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Until Death   

Until Death
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Original: Until Death   (USA, GB, BRD, Bulgarien, 2007)
Laufzeit: 103 Minuten (PAL)
Studio: e-m-s
Regie: Simon Fellows
Darsteller: Jean-Claude van Damme, Stephen Rea, Selina Giles, Fiona O'Shaughnessy
Format: 16:9 (2.35:1)
Ton: DD 5.1 englisch & deutsch, DTS deutsch
Untertitel: deutsch
Extras: Spielfilm
Preis: ca. 20 Euro
Wertung: 3+/2-/1- (Bild/Ton/Extras)


"Drogen, Verrat und ein eine zweite Chance"

Totgesagte leben länger. Mit „JCVD“ hat sich Jean-Claude van Damme eindrucksvoll auf der Leinwand zurückgemeldet. Das heißt, in Deutschland hat es für den exzellenten Film dann doch nur zur DVD-Premiere gereicht. Dort hat van Damme in den letzten Jahren seinen einst guten Namen mit Filmen wie „Second in Command“, „Derailed – Terror im Zug“ oder „Wake of Death“ verspielt. Van Damme drehte in Bulgarien, Rumänien, Israel. B-Filme, ohne Wiedererkennungswert. Mögen die ersten Filme nach dem Ende seiner großen Kinokarriere noch einen gewissen Nachhall erzeugt haben, verpufften seine spätere Filme im Zelluloidnirvana.

Das ist bedauerlich, denn vor „JCVD“ überraschte van Damme zumindest jene Fans, die ihm die Treue hielten, mit „Until Death“. Ende 2007 erhielt der Film in Deutschland seinen DVD-Start beim Dortmunder Verleiher e-m-s. Und wer sich denn auf „Until Death“ einließ, wurde von
Jean-Claude Francois Camille van Varenberg, wie Van Damme bürgerlich heißt, positiv überrascht. Vor allem in Hinblick auf „JCVD“ ist dieser Film einen zweiten Blick wert. Nicht zuletzt aufgrund der Rolle, die einen van Damme zeigt, der mit den Helden früherer Filme nicht viel gemeinsam hat.

Jean-Claude van Damme ist Anthony Stowe, ein drogenkranker, psychotischer Cop aus New Oleans. Er ist korrupt und ein verlogener Drecksack. Während er selbst das Gesetz missachtet und für die Menschen in seinem Umfeld nur mehr Verachtung übrig hat, scheut er sich nicht davor zurück, einen Kollegen wegen einer Kleinigkeit kurz vor dessen Pension ans Messer der Dienstaufsicht zu liefern. So bleibt seine Akte sauber. Dabei ist Stowe längst an einem Punkt angekommen, an dem sein Leben auf der Kippe steht. Einzig seine Jagd auf Gabriel Callaghan (Stephen Rea) hält ihn auf der Bahn des Lebens. Gabriel war sein Partner, ein aufrechter Polizist – der eines Tages die Seiten wechselte.

Im Gegensatz zu Anthony hat sich Gabriel allerdings stets an einige Regeln gehalten. So zum Beispiel verkauft er Drogen, aber er nimmt sie nicht. Im Gegensatz zu Anthony. Es passiert also, was passieren muss: Als sich Gabriel und Anthony eines Tages gegenüberstehen – hat Gabriel ein leichtes Spiel. Zusammengeschossen wird Anthony in eine Klinik eingeliefert, er ist mehr tot als lebendig. Doch das Wunder geschieht: Nach Monaten im Koma erwacht Anthony. Sein Körper hat sich von den Drogen befreit, erstmals seit Jahren kann er klar denken. Anthony erkennt, dass ihm das Schicksal eine zweite Chance gibt. Eine Chance, die er dieses Mal nutzen will.

„Until Death“ ist zwar knüppelhart, doch hinter der rauen Schale versteckt sich ein überraschend vielschichtiges Personendrama. Mit Stephen Rea steht van Damme ein anerkannter Charakterdarsteller gegenüber, der schlau genug ist, dem Belgier nicht die Show stehlen zu wollen. Dies ist eine Van-Damme-Show. Rea unterstützt das Spiel van Dammes vielmehr, indem er ihm Raum gibt. Er lässt ihn in den gemeinsamen Szenen agieren und nicht reagieren. Van Damme spielt dabei sein Talent aus und überrascht vermutlich so manch einen Kritiker, denn er zeigt Klasse. Vor allem begeht er nicht den Fehler, den genesenen Anthony als Heiligen darzustellen. Er verwandelt seinen Saulus nicht zum Paulus. Es sind Nuancen, die er ändert. Sehr schön zeigt er auf, wie schmal der Grat zwischen Gut und Böse verläuft.

