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James Bond: Ein Quantum Trost SE   

James Bond: Ein Quantum Trost SE
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Original: Quantum of Solace   (USA / England, 2008)
Laufzeit: 100 Minuten (PAL)
Studio: MGM / Fox
Regie: Marc Forster
Darsteller: Daniel Craig, Judi Dench, Mathieu Amalric, Giancarlo Gianini, Olga Kurylenko u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Englisch, Tr, Tsche
Untertitel: Deutsch, Englisch, Tr u.v.a.
Extras: Making of, Crew-Featurettes,Trailer
Preis: ca. 25 €
Wertung: 2+/ 1 / 3 (Bild/Ton/Extras)


"Agenten rächen einsam!"

Nach dem erfolgreichen Neustart von James Bond mit Daniel Craig in "Casino Royale", waren die Erwartungen an die Fortsetzung hoch. Und eigentlich fast nicht erfüllbar. Martin Campbell übergibt den Regiestuhl nun an den schweizerdeutschen Marc Foster ("Stranger than Fiction", "Finding Neverland"), um James Bond erstmals auf einen gnadenlosen, persönlichen Rachefeldzug zu schicken.
Ebenfalls eine Premiere bei Bond: "Ein Quantum Trost" setzt direkt an "Casino Royale" an und führt die Geschichte um ein global agierendes Verbrechersyndikat fort. Gleich zu Beginn offenbart sich jedoch eine stilistische Problematik, die die aufwendigen Actionszenen schlichtweg entwertet. Der Stakkato-Schnitt und die schlechte Adrenalin-Simulation einer Wackelkamera zerstören die Orientierung und lassen den Zuschauer kaum in die Gefahr eintauchen.
Dazwischen ist Bond auf einem eher eindimensionalen Rachefeldzug, um die Hintermänner der Organisation zu finden, die für den Tod von seiner Geliebten Vesper Lynd (Eva Green) aus "Casino Royale" verantwortlich sind. Diesmal stellt das Drehbuch dem britischen Agenten eine weibliche Unterstützung an die Seite, die Bonds Rachekonflikt spiegelt. Camille (Olga Kurylenko) will den Tod ihrer Familie durch die Hand eines bolivianischen Putsch-Generals blutig zurückzahlen. Leider schafft Forster es nicht, aus diesem Parallel-Schicksal wirkliches Potential für die Geschichte oder für Bonds Charakter zu ziehen. Hier liegt auch die größte Schwäche des Films: Bond donnert wie eine Schlachthaus-Diesellok durch die Szenerie, ohne sich dabei viel um irgendetwas oder irgendjemanden kümmern zu müssen. Dabei mag nur wenig Sympathie und noch weniger Spannung für den Doppelnull-Terminator aufflammen.
Dazu kommt noch einer der schleimigsten wie farblosesten Bond-Gegner seit einigem Gedenken: Mathieu Amalric spielt den Mogul Dominic Greene als eine Mischung aus Schakal und Hyäne mit soziopathisch leuchtenden Glubschaugen, die schon fast an eine Karikatur grenzen.
Kurze Lichtblicke bleiben Daniel Craigs Schauspiel, wenn er gemeinsam mit Judi Denchs "M" oder Giancarlo Gianini plötzlich moralisch werden darf.
"Ein Quantum Trost" ist aber trotz aller Schwächen immer noch kein schlechter Film geworden - nur eben sehr eindimensional und flach im Vergleich zu "Casino Royale". Dies mag sicherlich dem zentralen Rache-Motiv geschuldet sein. Da hätte man Bond charakterlich einfach etwas mehr zu tun geben müssen. Denn schließlich ist die Hintergrundgeschichte um globalen Öko-Terrorismus großer Konglomerate ein Volltreffer. Auch der (moralisch) unterschiedliche Umgang mit den Drahtziehern seitens CIA und MI6 weiß wirklich zu gefallen. Als gigantischer Showdown zu "Casino Royale" ist Craig-Bond Nr. 2 ein solider Epilog, der 007 für den nächsten Teil auf jeden Fall gut aufstellt.

BILD

James Bond: Ein Quantum Trost SE

Der anamorphe Widescreen-Transfer (2.35:1) basiert auf einer brillanten Vorlage, die natürlich alle Trümpfe eines neuen aktuellen Films ausspielen kann. Besonders bei Nahaufnahmen sind Schärfe und Kontrast hervorragend und liefern einen fast HD-mäßigen Eindruck.
Wahrscheinlich aufgrund des großen DTS-Tracks hat die Kompression aber doch in einigen Bildbereichen stark zu kämpfen und zeigt besonders in Wideshots mit vielen Details ärgere Schwächen und viel Moskito-Rauschen. Da die Schnittfrequenz des Films sehr hoch ist, muss man dafür aber gezielt hinschauen. Die Farben sind durchgängig kräftig und solide. Der Schwarzlevel ist dabei besonders imposant und liefert sehr tiefe dunkle Bereiche, die trotzdem alle Details zeigen.

TON

James Bond: Ein Quantum Trost SE

Sowohl der deutsche DTS und DD5.1-Ton liefern einem das volle Surroundprogramm ins Haus. Bereits in der Eröffnungsverfolgung ist das volle 360-Grad-Erlebnis da. Musik und Soundeffekte sind dabei gut aufeinander abgestimmt, so dass es nicht zu störenden Überlappungen kommt. Die Dialoge sitzen gut in der Frontstage verankert, aber wandern auch mal in die Surroundkanäle. Von vorne bis hinten ist die Abmischung aggressiv und lässt die Boxen kaum zur Ruhe kommen, wobei auch der Tiefbass ordentlich angesteuert wird. Klassisches Demomaterial für's Heimkino.

EXTRAS

Neben der Single Disc Version bietet die Special Edition eine Extrascheibe mit Bonusmaterial. Darin befindet sich ein 25-minütiges "Making of", dass sich stark auf die ausladene Arbeit an den verschiedenen Drehorten konzentriert. Hier gibt es einige schöne Behind-the-Scenes Aufnahmen und ein paar ungwöhnlichere Interviews zu sehen. Hier dreht sich inhaltlich fast alles um die Technik und Logistik vor Ort. Eine solide aber irgendwie auch recht unspektakuläre Featurette. Es folgen sechs weitere kurze Videosegmente ( jeweils ca. 2-3 Minuten), in denen sich vornehmlich Marc Fortser mit einigen Teilaspekten beschäftigt, die aber schon in dem kleinen "Making of" zur Sprache kamen. Die Ausnahme bilden hier die Segmente über das Bond-Girl und die Musik im Film.
Das letzte Feature "Crew" ist allerdings neu und von der Idee recht gut umgesetzt. Hier gibt es über 30 kurze Videoclips (jeweils zwischen 1 und 2 Minuten) zu den verschiedenen Crewmitglieder zu sehen, die ihre Arbeit am Set beschreiben und auch ein paar Anekdoten parat haben. Eigentlich das spaßigste und beste Feature der Special Edition.

Auf der ersten Filmdisc sind zudem noch der Teaser und Trailer zum Film zu finden.

FAZIT

Nach dem überraschend wendigen "Casino Royale" kommt "Ein Quantum Trost" unter der Regie von Marc Forster ins schlingern. Hektische und wenig Charakterarbeit lassen den Film deutlich flacher wirken. Auch die Special Editon DVD kann mit den eher schwachbrüstigen Extras nur halb überzeugen. Eine ausladende Ultimate Edition samt Kommentaren und Deleted Scenes wird sicher spätestens beim nächsten Bond in den Läden zu finden sein.



Kay Pinno


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