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Top Gun   (BLU-RAY)

Top Gun
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Original: Top Gun   (USA, 1986)
Laufzeit: 110 Minuten (1080p)
Studio: Paramount
Regie: Tony Scott
Darsteller: Tom Cruise, Kelly McGillis, Anthony Edwards, Val Kilmer, Meg Ryan u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-Masteraudio 6.1 Englisch DD5.1 Fr, Spa DS Deutsch, It
Untertitel: Deutsch, Englisch, NL, Spa, It u.v.a.
Extras: Kommentar, Making of, Interviews, Videos u.m.
Preis: ca. 22 €
Wertung: 2 / 1-(3+)/ 1 (Bild/Ton/Extras)


"The Final Countdown"

Was kann man nicht alles über "Top Gun" sagen? Dieser Film darf tatsächlich als historischer "Benchmark" für das moderne Hollywood-Unterhaltungskino von heute gewertet werden. "Top Gun" zementierte die magische Formel des Produzentenduos Don Simpson und Jerry Bruckheimer: ein Regisseur aus der Werbung, moderne Rockrythmen, die speziell auf den Film angepasst wurden, junge Schöne vor der Kamera und schnell geschnittene wie hochgestylte Aufnahmen. Die Geburt des flashigen Actionfilms ward vollbracht. Simpson und Bruckheimer hatten bereits mit "Flashdance" und "Beverly Hills Cop" die großen Sommerhits der Vorjahre hingelegt und führten ihren Lauf mit "Top Gun" äußerst erfolgreich weiter. Dass es sich bei dem Adrenalin- und Testosteronreichen Überflieger tatsächlich um einen waschechten Marine-Propagandafilm handelt, ist wohl den wenigstens ursprünglich bewusst geworden.
Unter der Prämisse "Rockstars in the Sky" feiert Tony Scott in seinem zweiten Kinofilm seine damals noch recht unbekannten Jungstars (u.a. auch Tim Robbins und Adrian Pasdar) als Elite-Flieger der Marine ab. Die Besten der Besten werden schließlich an der "Top Gun" genannten Marine-Fliegerakademie in Miramar ausgebildet.
Dort landen auch der Draufgänger Pete "Maverick" Mitchell (Tom Cruise) und sein Kumpel Nick "Goose" Bradshaw (Anthony Edwards). Die zunächst spaßige Abwechslung von Flieger-Alltag entpuppt sich jedoch schnell als Konkurrenzschmiede. Besonders Tom "Iceman" Kazansky (Val Kilmer) hat den ungestümen "Maverrick" im Visier. Der bandelt jedoch mit der schneidigen Instrukteurin (Kelly McGillis) an, die ihm auch mal ordentlich in die Parade fährt. Ein tragisches Unglück scheint zudem alle Träume von Pete zunichte zu machen. Ein Einsatz mit echter Feindberührung wird schließlich zur ultimativen Herausforderung: hat Maverick seine Lektion gelernt oder riskiert er das Leben seiner Kameraden?
In Deutschland liefen 1986 parallel "Top Gun" und "Der stählerne Adler" an. Die Entscheidung, in welchen Film man gehen sollte war schon damals schnell gefallen. Tony Scott hat neben dem richtigen Griff in die Besetzungskiste (u.a. spielen eine noch unbekannte Meg Ryan, sowie Tom Skerrit, Michael Ironside und James Tolkan) vor allem das richtige Auge für die unglaublichen Flugaufnahmen, die teilweise auch mit Modellen realisiert wurden, bewiesen. Eine derart freizügige Kooperation mit dem Militär wäre heute sicherlich undenkbar, weshalb diese Szenen wohl auch einzigartig bleiben werden. Zusammen mit dem eingängigen Rocksoundtrack ergibt sich besonders im großen Kino dadurch eine Erfahrung, die noch kein Fliegerfilm - weder vor noch nach "Top Gun" - jemals wieder nachempfinden, geschweige denn verbessern konnte. Welche harte Arbeit daran im Schneideraum geleistet wurde, kann in den Specials der Blu-Ray (s.u.) nachempfunden werden.
Zudem schafft es die Fliegerromanze sowohl bei Jungs als auch bei den Mädchen einzuschlagen. Die separaten Storylines um die Buddy-Actiongeschichte und die Romanze von Maverick sind völlig trennbar und lassen sich sogar in eine Boy- oder Girl-Version von "Top Gun" schneiden (Anm. Ein Experiment, das der Autor einmal erfolgreich durchgeführt hat!).
Abgesehen von wenigem 80-er Jahre Kitsch bleibt "Top Gun" ein zeitloses Testament an dynamisches wie stylisches Filmemachen, das in seinem Motiven genau den Zeitgeist trifft und das Label "Guilty Pleasure" voll verdient hat. Ein Trick, den Tony Scott später noch ein paar Mal erfolgreich wiederholen sollte.