Van Damm ist nicht Sylvester Stallone, dem mit dem selbstreflektorischen „Rocky Balboa“ ein grandioses Comeback gelang und der mit dem nihilistisch-düsterem „John Rambo“ in den Actionolymp zurückkehrte. Dafür ist „Until Death“ vielleicht eine Spur zu klein. Dennoch ist der Mut des Belgiers bewundernswert. In seiner Konsequenz und Kompromisslosigkeit zerlegt er das Bild des Actionhelden, um es am Ende neu aufzubauen. Er trägt den muskelbepackten Supermann zu Grabe, um einen Menschen auferstehen zu lassen. Fehlerhaft, zwiespältig, faszinierend.

BILD

Until Death

Es fehlt dem Film leider ein bisserl an Schärfe. Die Farbübertragung ist gelungen, Rauschen gibt es so gut wie nicht, aber in den Details, da zeigt sich das Bild leider nicht von seiner besten Seite. Da die Farbdramaturgie auf dunkle Töne setzt, fallen diese Unschärfen leider immer wieder auf. Das ist schade.

TON

Until Death

Am Ton gibt es nicht viel auszusetzen. Der Tonmeister hatte an den (wenigen) Actionszenen offenbar seinen Spaß und hat ihnen einen ordentlichen Bumms verpasst. Leider ein wenig zu viel, denn während dieser Sequenzen klingen die Dialoge zu leise (oder die Actionmomente zu laut, je nach Standpunkt). Die deutsche Tonspur klingt sogar etwas besser als das Original, das hier und da etwas dumpf wirkt.

EXTRAS

Da hat sich e-m-s ein schönes Bonbon ausgedacht. Was tun, wenn die Produzenten nur 08/15-Bonusmaterial wie ein rund 20-minütiges Making of zur Verfügung stellen oder ein Interview mit van Damme? Man fängt an zu kramen. Und in diesem Fall hat e-m-s tief gekramt. Ganz tief. In Untiefen, um ganz genau zu sein. Aber was, was dabei das Licht der Bildröhre erblickt, ist ein Knüller und trägt den Titel „Monaco Forever“. Nie gehört? Kein Wunder. Dieser Film aus dem Jahre 1984 beinhaltet van Dammes erstes Kameraauftritt. Einen Auftritt, den selbst der Belgier gerne aus seiner Filmografie tilgen würde.

Was ist „Monaco Forever“? Nun, „Monaco Forever“ ist ein Sex-Krimi, dem es an zwei Ingredienzien mangelt, die ein Sex-Krimi eigentlich beinhalten sollte. An Thrill und Sex. Der Film ist ein unfassbares Nichts, eine billige, nicht einmal 45-minütige Verschwendung von Videomaterial, dem nicht einmal ein angenehmer Trash-Faktor zugestanden werden kann. Um was es geht, ist eigentlich vollkommen egal, da man(n) als Zuschauer eh nur darauf wartet, dass eine der blonden Darstellerinnen irgendwann ihr Negligee fallen lässt. Was aber nicht passiert, weshalb „Monaco Forever“ nicht im Kabel1-Nachtprogramm ausgestrahlt werden muss, sondern problemlos im Nachmittagsprogramm von Kika laufen könnte. Aber: Van Damme spielt mit. In der Rolle eines schwulen Kampfsportlers gibt er eine Vorstellung auf, nun ja, niedrigstem Niveau. Doch was soll`s? Der Fan schmunzelt und was wäre ein Mann wie van Damme, gäbe es nicht die eine oder andere Leiche im Keller zu entdecken?

Auf der US-DVD gibt es übrigens ein alternatives Ende zu „Until Death“. Das fehlt auf der deutschen DVD. Wie man hört, waren die Lizenzgebühren so hoch, dass der deutsche Verleiher dankend verzichtete. Dies aber ist allerdings ein unbestätigtes Gerücht.

Übrigens liegt dieser Rezension die Doppel-DVD-Veröffentlichung zugrunde. Der Film ist ohne die Extras auch als Single-DVD erhältlich.

FAZIT

„Until Death“ ist ein ansehnlicher Thriller mit Härten, Charakter und einer guten Geschichte. Vielleicht ist er sogar ein Tipp für jene, die van Damme normalerweise nicht viel abgewinnen können!



Christian Lukas


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