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Outlaw   

Outlaw
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Original: Outlaw   (GB, 2007)
Laufzeit: 103 Minuten (PAL)
Studio: Senator
Regie: Nick Love
Darsteller: Sean Bean, Bob Hoskins, Danny Dyer, Lennie James u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Deleted Scenes, Videotagebuch u.m.
Preis: ca. 16 €
Wertung: 2+/ 3+/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Ein Fight Club sieht rot!"

Die Rückkehr des Selbstjustizfilms war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Wo in den siebziger Jahren Clint Eastwood und Charles Bronson großkalibrig für finale Gerechtigkeit sorgten, treten nun Nachwuchs-Großstadtvigilanten in deren Fußstapfen. Wieder einmal scheinen die Zeiten härter und die Justiz untätiger zu werden. Auch in England herrscht in den Augen von Regisseur Nick Love ein Krieg, von dem anscheinend noch niemand gemerkt hat, das er schon begonnen hat. Kriminelle und gewalttätige Jugendliche haben die Straßen im Griff und Recht und Ordnung im entscheidenden Moment auf ihrer Seite. Auch die restliche Gesellschaft scheint fast ausschließlich aus Egomanen und unterschwelligen Psychos zu bestehen. Als Opfer dieser Gewalt-Umwelt rotten sich fünf Fremde zusammen, um gemeinsam etwas gegen die eigene Hilflosigkeit und die fehlende Ordnungsgewalt zu tun. Aus Waschlappen sollen hier eben wieder echte Männer gestanzt werden, die sich und anderen wieder ordentlich die Fresse polieren können. Diese "Mancadamey" wird von dem Ex-Soldaten Danny (Sean Bean) angeführt, der auch schon mal absichtlich Kneipenschlägereien provoziert, um seine Schüler abzuhärten. Als Dannys Drill härter wird, gibt es schon bald erste Opfer zu beklagen. Und auch Londons Unterwelt hat die "Outlaws" bald im Visier.
Stilistisch vergreift sich der Film am Doku-Drama und liefert einen mit dauerhaft wackeliger Videokamera gefilmten Look, der bereits nach den ersten Minuten nervt. Zudem braucht die Geschichte ein ganzes Stück zu lange, um die einzelnen Schicksalsfäden zusammenlaufen zu lassen. Nachdem sich die Gruppe formiert hat, wird den Figuren wieder zu wenig Zeit gewidmet, um die drastische Entwicklung der einzelnen Charaktere mitzumachen. Besonders das Schicksal des Büro-Würstchens Gene (Danny Dyer), der zum Killer mutiert, erinnert auch zu stark an das Schicksal von James McAvoy in "Wanted" - allerdings ohne dessen campige Rock 'N' Roll Attitüde. Insgesamt zeichnet Regisseur Nick Love ein viel zu einseitiges Schwarzbild der englischen Gesellschaft. An allen Figuren bleibt letztlich nichts Sympathisches. Immerhin liefert er dem Zuschauer aber kein vermeintlich kathartisches Rache-Erlebnis. Die Gewalt kommt von allen Seiten dreckig und verabscheuungswürdig herüber. Leider strauchelt auch das Drehbuch zum Schluss, da der "große Twist" im Finale eigentlich keine Überraschung ist und der Gruppe beim letzten Einsatz eine echte Motivation fehlt. Letztlich ist "Outlaw" eine verpasste Chance, das Selbstjustiz-Genre als Ensemble-Charakterdrama auf ein neues Level zu heben.

BILD

Outlaw

Der anamorphe Widescreen-Transfer (2.35:1) basiert auf einer sehr guten Vorlage, die von dem ursprünglichen HDV-Master stammt. Entsprechend sauber und glatt wirkt das Bild. Schärfe und Kontrast sind sehr gut, allerdings haben alle Bewegungen den entsprechendne Video-Look, der die Konturen leicht schwammig werden lässt. Die Farbreproduktion ist sehr gut und gibt das nur wenig gestylte Bild und den real gehaltenen Look sehr gut wieder. Der Schwarzlevel ist tief und tendiert ein wenig zum Überschatten von Details. Die Kompression ist absulaut sauber und hält das Bild rauschfrei und stabil. Gut.

TON

Outlaw

Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch als DD5.1 Track vor. Da "Outlaw" wenig auf bombastische Effekthascherei setzen kann, werden die subtilen Umgebungsgeräusche und der spärliche Musikeinsatz gut auf die Surroundkanäle verteilt. Die Dialoge sitzen zumeist fest im Center, aber sind auch direktional abgemischt. Die wenigen Schießereien versuchen ebenfalls ein realistisches Bild abzuliefern. Auf zusätzlich eingespielte Waffengeräusche wurde hier verzichtet. Insgesamt ein solider Track, der ohne Überraschungen auskommt.

EXTRAS

Das halbstündige "Making of" liefert viele On-Set Interviews, bei denen Schauspieler und Filmemacher ungeschminkt und ungekürzt drauflos plaudern. Zwischen Veralberei undessentieller Reflexion über das zentrale Thema des Films, erfährt man viele Hintergründe zu den Charakteren, die im eigentlichen Film deutlicher hervorgebracht werden müssen. Hier zeigt sich aber auch, dass Regisseur Nick Love tatsächlich selbst ein echter "Madman" und irgendwie deutlich durchgeknallt ist. Neben den üblichen Behind-the-Scenes Aufnahmen bekommt man hier jedoch auch einige wirklich schöne Set-Momente zu Gesicht, die sonst eher zensiert werden.
Die Featurette "The Rave and the Riot" (ca. 12 Min.) gehört eigentlich zu den geschnittenen Szenen. Hier wurde jedoch eine komplette aufwendigere Sequenz entfernt, bei der die Gang zu einem Rave eingeladen wird, der nachher von einem Polizeitrupp gewaltsam aufgelöst wird. Hier sind zusätzlich Szenen vom Dreh und Interviews mit Nick Love vorhanden, der über die Szene bercihtet und warum sie entfernt wurde. Diese wie auch ein Großteil der restlichen geschnittenen Szenen (ca. 9 Min.) hätten dem Film wirklich gut getan, da sie doch noch einige stärkere Charaktermomente und den Aufstieg und die Auswirkungen der Vigilantengruppe besser beleuchten.
Das "Videotagebuch" (ca. 15 Min.) ist nur bedingt ein solches. Hier handelt es sich um eine lose Zusammenstellung von Videoselbstinterviews von Regisseur, Schauspielern und Ausstattungspersonal, die On-Set ein wenig über das Projekt und die anstehende Arbeit erzählen.
Hinter "The Big Hitters" (ca. 16 Min) versteckt sich noch eine kleine Dokumentation über eine Gruppe von freiwilligen Komparsen, die sich über eine Website dafür beworben hatten. Hier zeigt sich, dass auch das Komparsen-Leben viel mit Warten zu tun hat.
Abschließend gibt es noch den Trailer zum Film auf Deutsch und Englisch zu sehen.

FAZIT

"Outlaw" will als finsterer Selbstjustizfilm das Genre komplex als Ensemble-Drama weiterentwickeln, aber scheitert leider an seinen eigenen Konventionen. Zudem versprüht der Film einen bitteren Zynismus, der teilweise nur schwer zu ertragen ist. Die DVD hat eine solide technische Qualität und liefert auch ein paar essentielle Extras mit.



Kay Pinno


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