BILD

Top Gun

"Top Gun" wurde auf Super35-Material gefilmt, was den Filmemachern später größere Freiheiten bei den verschiedenen Heimvideoinkarnationen geben sollte. Die originale Seitenverhältnis des Films ist allerdings 2.35:1, welches in dem guten HD-Transfer der Blu-Ray in anamorphen Widescreen vorliegt. Fans, die bisher immer nur ihr altes Vollbild-Vhs-Video zur Sichtung hatten, bemerkten bereits bei der DVD, dass dafür am oberen und unteren Rand Bildinformationen verloren gehen.
Dies ist aber nur ein - sagen wir mal - virtueller Irrtum. Das Super35 Format bietet auf allen vier Seiten mehr Bildinformation als Vollbild oder Widescreen darstellen können. Insofern sieht man nie das komplette aufgenommene Bild des Negativs.
Mit dem anamorphen Widescreen (2.35:1) ist die originale Kino Aspect Ratio so wieder hergestellt, wie sie von den Filmemachern angedacht war. Die Kadrierung ist ziemlich exakt und schneidet - wie oft behauptet - keine Motive wirklich ab! Die Vorlage ist in sehr gutem Zustand und weist kaum analoge Rückstände wie Bildpunkte oder Dreckspuren auf. Aufgrund des Super35 Materials ist allerdings eine teilweise auffällige Körnung (u.a. die Eröffnungsszene auf dem Flugdeck) und eine etwas geringere Schärfe vorhanden. Die Schärfe spielt hier aber trotzdem auf ganz hohem Niveau und bricht nur bei einigen Außenaufnahmen etwas ein. Die Farben sind sehr kräftig und bringen die zahlreichen Filteraufnahmen gut zur Geltung. Der Schwarzlevel ist sehr tief und schön detailreich. Die Kompression arbeitet sauber und zeigt keine Schwächen.

TON

Top Gun

Ausgerechnet bei "Top Gun" wurde wie bei der DVD versäumt, einen richtigen 5.1 Upgrade anzufertigen. Der deutsche Ton liegt nur im Dolby Surroundformat vor. Dieser hört sich sogar recht gut an und hat besonders die deutschen Dialoge gut in die restliche Soundkulisse integriert. Dennoch kann dieser Track nicht mit dem englischen, voll aufgemotzten DTS-HD-Masteraudio 6.1 Ton mithalten. Hier dröhnen einem die Afterburner mit ordentlich Bass in den Ohren, während die F14 Jets durch die Lüfte donnern. Auch der Soundtrack von Harold Faltermeyer rockt hier richtig 'rüber. Die Dialoge sitzen gut im Centerkanal, aber wirken gegenüber der restlichen Soundkulisse ein wenig reduziert. Mit guter Direktionalität werden die Luftkämpfe hier auch in den Surroundkanälen lebendig. Subtilität ist hier aber nicht gefragt. Dafür donnert alles.

EXTRAS

Sämtlich Extras der üppig ausgestatteten Special Edition DVD wurden für die Blu-Ray übernommen.
Der Audiokommentar mit Regisseur Tony Scott, Produzent Jerry Bruckheimer, Autor Jack Epps, Jr., Captain Mike Galpin, Technical Advisor Pete Pettigrew and Vice Admiral Mike McCabe ist eine unterhaltsame wie informative Angelegenheit. Aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven auf den Film wird hier eine Fülle von abwechslungsreichen Details besprochen: Bruckheimer berichtet über die Konzeption des Films und die Kooperation mit dem Militär, während Scott über seine Schwierigen ersten Erfahrungen mit einem großen Studiofilm, von dem er insgesamt sogar dreimal gefeuert wurde. Das Militärpersonal hat natürlich vor allem die korrekte Darstellung der Vorgänge im Auge und flunkert gerne über die Freiheiten, die sich die Filmemacher genommen haben. Ein gut gemischter Track, der in alle Richtungen austeilt.

Das große Centerpiece bei den Extras ist das zweieinhalbstündige Making-of "Danger-Zone", in dem wirklich kein Geheimnis im Schrank bleibt. Von verworfenen ersten Entwürfen, unterschiedlichen Regisseuren und Schauspielern bis zur erst schwierigen aber schließlich sehr guten Zusammenarbeit mit der Marine wird alles erzählt, was man über "Top Gun" jemals wissen wollte. Set-Eskapaden, krasse Konkurrenzspiele zwischen Cruise und Kilmer, erste reale Testflüge in den Kampfjets und vieles mehr wird hier nicht nur in neuen Interviews sondern auch in zahlreichen Dokumentar- und Setaufnahmen belegt. Fehlen dürfen hier natürlich auch nicht die militärischen Hintergrunde, die spezielle Auswahl und Entstehung der Musik sowie letztlich der kulturelle Einschlag des Films nach seinem Kinostart.

Separat zeigt die Dokumentation "Die Besten der Besten" einen Einblick in die echte Marinekampfflieger-Schule und wie die Rekruten dort ihren Alltag erleben. Mit den flashigen Abenteuern des Films hat diese Realität nur noch wenig zu tun. Ein gelungener und - nach dem film - vielleicht sogar nötiger Kulturschock, für alle die sich gleich beim Militär einschreiben wollen.

In der "Vintage-Galerie" finden sich schließlich noch die Originaldokumentationen von 1986 über die Dreharbeiten zu "Top Gun" sowie separate Interviews mit dem jungen Tom Cruise, der sehr beeindruckt aber auch respektvoll von seiner Erfahrung mit den echten Marinefliegern aber auch den Dreharbeiten erzählt. Zusätzlich ist ebenfalls noch Dokumentarmaterial von dem gemeinsamen Übetrlebenstraining der Hauptdarsteller bei den Marines zu sehen.

Eine Multi-Angle-Präsentation zeigt zwei Szenen des Films im Vergleich zu den Storyboards. Optional ist hier ein Kommentar von Tony Scott zuschaltbar. Ein kurzes aber ganz nettes Feature.

Abschließend sind auch die TV-Spots und Trailer sowie die vier Musikvideos zu den prominenten Musikstücken des Films auf der Scheibe zu finden.

FAZIT

Das Upgrade auf Blu-ray ist für Fans des Films, die bereits die DVD und einen großen Fernseher besitzen, lohnenswert. Neukäufer sollten auf jeden Fall zur HD-Version greifen. Bild und Ton holen das Maximum aus der Vorlage heraus. Alle Extras der Special Edition sind ebenfalls vorhanden. Da heißt's "Ready for Takeoff"!



Kay Pinno


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