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Zehn Gebote, Die   

Zehn Gebote, Die
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Original: The Ten Commandments   (USA, 1956 / 192)
Laufzeit: 222 Minuten (PAL) / 131 Minuten (PAL)
Studio: Paramount
Regie: Cecil B. DeMille
Darsteller: Charlton Heston, Yul Brunner, Anne Baxter, Edward G. Robinson u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Englisch DD-Mono Deutsch, Fr, It, Spa
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentare, Making of, 23-er Version, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1-/(1-/4)/ 1- (Bild/Ton/Extras)


"Gott ist ein brennender Bus(c)h!"

Sicherlich darf angezweifelt werden, dass den alten Schriftgelehrten der Bibel bewusst war, welch folgenschwerer Symbolcharakter in die “Exodus”-Geschichte gesteckt wurde. Es ist einfach ziemlich unwahrscheinlich, dass eine gewisse texanische Ölmagnatenfamilie mit einem Hang zum Präsidentschaftamt im Sinne der hebräischen Überlieferer von Moses Geschichte gewesen ist - es sei denn, dass es sich um jüdische Urvorfahren von Nostradamus gehandelt hätte. Aber wie schon gesagt: verdammt unwahrscheinlich! Aber zurück zu “Die zehn Gebote”. Neben “Ben Hur”, “Quo Vadis” und “König der Könige” ist Cecil B. de Milles eigenes Remake von 1956 immer noch einer der ganz großen Würfe des in den 50-er Jahren langsam abebbenden alten Hollywoods. In glorreichem Technicolor werden echte Menschenmassen, gigantische Sets und aufwendige Kostüme vor biblischer Kulisse und mit Topstars zelebriert. Noch bevor er wenig später als “Ben Hur” weiteren Weltruhm einheimste, machte sich Charlton Heston in der Rolle als Moses unsterblich. Auch Yul Brunner bekam nur noch einmal in “Der König und Ich” die Chance, die Rolle seines Lebens zu spielen. In “Die zehn Gebote” eben als überheblicher Pharao Ramses und Gegenspieler von Heston und Gott - sicher kein leichtes Los. Auch wenn heute leider viele der Effekte-Aufnahmen durch ihren äußerst auffälligen Blue-Screen-Schimmer zu deutlich hervortreten, bleibt das biblische Drama immer noch ein ganz hübscher Hollywood-Kitsch, der als Showbiz-Variante des großen jüdischen Schicksalsmoments wie ein hochstilisiertes Krippenspiel funktioniert. Unterhaltsam, bunt, aber an den richtigen Stellen immer noch Ernst genug, ohne dabei ein unfreiwilliges Gelächter zu erzeugen, bleiben de Milles neue “Zehn Gebote” immer noch ein Klassiker. Lobend ist bei dieser neuen Edition zu erwähnen, dass es sich um die originale Kinofassung handelt, die sowohl Cecil B. de Milles persönliche Einleitung als auch die korrekten musikalischen Akt-Ein- bzw. Ausleitungen am Anfang und während der Pause in der Mitte des Films besitzt.

BILD

Zehn Gebote, Die

Das Format des neuen anamorphen Transfers von “Die zehn Gebote” gibt Rätsel auf. Hier handelt es sich nicht um ein korrektes 1.85:1 Format sondern um ein etwas kompakteres Format, das irgendwo zwischen 16:9 und 1.85:1 liegt. Um das 2.20:1 Format der restaurierten Wiederaufführungskopie handelt es sich auf jeden Fall nicht. Die restaurierte Vorlage für die DVD ist aber wahrlich als glänzend zu bezeichnen. Die starken Technicolorfarben stechen förmlich vom Fernseher heraus. Dreckspuren oder Spratzer sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Schärfe und Kontrast sind sehr gut. Die gute Vorlage zeigt aber sehr deutlich, dass einige Aufnahmen unscharf geraten sind. Ebenso stechen die visuellen Effekte sehr stark vom restlichen Gesamtbild hervor. Der Schwarzlevel ist sehr gut und liefert auch bei dunklen Aufnahmen ein sehr detailreiches Bild. Die Kompression bleibt sauber und hält das Bild recht stabil. “Die zehn Gebote” ist ein klassischer Fall, bei dem die Restauration nur die wenigen Schwächen des originalen Materials zu Tage fördert. Trotzdem ist das Ergebnis kaum weniger als erstaunlich zu betrachten.

