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Rec   

Rec
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Original: Rec   (Spanien, 2007)
Laufzeit: 75 Min. (Pal)
Studio: e-m-s
Regie: Jaume Balaguero
Darsteller: Manuela Velasco, Pablo Rosso, Ferran Terraza, Jorge Serrano u.v.a
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Spa
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Trailer, Spots, Bildergalerie
Preis: ca. 19 €
Wertung: 2 / 1-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Fernseh-Terror"

Es ist wie eine Seuche: Das Fernsehen wurde in den letzten Jahren inflationär mit immer abstruseren "Reality"-Formaten geflutet. Neben dem voyeuristischen Aspekt möchte sich das Fernsehen hier wieder eine Glaubwürdigkeit erkaufen, die schon vor langer Zeit verspielt wurde. Und das an diesen frauentauschenden, Bauernfrau suchenden oder ins Ausland flüchtenden Formaten soviel Echtheit vorhanden ist, wie an Michael Jacksons Körper, sollte wohl jedem klar sein. Es war bloß eine Frage der Zeit, bis sich das Untotengenre dieser leblosen Möchtegern-Realität einmal annehmen würde. Neben George Romeros eigenem Versuch "Diary of the Dead" und der britischen Serie "Dead Set" hat sich der spanische Regisseur Jaume Balaguero ("Darkness") dem Thema mit "Rec" einmal anders angenommen.
"Während Sie schlafen" ist eine TV-Sendung, die sich mit beruflichen und sonstigen Nachtschwärmern beschäftigt. Zusammen mit ihrem Kameramann Pablo (Rosso) ist Angela Vidal (Manuela Velasco) als Vor-Ort-Reporterin diesmal in einer Feuerwache unterwegs. Als plötzlich ein Alarm die zunächst verschlafene Wache lebendig werden lässt, ahnen weder die Zuschauer noch die Protagonisten von dem dräuenden Horror, der die Retter samt TV-Journallie im Schlepptau in einem Reihen-Mietshaus erwartet. Eine krank erscheinende Frau wandelt sich blitzschnell in eine rasende Furie und greift Helfer und Ehemann an. Eine überhastete Flucht aus der Mietskaserne wird vereitelt, weil die Polizei das Gebäude bereits in Windeseile unter Quarantäne gestellt hat. Und die Verletzten geraten auch in eine immer schlechtere Verfassung, die nichts gutes ahnen lässt.
Den nackten Kampf um's Überleben erlebt der Zuschauer nur komplett aus der Sicht von Pablos Kamera. Auch wenn die First-Person-Perspektive für viele bereits durch Filme wie "Blair Witch Project" oder "Cloverfield" durchgenudelt scheint, ist "Rec" jedoch der einzige Film, der es bisher geschafft hat, dieses Stilmittel richtig einzusetzen. Das langsame Hinabgleiten einer semi-gefakten TV-Doku-Soap - die Interviews von Angela mit den Haus-Bewohnern könnten ätzend satirischer nicht sein - in echten Dauerhorror ist wirklich brillant gelöst und in keinem (!!!) Moment unplausibel. Die Frage, warum hier niemand die Kamera hinschmeißt und um sein Leben rennt, kommt gar nicht auf, da ab einem bestimmten Zeitpunkt die Kamera durch einen guten Kniff überlebensnotwendig wird (!). Zudem spult Balaguero nicht bloß ein aufgewärmtes Zombieszenario ab, sondern liefert im Finale einen gekonnten Twist der Zombie-Mythologie, wie ihn sich schließlich nur ein Spanier ausdenken kann. Da werden auch hübsche Erinnerungen an John Carpenters "Fürsten der Dunkelheit" wach. Mit seinen schlanken 75 Minuten ist "Rec" schließlich wie im Flug vorbei und bereichert das Genre nicht nur um eine Fußnote. Kein Wunder also, dass sich Hollywood bereits mit einem müden "Shot-for-Shot"-Remake namens "Quarantine" an diesem herrlichen Euro-Horror vergangen hat.

