirklich abzukupfern. Die düster digitalen Bilder von Ermittler Eddie Argo (Stellan Skarsgard) und seiner Partnerin Helen (Melissa George), die in neon-bräunlich durchfluteten Nächten Jagd auf einen Serienkiller machen, vermitteln sehr deutlich, dass hier alle Beteiligten in einem abgefuckt dreckigen Sumpf stecken, der vor gieriger Grausamkeit und sozialdarwinistischem Menschenmüll nur so überläuft. Hoffnung auf Rettung aus diesem kalt dampfenden Moloch der Abscheu gibt es nicht. Nur die Gewissheit, immer tiefer im rottenden Schlamm des seelenlosen Menschenmülls zu versinken. So wundert es nicht, dass die Beamten zunächst verächtlich jubeln, als die verstümmelten und verbrannten Leichen stadtbekannter Gangmitglieder auftauchen. In die Körper der Opfer eingeritzt finden die Cops eine seltsame Inschrift: “WAZ”. Bald schon tauchen weitere Leichen auf, die unter grausamer Folter ihr Leben lassen mussten. Alle Indizien weisen schließlich auf ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit hin, in das auch einige der Cops verwickelt scheinen.
Nicht nur durch die digitale Kamera und die gezielt dunkle Ausleuchtung wird “WAZ” zu einem Trip auf die dunkle Seite, der unter die Haut geht. Skarsgard und Selma Blair spielen extrem intensiv und unterstreichen den nihilistischen Charakter des Films. Was “WAZ” allerdings deutlich von anderen Vertretern dieses Subgenres abhebt ist, dass die grundsätzliche Frage nach der Grausamkeit der Menschen hier im Zentrum des Films und des Killers steht. Ist Liebe schließlich nur eine verächtliche Fiktion einer vergeblich auf Hoffnung wartenden Spezies? Der Film liefert darauf eine zutiefst tragische Antwort, die in ihrer Konsequenz sicher noch lange ihresgleichen suchen wird. Ein Hinweis zum Schluss: die vorliegende Fassung entspricht nicht der auf dem Fantasy Filmfest 2007 gelaufenen Fassung, bei der es sich wohl um einen Rohschnitt gehandelt hat. Eine geschnittene Szene findet sich allerdings im Bonusmaterial der Scheibe wieder.

BILD

WAZ

Der anamorphe Widescreentransfer (2.35:1) sieht absolut wahnsinnig aus. Das digitale Master kommt hier voll zur Geltung und unterstützt den etwas Video-ähnlichen Look des Films, der aber nur bei Nahaufnahmen wirklich deutlich wird. Durch die sehr gute Schärfe wird wirklich jedes dreckige Detail sichtbar, was in einigen Szenen vielleicht gar nicht so wünschenswert wäre. Die
(wenigen) Farben des Films kommen sehr kräftig herüber und liefern ebenfalls einen guten Kontrast zu den meistens dunklen Szenen. Der Schwarzlevel ist ausgesprochen gut gelungen und zeigt trotz realer Düsternis noch genügend Details. Die Kompression ist ebenfalls absolut fehlerfrei und liefert ein ruhiges wie elegantes Bild. Sehr gut.

TON

WAZ

Ein Film wie “WAZ” überzeugt weniger mit Bombast denn mit gezielter Subtilität in seinen Surroundkanälen. Und auch hier beweist die Scheibe eine hervorragende Qualität. Hintergrundgeräusche und Musik wurde extrem gut auch in die hinteren Kanäle gelegt. Dazu gehören auch Sprachfetzen aus dem Hintergrund, wie man sehr gut bei der ersten Gang-Begegnung von Argo und seiner Partnerin hören kann. Die Dialoge sitzen ansonsten fest und gut verständlich im Centerkanal. Störende Überlappungen oder Aussetzer gibt es nicht. Ein wirklich guter Track.

EXTRAS

Ein Audiokommentar mit dem Regisseur wird leider vermisst. Dafür gibt es aber ein sehr gelungenes “Making of” (ca. 20 Min.), das sehr ausführlich hinter die Kulissen der Produktion führt. Zahlreiche Onset-Interviews mit Schauspielern und Machern geben einen guten und ungeschminkten Eindruck von der Produktion, die tatsächlich hauptsächlich in Belfast (!) stattgefunden hat. Ebenfalls hübsch: zahlreicher Blödsinn am Set wurde in eine schicke Montage verpackt.
“Hinter den Kulissen der Folterszenen” (ca. 5 Min.) befasst sich mit der Arbeit der Make-Up-Künstler, aber zeigt hauptsächlich Setszenen, die mit einem Interview unterlegt worden sind. Außerdem fällt dem aufmerksamen Zuschauer auf, dass er davon so einiges nicht im Film gesehen hat.
Dies relativiert sich bei den drei geschnittenen Szenen: hier ist die komplette Folterszene von Wes zu finden, die wahrlich unter die Haut geht und in der Fassung auf dem Fantasy Filmfest 2007 noch enthalten war. Desweiteren gibt es noch eine gute Szene mit Eddies Cop-Kumpel und seiner Partnerin zu sehen, die in einer Bar über Eddies Charakter aufgeklärt wird. Beide Szenen werden im Film vermisst und hätten drin bleiben müssen!
In der “Interview”-Sektion finden sich fünf kurze Interviews (zwischen 2 und 7 Minuten) mit den Schauspielern und Regisseur Shankland sowie Drehbuchautor Clive Bradley. Letzterer erklärt eindrucksvoll woher die Price-Formel aus dem Film stammt und welches Schicksal er erlitt. Heftig.
Zum Schluss sind noch zwei Trailer zum Film enthalten.

FAZIT

Tom Shanklands eindringlicher Debütfilm lässt auf mehr hoffen - auch wenn “Saw”-Splatterfans hier die Nase rümpfen. “WAZ” trifft hart wie ein Vorschlaghammer in die emotionalen Eingeweide. Die DVD von Sony liefert dazu eine fast makellose Qualität. Nur ein Kommentar von Shankland wird vermisst. Empfohlen.



Kay Pinno


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