TON

Zehn Gebote, Die

Der englische Ton in DD5.1 ist wahrlich ein Ohrenschmaus für einen so alten Film. Die Dialogspur wurde komplett entrauscht und hört sich absolut klar und sauber an. Die voluminöse Musik und einige Soundeffekte legen sich dazu gekonnt in die Surroundkanäle, ohne ein künstliches Surroundfeld zu überstrapazieren. Der deutsche DD-Monoton weist dagegen ein vernehmbares Monorauschen und ein paar kleine Knackser auf. Dennoch sind die Dialoge gut verständlich und der Ton bleibt auf Mono-Niveau insgesamt solide.

EXTRAS

Das große Extra auf diesem 3-er Disc Set ist natürlich die originale Stummfilmfassung von de Milles 1923-er Version, die hier in sehr gut restaurierter Fassung im originalen Vollbildformat zu sehen ist. Die Geschichte von Moses nimmt hier aber nur knapp 40 Minuten des insgesamt 131 Minuten Epos ein. Daran schließt sich eine Fabel um ein ungleiches Brüderpaar in der damaligen Realzeit - also in den 1920-ern - an. Dieser äußerst christlich-fundamentalistische zweite Akt ist in seiner - wenngleich gut gemeinten - pädagogischen Aufgabe einfach zu überdeutlich und mahnt mit erhobenen Zeigefinger vor der Rache Gottes auch im heutigen Leben. Dass de Mille schließlich in seiner Neuverfilmung auf eine solche Kapriole verzichtete, zeigt auch schon, dass dieses Kapitel nur innerhalb seiner Entstehungszeit betrachtet werden sollte. Die 40 Minuten Bibelgeschichte sind aber weiterhin ein eindrucksvoller Beweis für die visuelle Kraft von Stummfilmen.

Beide Filmversionen von “Die zehn Gebote” begleitet jeweils ein Audiokommentar mit der de Mille-Expertin Katherine Orrison, der in seinem Detailreichtum kaum zu überbieten ist. Ausführlich berichtet Orrison, die mehrere Bücher über den Regisseur und eins speziell über “Die zehn Gebote” geschrieben hat, über die Produktionsumstände, de Milles Ansätze bei der Umsetzung der Geschichte, Anekdoten von selbst den kleinsten Nebendarstellern und vieles mehr. Dies ist wirklich eine lebendige Filmvorlesung, die sich niemand entgehen lassen sollte, da auch die Querverweise zwischen den beiden Filmversionen wirklich gelungen sind.

Das sechsteilige “Making of” läuft leider nur schlanke 37 Minuten, aber enthält einige sehr erhellende Interviews mit zahlreichen Nebendarstellern und natürlich Charlton Heston. Es gibt sogar ein paar seltene “Behind the Scenes”-Aufnahmen von den ägyptischen Sets zu sehen. Dennoch hätte man sich ein wenig detaillierteres Material zu Dreharbeiten und der Ausstattung gewünscht. Ein Paradebeispiel für solch eine ausführliche Dokumentation ist das “Making of” von “Cleopatra”. Trotzdem bietet auch diese Dokumentation etwas mehr als den üblichen PR-Unsinn. Der zweieinhalbminütige Wochenschauclip von der Premiere in New York war auch schon auf der alten Scheibe zu sehen. Bei den Trailern befindet sich neben den Wiederaufführungstrailern von 1966 und 1989 auch der originale Promo-Trailer von 1956 (ca. 10 Min.), bei dem Cecil B. de Mille das Wort persönlich an die Zuschauer richtet und die Geschichte des Films schon mal ein wenig erzählt. Toll.

FAZIT

Für den einen ist’s sentimentaler Kitsch und für den anderen zeitloses Kolossalkino. Eins ist aber auf jeden Fall klar: diese Fassung von “Die zehn Gebote” ist ebenso für die Ewigkeit in Stein gemeißelt wie die titelgebenden Gebotstafeln. Die gute Bildqualität, die Stummfilmfassung und zwei sehr gute Audiokommentare machen dieses 3-er Discset zu einem Pflichtkauf.



Kay Pinno


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