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REVIEWS



Alexander   

Alexander
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Original: Alexander   (USA, 2004)
Laufzeit: 169 Minuten (PAL)
Studio: Constantin / Highlight
Regie: Oliver Stone
Darsteller: Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer, Jared Leto, Rosaria Dawson, Anthony Hopkins u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar, Making of, Interviews u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1 / 1 / 2- (Bild/Ton/Extras)


"Traumtänzer!"

Wenn Regisseure an einem vermeintlichen Lieblingsprojekt arbeiten, das auch noch über Jahre hinweg immer wieder verschoben wird, dann bilden sich Legenden. Diese werden schließlich mit der harschen Realität konfrontiert, wenn der Regisseur tatsächlich die Gelegenheit bekommt, sein “Ding” zu verwirklichen. Jüngere Beispiele wie Martin Scorseses “Gangs of New York” oder Steven Spielbergs “Hook” zeigen, dass sich solche Herzensprojekte oft schwer zu einem wirklich guten Film zusammenfügen. Auch Oliver Stones “Alexander” leidet unter der gigantischen Ambition seines Filmemachers. Zu groß ist eben die epische Geschichte des makedonischen Machtmenschen, der im vierten Jahrhundert vor Christus die damals bekannte Welt als Twen in knapp zehn Jahren eroberte und letztlich - durch seinen frühzeitigen Tod - auch wieder verlor. Stone hat ganz klar den Visionär und Denker Alexander im Visier, der seiner Zeit weit voraus war und seinen bezwungenen Völkern eine enorme Toleranz entgegenbrachte. Dies führte zum Verdruss seiner griechischen Kampfgefährten, denen alles andere als eine befriedete Welt voller Eintracht zwischen den Völkern vorschwebte. Alexanders neue Ordnung, die er in vielen Bereichen umsetzen konnte, fruchtete aber nicht in den Köpfen. Nach seinem Tod zerfiel sein Reich deshalb noch schneller als er es erobert hatte. “Alexander” legt ebenso aus, wie stark der junge Heerführer Alexander (Colin Farrell) von seiner Beziehung zu Mutter Olympias (Angelina Jolie) und zu seinem Vater, dem einäugigen König Philip von Makedonien (Val Kilmer), sowie den alten griechischen Mythen - vornehmlich Homers “Iliad”, von dem er angeblich immer ein Exemplar am Bett hatte - beeinflusst wurde. Eine deutliche Parallele wird mit der Beziehung zwischen Alexander und seinem besten Freund Hephaistion zu dem Mythos von Achilles und Patroklos aus dem trojanischen Krieg gezogen. Größtenteils unbeachtet lässt Stone bei seiner Betrachtung allerdings den genialen Schlachtenlenker Alexander, der auch gnadenlos über Leichen ging, aber gleichzeitig irrwitzigen Heldenmut und Tollkühnheit bewies. Zwar fährt Stone zwei imposante Schlachten auf, aber kann damit kaum Alexanders taktisches wie kämpferisches Geschick einfangen. Zudem wird eine extrem wichtige Episode aus Alexanders Leben erst als Flashback nach zwei Dritteln des Films erzählt. So kann “Alexander” seine volle Wirkung eigentlich erst beim zweiten Anschauen entfalten. Die All-Star-Besetzung aber zudem rundweg überzeugen. Allen voran stehlen Val Kilmer als vulgärer Herrscher aber besonders Angelina Jolie dem ebenfalls engagierten Colin Farrell die Schau. Hier sieht man erst einmal, wie unterfordert Jolie in ihren anderen Filmen (“Dumb Raider” anyone?) gewesen ist. Als vom Ehrgeiz und Wahn zerfressene, intrigante Anti-Mutter gibt sie hier vielleicht sogar ihre beste Leistung. Entgegen aller Kritiker-Unkenrufe ist “Alexander” ein erstaunlich akkurates Historienepos und Ausstattungsspektakel geworden, dass leider zu viele Elemente und Themen in eine dafür immer noch zu knappe Laufzeit packen möchte. Trotzdem ist der Versuch, die geschichtliche wie inhaltliche Integrität nicht auf dem Altar des Kommerz zu opfern, mehr als lobenswert.

BILD

Alexander

Die Premium Edition von Constantin ist mit einem sehr guten Transfer gesegnet. Die Vorlage ist absolut brillant und weist keine störenden Rückstände. Schärfe und Kontrast lassen die große Ausstattung noch einmal zusätzlich deutlich zur Geltung, wenngleich helle Szenen ein wenig überkontrastiert scheinen, wodurch die Konturen ein wenig “überbelichtet” wirken. Der echte Augenschmaus sind aber die üppig kräftigen Farben, die dem Film seinen imposanten Charakter verleihen. Der Schwarzlevel ist extrem tief und verschluckt trotzdem kein einziges Detail. Die Kompression hält das Bild auch in den wuchtigen wie staubigen Schlachten stabil und frei von Artefakten oder Bildrauschen. Sehr gut.