BILD

Rec

Die Vorlage des anamorphen Widescreentransfers (1.85:1) ist in fabelhaftem Zustand und liefert ein sehr gutes Bild der Videoaufnahmen von Kameramann Pablo Rosso. Da es sich hier aber um einen gezielten Videolook handelt, hat das Bild insgesamt eine etwas andere und leicht verwaschene (Video-)Qualität gegenüber normalem Filmmaterial. Dennoch sind Schärfe und Kontrast im oberen Bereich anzusiedeln und lassen gerade in den Close-Ups viel Detail erkennen. Die Farben sind extrem natürlich und liefern einen perfekt realistischen Eindruck der Szenerie. Besonders auffällig ist der wirklich gute Schwarzwert, der die zahlreichen dunklen Sequenzen effektiv umsetzt. Die Kompression hält das Bild durchweg stabil. Artefakte, Hintergrundrauschen oder künstliche Filtereinflüsse konnten nicht festgestellt werden. Sehr gut.

TON

Rec

Hier kommen wir sicher zum Highlight der Scheibe, wenngleich auch hier ein paar Abstriche gemacht werden müssen. Der deutsche Ton liegt sowohl als DTS- als auch als DD5.1-Track vor. Die deutsche Synchronisation scheint aus den sicheren Händen von Rainer Brandt zu stammen, der auch stimmlich einen Auftritt hat. Während die (teilweise recht bekannten) Sprecher durch die Bank eine starke Leistung abliefern, wirkt die Integration der Dialoge in die aktive Surroundumwelt doch ein wenig "übersteuert". Die deutschen Stimmen scheinen insgesamt "zu gut hörbar" und in den Vordergrund gemischt. Da die restliche Soundkulisse absolut großartig abgemischt wurde - selbst die Mikrofongeräusche und -unterschiede während des Drehs wurden berücksichtigt - fällt diese Unstimmigkeit doch deutlicher auf. Alsbald die Action im Mietshaus jedoch losgeht rückt dieses Manko auch in den Hintergrund.
Ansonsten macht der Ton hier wirklich die Musik. Die Surround- und Schockeffekte sind hier nicht von schlechten Eltern und dürften bei Betrachtung im Dunkeln für mehr als einen Schrecksprung sorgen. Der DTS-Track liefert hier nochmal eine etwas bessere Auflösung der Effekte als der DD-Track. Ein Musterbeispiel an Effektivität im Surround-Einsatz ohne große Explosionen oder Ballereinlagen. Sehr gut.

EXTRAS

Das ca. 20-minütige "Making of" geht kompakt und detailliert auf die Konzeption und Umsetzung der Geschichte aus der Feder von Jaume Balaguero ein. Neben Interviews mit allen Beteiligten sind auch viele On-Set-Aufnahmen zu sehen, bei denen sich u.a. auch einer der Hauptdarsteller verletzt. Neben den üblichen Lobpreisungen sind hier auch viele inhaltlich relevante Statements zu hören. Besonders ausführlich wird auch auf die Schwierigkeit der langen Plansequenzen des Films eingegangen. Gelungen.
Desweiteren sind noch Trailer, TV-Spots und eine Bildergalerie auf der Scheibe zu finden.

FAZIT

Vergesst den ganzen "Blairwitch"- und "Cloverfield"-Mumpitz! "Rec" ist ein schnörkelos wie perfekt inszenierter, moderner First-Person-Zombie-Horrorfilm aus Spanien, der sich ebenfalls als gelungene Mediensatire outet. Ähnlich wie Neil Marshalls Höhlenhorror "The Descent" sollte dieser Film nur komplett im Dunkeln angeschaut werden. Die DVD von e-m-s bietet dazu hervorragende Qualität und solide Extras. Dringend empfohlen.



Kay Pinno


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