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Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All   

Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All
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Original: The Andromeda Strain   (USA, 2008)
Laufzeit: ca. 170 min
Studio: Universal Home Entertainment
Regie: Mikael Salomon
Darsteller: Benjamin Bratt, Eric McCormack, Christa Miller, Ricky Schroeder
Format: 1.78:1 (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch, Fr
Untertitel: Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch
Extras: ---
Preis: ca. 15 Euro
Wertung: 3 / 2-/ 5 (Bild/Ton/Extras)


"It Came From Outer Time And Space"

Robert Wise inszenierte 1972 basierend auf dem Roman von Michael Crichton "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All". Der Film avancierte zum Klassiker, ebenso wie die Romanvorlage, die Crichton 1969 verfasste - im Alter von gerade einmal 28 Jahren.

Aus heutiger Sicht betrachtet ist der von Robert Wise inszenierte Film ein Kind seiner Zeit. Es wird viel über Dinge des Daseins philosophiert, das Wort dominiert die Aktion. Trotz seines exzellenten Rufes unter Filmfreunden ist es heute jedoch nur noch schwer möglich, den Film einem jüngeren (Mainstream-)Publikum nahe zu bringen. Die Sehgewohnheiten haben sich verändert. Der Cineast mag nun motzen und zetern und diese Rezensenten-Äußerung als Missachtung der Begabung des Robert Wise auslegen. Doch letztlich ist die Zahl der Filme, die Jahrzehnte überdauert haben ohne (allzu viel) Patina anzusetzen, am Ende des Tages überschaubar. Und Wises "Andromeda" hat, all seinen Qualitäten zum Trotz, eine nicht unerhebliche Grünspanschicht angesetzt.

Wie gut nur, dass die Romane des Michael Crichton selbst keine messbare Halbwertzeit besitzen. So basiert beispielsweise John McTiernan leider unterschätztes Wikinger-Epos "Der 13. Krieger" aus dem Jahre 1999 auf dem Roman "Die ihre Toten essen" aus dem Jahre 1976. Und wer hätte gedacht, dass die von Crichtin ersonnene, nicht ganz unbekannte TV-Serie "E/R", die 1994 startete, auf seinem Roman "Fünf Patienten" beruht, der 1970 erschien.

Crichtons Geschichten sind, von Ausnahmen abgesehen, zeitlos. Es geht um eine Situation, die gelöst werden muss. Dies ist an sich ein simples Konstrukt, aber Crichton starb 2008 als sehr reicher Mann. Irgend etwas muss er also richtig gemacht haben, oder?

Warum also, dachten sich Ridley und Tony Scott, sollte nicht auch die Ausgangssituation des 1969 erschienenen Romans von Crichton nicht auch im Jahre 2008 noch funktionieren? Flugs produzierten die Brüder für den amerikanischen Kabelsender A&E einen Zweiteiler, dessen Grundstory sich überraschend nah am Crichton-Original orientiert. Die sieht nämlich so aus: Mitten im Nirgendwo der amerikanischen Provinz geht ein Satellit zu Bonden. Ein junges Liebespaar findet den Metallklotz, bringt ihn in die nahe Stadt und kurze Zeit später sind alle Einwohner tot. Mit Ausnahme eines tablettensüchtigen Alkoholikers und eines Babys. Fünf Wissenschaftler werden nun in eine ultrageheime Forschungsstation verfrachtet, in der sie herausfinden sollen, was die Bevölkerungszahl des kleinen Städtchens so rapide hat schrumpfen lassen. Sie arbeiten gegen die Zeit, denn das Virus (sofern es ein Virus ist) breitet sich rasend schnell aus.

Bis hierhin erzählt der Zweiteiler Circhtons Geschichte, dann aber wird das eine oder andere hinzugedichtet. Da gibt es zum Beispiel einen Journalisten, der der Vertuschung der US-Regierung auf die Spur kommt. Ja, die Regierung möchte nämlich nicht, dass eine Panik ausbricht und vertuscht den Vorfall daher - soweit es geht. Und dann gibt es natürlich auch noch eine Verschwörung. Offenbar kommt kein Thriller heutzutage mehr ohne diese Ingredienz aus. Diese Verschwörung mag zwar in vielen Fällen lächerlich erscheinen, wer sich aber auf diese Geschichte einlässt, erhält eine recht radikale Verschwörungsstory serviert. Die nämlich besagt, dass selbst im Angesicht der Apokalypse selbst diese hingenommen wird, wenn sich mit ihr ein ordentlicher Dollar verdienen lässt. Das mag etwas - nun ja - übertrieben wirken, aber man darf nicht vergessen: Dieser Film ist im Jahre 2007 gedreht worden, also mitten in einer Zeit, in der George W. Bush die USA regierte. Und dessen Regierung galt unter Liberalen als so unfähig, dekadent, korrupt, dass man ihr einfach alles - und zwar wirklich alles - zugetraut hat. Wenn man dann bedenkt, dass Drehbuchautoren selten Konservative sind...

Aber zurück zum Zweiteiler. Der ist vielleicht kein Meisterwerk, die Frage aber lautet: Was möchte ich als Zuschauer sehen? Ein Meisterwerk von niemals enden wollender Schönheit, einen Film, über den noch Generationen von Cineasten nur flüsternd zu sprechen wagen? Oder möchte ich mich einfach nur unterhalten? Mit ein bisschen Action hier, einer Verschwörung da, ein wenig Technobabble vorne und etwas Krawall im Hintern?

Wenn ich mich mit Unterhaltung zufrieden gebe, wenn ich nicht die Offenbarung des Heiligen Spielberg erwarte, sondern einfach nur etwas Zerstreuung suche - dann funktioniert "The Andromeda Strain" als ansehnliches Fernsehspiel in zwei Teilen.

BILD

Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All

Das Bild wirkt in vielen Szenen etwas zu scharf. Vor allem die Gelb- und Rotwerte sind einen Tick zu stark, was sich gerade dann bemerkbar macht, wenn bestimmte Spezialeffekte (zum Beispiel Vogelschwärme, die in Gänze im Computer ausgebrütet wurden) über den Bildschirm flattern. Sie sind aufgrund der zu starken Töne schnell als Spezialeffekte zu erkennen.

TON

Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All

Der braucht keine großen Sprünge zu verkraften. Allzu viel Action bietet der Zweiteiler nicht, wenn es aber mal kracht (zum Beispiel beim Absturz eines Flugzeuges), dann wummst es gewaltig. Da gibt es nichts zu bemängeln, der Ton ist solide.



EXTRAS

Welche Extras? Es gibt nicht einmal das übliche PR-Making-of, in dem sich alle Schauspieler lobend über die Visionen ihres Regisseurs äußern und davon berichten, wie sie am Ende der Dreharbeiten alle huelend in den Armen lagen, weil sie nun auseinander gehen mussten. Das übliche Blabla eben. Nein, nicht einmal das gibt es. Nix. Niente. Nothing.

FAZIT

Man muss "The Andromeda Strain" nicht sehen, Zeitverschwendung aber ist ist der Zweiteiler nun wahrlich nicht.



Christian Lukas


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