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Dance of the Dead   

Dance of the Dead
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Original: Dance of the Dead   (USA, 2005)
Laufzeit: 57 Minuten (PAL)
Studio: Splendid
Regie: Tobe Hooper
Darsteller: Jonathan Tucker, Robert Englund, Jessica Lowndes, Ryan McDonald u.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Interviews, Making of u.m.
Preis: ca. 15 €
Wertung: 1 / 2 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Generation Z!"

Neben der MoH-Episode “Homecoming” (Review hier) dürfte “Dance of the Dead” von Tobe Hooper wohl die politischste Folge in der Staffel sein. Basierend auf einer Kurzgeschichte von Richard Matheson (“I am Legend”) zelebriert der “Texas Chainsaw Massacre”-Regisseur den Untergang der USA gleich auf zwei Arten: vor dem Szenario des dritten Weltkriegs gehen sich eine selbstzerstörerische Jugendsubkultur und das elterliche Establishment gegenseitig an Kehle. Alles beginnt mit einem schrecklichen Alptraum. Ein friedlicher Kindergeburtstag verwandelt sich in einen chaotischen Todesreigen, als ein “Bliss”-Angriff - eine Art tödliche Flockensäure - auf die spielenden Kinder und Eltern hernieder regnet. Der Krieg wird in dieser Geschichte schon längst auf amerikanischen Boden ausgetragen. Das Radio in diesem postapokalyptischen Szenario spricht von Millionen Toter, die die “Bliss”-Angriffe der Feinde hinterlassen. Dennoch gibt’s manierliche Reste von Zivilisation wie im Diner von Kate (Marilyn Norry), die ihre Teenager-Tochter Peggy (Jessica Lowndes) vor den zahlreichen jungen und gewalttätigen Streunern in der Gegend beschützen will. Als jedoch Jak (Jonathan Tucker) und sein Kumpel Boxx (Ryan McDonald) aufkreuzen, kann Peggy der verbotenen Versuchung nicht widerstehen. Gemeinsam geht das unerfahrene Mädchen mit den krassen Jungs auf eine Tour, die ihr Leben für immer verändern wird. Das Ziel der Clique, die sich ordentlich mit Drogen zudröhnt, ist der “Doom Room”. Für den Chef dieses degenerierten Party-Clubs (Robert Englund) schaffen die Jungs geklautes Blut heran, denn der “Doom Room” hat eine ganz besonders Hauptattraktion im Programm.
Nur wenig auf klassischen Horror ausgerichtet zelebriert Hooper eine Generation Z (wie Zombie), die Seelen- und hoffnungslos einer selbstzerstörerischen Subkultur frönt, weil ihnen das reale Leben nur schlechtere Konditionen bieten kann. Dass das Establishment - hier repräsentiert durch Peggys Mutter - nur noch zu verständissloser Gewalt gegenüber den jungen “Außenseitern” fähig ist, aber gleichzeitig für deren Situation mitverantwortlich ist, ist schon eine bittere Pille, die Hooper seinem Publikum zu schlucken gibt. Das nihilistische Finale ist schließlich nur noch ein erhobener Stinkefinger, der in alle politischen Richtungen zeigt. Kriegstreiber, (a)moralische Sittenwächter und Subkulturbetreiber werden hier ordentlich abgewatscht. Ähnlich wie auch Joe Dantes “Homecoming” darf man “Dance of the Dead” nicht als klassischen Genrebeitrag betrachten. Dabei würde die Episode schlichtweg durchfallen. Inszenatorisch kann der Kurzfilm aber in jedem Fall begeistern: die düstere Verwelktheit des Settings und seiner Figuren wird sehr stylisch ans Auge gebracht. Wenn die beiden Motorad-Boys auf offener Straße eine ganz neue Variante des “Hit & Run”-Prinzips zelebrieren, muss man erstmal staunen. Dass Tobe Hooper zudem eine heftige Szene einbaut, die den Begriff “Wegwerf-Kultur”, die ihre eigenen Konsumenten verheizt, auf ein ganz neues Level hebt und gleichzeitig eine schicke Hommage an David Cronenbergs "Rabid" ist, verlangt offenkundige Bewunderung.