TON

Alexander

Voll ausgestattet mit einem DTS- (Deutsch) und zwei DD-Tracks (Deutsch, Englisch) liefert der Sound die passende Unterstützung zu dem epischen Geschehen. Besonders der geniale Soundtrack von Vangelis wird imposant auf alle Surroundkanäle verteilt und sehr gut zur restlichen Soundkulisse abgemischt. Trotzdem übernimmt die Musik eine dominante Rolle auf den Tonspuren. Durchgängig wird ein 360-Grad-Hör-Erlebnis mit vielen, feinen ambienten Effekten und Hintergrundgeräuschen erzeugt. Selbst kleinere Dialogszenen fallen dabei nicht aus dem Rahmen. In den großen Schlachtenszenen hat der DTS-Track aber klar die Nase vorn. Mit reichlich Basseinsatz wird besonders die letzte Schlacht mit den Elefanten zu einem zerschmetternden Ereignis. Der englische Track ist in bezug auf die Dialoge ein wenig räumlicher als die deutsche Tonspur, mit dem Nachteil, dass einige hastige englische Gesprächsfetzen etwas verschluckt werden. Trotzdem sehr gut.

EXTRAS

Auf der ersten Filmscheibe des 2-Disc Sets befindet sich der Audiokommentar mit Regisseur Oliver Stone und dem Alexander-Experten Robin Lane Fox, der ebenfalls als historischer Berater für den Film tätig war. Beide Teilnehmer wurden separat aufgenommen und für den Track zusammengeschnitten. Leider sind beide Sprecher so informativ und willig über den historischen “Alexander” als auch ihre Erfahrung mit dem Film zu berichten, dass man sich eigentlich wünscht, beide Sprecher in kompletter Länge auf zwei Tracks zu haben. Ohne Pause wird der Zuhörer über die komplette Länge des Films mit historischen Infos und Anekdoten sowie mit Stones Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser gigantischen Geschichte konfrontiert. Ausführlich geht Stone auch auf bestimmte Details wie die bewusste Entscheidung, die Schauspieler in verschiedenen Akzenten sprechen zu lassen, um das erstaunliche Sprachen-Wirrwarr der damaligen Zeit zu simulieren, ein. Ein gut gemeinter Effekt, der aber selbst nach Stones Meinung beim Publikum nach hinten los ging. Zusammen mit Fox strickt Stone eine gute Mischung aus historischen Fakten und Filminterpretation. Produktionstechnische Details werden nur vereinzelt am Rand erwähnt und stehen bei diesem Track nicht im Vordergrund. Definitiv wieder ein sehr guter Oliver Stone Kommentar, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Auf der zweiten Disc befinden sich die verschiedenen Dokumentationen und Interviews. Die massive Dokumentation “Kampf gegen die Zeit: Oliver Stones Alexander” (ca. 80 Min.) ist ein außergewöhnliches Stück von Oliver Stones Sohn Sean, der die Dreharbeiten mit einer Videokamera begleitete, um seinen Vater einmal bei der Arbeit zu erleben. Das Ergebnis ist eine sehr persönliche Meditation über den Filmemacher und Vater Oliver Stone, die mit extrem viel unzensiertem Behind-the-Scenes Material aufwartet. Mit einem klassischen “Making of” hat dieser Film nichts gemeinsam. Hier wird ein starkes Stimmungsbild vom Stress und Chaos der Produktion vermittelt. Zum Schluss werden auch noch ein paar sehr persönliche biographische Fakten über Oliver Stone (einschließlich Kurzinterview mit seiner Mutter) vermittelt. Leider kommt die eigentliche Produktion des Films dabei ein wenig zu kurz. Für Stone-Fans ist diese Dokumentation aber absolute Pflicht. Das krasse Gegenteil dazu ist ein knapp 12-minütiges, klassisches “Making of”, dass kaum mehr als ein wenig Lobpreisung für Stone plus Inhaltsangabe ist. Da gestalten sich selbst die 11 Kurzinterviews mit Schauspielern und Filmemachern (ca. 18 Min.) interessanter. Zwar wird auch hier ein wenig oberflächlich geseiert, aber trotzdem werden auch einige interessante Meinungen geäußert. “Auf den Spuren Alexanders des Großen” ist leider keine historische Dokumentation, sondern eine interaktive Karte auf der Informationen zu einigen Stationen aus Alexanders Leben aufgerufen werden können. Trotz der kompakten Präsentation hätte es hier auch ein wenig mehr sein dürfen. Der “Blick hinter die Kulissen” (15 Min.) zeigt einige unkommentierte Aufnahmen vom Dreh, die aber nicht wirklich spannend sind. Zuletzt gibt’s noch fünf Minuten vom Starauflauf bei der Deutschlandpremiere zu sehen. Schmerzlich vermisst werden die sicherlich vorhandenen geschnittenen Szenen, Ausstattungsgalerien mit zusätzlichen Infos oder eine korrekte Historien-Doku über Alexander den Großen. Dafür gibt’s aber wenigstens ein hübsch aufgemachtes Booklet, das ebenfalls den Schlachtenkursus Alexanders mit einigen Zahlen, Daten und Fakten als kleine Faltkarte liefert.

FAZIT

Oliver Stones “Alexander” ist ein zu unrecht missachtetes Historienepos, das sicherlich nicht perfekt ist, aber dennoch ausgehöhlte Hollywood-Hochglanzprodukte wie “Troja” locker verblassen lässt. Die Premium-DVD von Constantin liefert dazu eine vorbildliche Qualität und gute Extras, die aber noch besser sein könnten und müssten.



Kay Pinno


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