BILD

Dance of the Dead

Das anamorphe Bild (1.78:1) gehört bisher zu den besten Transferen der Serie. Die Vorlage ist in einem tadellosen Zustand und besitzt keine analogen Rückstände wie Spratzer, Bildpunkte oder Dreckspuren. Auch das oft aufgefallene leichte Hintergrundgrieseln ist nicht mehr zu bemerken. Schärfe und Kontrast sind sehr gut und lassen Details auch in den Wideshots gut erkennen. Die Farben sind sehr kräftig und wirken durch die hohe Stilisierung schon fast ein wenig unnatürlich. Der Schwarzlevel ist durchgängig sehr tief, ohne dabei aber Bilddetails zu verschlucken. Die Kompression ist absolut sauber und lässt keine Artefakte oder Ruckeleien auftreten. Sehr gut.

TON

Dance of the Dead

Der Dolby Digital 5.1 Track leistet solide Arbeit, die durch die gute Ausnutzung der Hintergrundatmospäre auffällt. Das Musik- und Tanzgetöse des “Doom Room” wird sehr gut auf die Surroundkanäle verteilt. Ansonsten bleibt der Track auf durchschnittlichem Niveau: Die Dialoge sind auf Deutsch natürlich mal wieder stärker in den Vordergrund gemischt, aber auf beiden Tonspuren gibt es keine störenden Überlappungen. Insgesamt ein sehr solider Track, der unauffällig und ohne große Überraschungen seinen Job verrichtet.

EXTRAS

Die Extras auf der Scheibe beinhalten sechs Interviews (zusammen ca. 78 Min.) und vier Behind-the-Scenes Featurettes (ca. 44 Min.). Bei den Interviews fehlt leider ein Beitrag von Tobe Hooper. Auch die Audiokommentare der US-Fassung fehlen. Dennoch sind die Interviews diesmal etwas substantieller als bei den bisherigen Scheiben. Die peinlichen Interviewer sind allerdings die selben geblieben.
Davon lässt sich der kantige Autor Richard Matheson aber nicht beeindrucken und gibt einige schöne Anekdoten aus seiner Arbeit u.a. für die “Twilight Zone” und andere Projekte zum besten. Schon ist auch, dass Matheson offen zugibt, keine der beiden Verfilmungen von seinem Klassiker “I am Legend” gut sondern eher schrecklich zu finden. Zu seiner eigenen Kurzgeschichte “Dance of the Dead” hat er leider nicht so viel zu sagen. Dass übernimmt im zweiten Interview sein Sohn und Drehbuchautor Richard Christian Matheson. Er spricht ausführlich über seine eigene Entwicklung der Story und der guten Zusammenarbeit mit Tobe Hooper, den er schon lange kennt und auch mit ihm schon bei den “Amazing Stories” von Steven Spielberg zusammengearbeitet hat. Dieses Interview ist wirklich zu empfehlen, da Matheson auch einige Unklarheiten bei der Episode wie die “Bliss”-Angriffe erläutert. Ein Knaller ist auch das Gespräch mit Robert Englund, der eingehend auf die Entwicklung seiner Figur eingeht, und ebenfalls seine langjährige Beziehung zu Tobe Hooper (beide kollaborierten schon in den 70-ern für den Schlocker “Death Trap”, der Englund die in “Kill Bill” verewigte Zeile “I’m Buck and I like to f***” in den Mund legte) äußerst amüsant Revue passieren lässt. Auch ohne Alter-Ego Freddy Krüger ist Englund wirklich witzig. Die beiden Hauptdarsteller, Jonathan Tucker und Jessica Lowndes, haben in ihren Interviews nicht so viel zu sagen und plaudern vornehmlich über ihre Figuren und die Geschichte von “Dance of the Dead”. Überflüssig für jeden, der die Episode gesehen hat. Zum Schluss gibt’s noch ein kurzes Interview mit dem Tanzchoreographen, der seinen Ansatz für die “Bewegung” im “Doom Room” verrät.
Die Behind-the Scenes Segmente zeigen vornehmlich zwei Special Make-Up-Prozesse, die natürlich sehr langatmig aber nicht uninteressant sind. In einer längeren Szene darf man schließlich auch Tobe Hooper und Robert Englund bei der gemeinsamen Arbeit vor und hinter der Kamera sehen. Alles selbstverständlich unkommentiert.

Eine Biographie von Tobe Hooper ist ebenfalls noch vorhanden.

FAZIT

Tobe Hoopers “Dance of the Dead” ist eigentlich kein Horrorfilm, sondern eine bitterböse Abrechnung mit dem modernen Amerika und seinem neuen Generationenkonflikt. Nur wer sich auf diese Erzählebene einlässt, wird an dieser MoH-Episode auch seine Freude haben. Die DVD kann mit einem hervorragenden Transfer und ein paar netten Interviews begeistern.



Kay Pinno


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