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Fargo - Blutiger Schnee   (BLU-RAY)

Fargo - Blutiger Schnee
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Original: Fargo   (USA, 1996)
Laufzeit: 98 Minuten (1080p)
Studio: Twentieth Century Fox
Regie: Joel & Ethan Coen
Darsteller: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-Masteraudio 5.1 Englisch DTS Deutsch, Fr, Spa u.m.
Untertitel: Deutsch, Englisch, Fr, Spa u.v.m.
Extras: Kommentar, Making of, Bildergalerie, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2-/ 2-/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Fräulein Coens Gespür für Schnee"

Die Gebrüder Joel und Ethan Coen haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit skurrilen Figuren in absonderlichen Situationen das Publikum zu amüsieren. Bis ihr großer Durchbruch-Erfolg "Fargo" kam, hatten sich die beiden eine respektable Palette an illustren Filmen ("Arizona Junior", "Hudsucker", "Barton Fink", "Millers Crossing") aufgebaut, die ordentliches Talent und einen seltsamen Sinn für (schwarzen) Humor erkennen ließen.
In "Fargo" zementierten sie jedoch eine Erfolgsformel, die seither nur noch variiert und ausgelutscht wurde. Das Erzählen einer Geschichte wurde zugunsten von einem albernen Figuren-Kasperle-Theater aufgegeben, an dem sich die namhaften Schauspieler natürlich erfreuen können. Hier können sie über Stränge schlagen und viel an ihren kuriosen Charakteren herumfeilen. Dass diese Chargiererei nirgendwo mehr hinführen muss und nur noch zu einer Freakshow mutiert, die Genres und Zuschauer gleichzeitig verhöhnt, geht im nervösen Gekicher im Kinosaal unter.
Aber zurück zu "Fargo". In Retrospektive enthüllt der 1996 viel gelobte und später Oscar-überhäufte Film doch zu stark die Masche der Coen-Brüder. Dennoch funktioniert auf einer anderen Ebene und besonders in Anbetracht des filmhistorischen Kontext.
Die Figur von Jerry Lundegaard (wunderbar Wauzi-gesichtig von William H. Macy gespielt) ist eben eine Tragische. Der Gebrauchtwagenhändler hat strategisch geschickt die farblose Tochter seines Boss geheiratet. Sein Ziel nach sozialem Aufstieg ist allerdings gescheitert. Lundegaard bleibt eine Null im Geschäft als auch in der Familie. Um sich endlich unabhängig zu machen hat der wenig vermögende Geschäftsmann einen lukrativen Landschaftsdeal ausbaldowert. Doch um ihn abzuschließen fehlt ihm leider das Geld. So schmiedet er einen gewagten Plan. Er lässt seine Frau von zwei zwielichtigen Typen (Steve Buscemi und Peter Stormare) entführen, um sich das Lösegeld selbst unter den Nagel zu reißen. Doch er rechnet nicht mit der brutalen Tumbheit seiner Komplizen und dem stoischen Ermittlungsdrang der örtlichen Polizeichefin (Frances McDormand).
Die naive Einfältigkeit und geradezu kindliche Schamlosigkeit Lundegaards und die Umkehrung des Tarantino Gangster-Szenarios - statt smart quatschenden, coolen Lebemännern servieren die Coens hier zwei tranige aber gewaltbereite Dumpfbacken, die eben nur auf Kohle aus sind - lassen den Film auch heute noch gut funktionieren. Dass sich Zuschauer an der eigentlich nur selten aufbrandenden Gewalt reiben, ist eher auf die Inszenierung als auf die eigentliche Akte zurückzuführen. Unerwartet und blitzschnell eskalieren hier die Situationen und versetzen einen absichtlich in Schockstarre.
Schwieriger wird's jedoch mit Frances McDormands Polizeichefin Gunderson. Dieser Frau könnte nicht mal ein Atomschlag die komatöse Ruhe aus den Knochen bomben. Traumwandlerisch schwebt diese schwangere (Marien-)Figur durch die verschneite und blutbefleckte Landschaft und wundert sich Kaffee-schlürfend über die böse Gewalt, die in ihrem Paradies für Unruhe sorgt - und das "alles nur wegen einem bisschen Geld". Man fragt sich geradezu von welchem Planeten diese selbstgerechte Apostel-Beamtin gerade eingeflogen wurde. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt aber noch immer einen der skurrilsten Thriller der 90-er Jahre zu sehen.

BILD

Fargo - Blutiger Schnee

Der anamorphe Widescreentransfer (1.85:1) basiert auf einer guten Vorlage, die nur wenige Bildpunkte und kleine Unsauberkeiten im Print enthält. Schärfe und Kontrast holen aus dem Material das Beste heraus, aber können qualitativ nicht an aktuelle Produktionen heranreichen. Besonders auffällig ist aber der Unterschied zwischen den deutlich stärker verkörnten Außenaufnahmen und den klareren Innenaufnahmen, die ein gutes Kontrastverhältnis aufweisen und auch sehr gut detailliert sind. Die Farben sind sehr kräftig und teilweise, trotz der eigentlich etwas blassen Palette, etwas zu grell. Der Schwarzlevel ist allerdings sehr gut und lässt auch in dunklen Bereiche alle Details gut erkennen. Die Kompression arbeitet unsichtbar.

TON

Fargo - Blutiger Schnee

Der DTS-Sound liefert eine gute Vorstellung ab und verstreut die an sich im Film reduzierte Soundkulisse gut über alle Kanäle. Viel direktionale Aktivität ist hier natürlich nicht vorhanden. Wenn jedoch mal geschossen wird, dann ist die Effekt-Auflösung gut. Die Musik reibt sich hier stimmungsvoll unter die gesamte Soundkulisse, während die Dialoge sicher im Centerkanal plaziert sind. Ein solider Track ohne große Überraschungen.

EXTRAS

Für die Blu-Ray wurden endlich auch die Specials der US-Scheibe übernommen. Den Audiokommentar spricht Kameramann Roger Deakins, der neben den technischen Details der Produktion tatsächlich auch viele Kleinigkeiten der Cohens und der Schauspieler vom Dreh in Erinnerung behalten hat. Besonders die Schwierigkeit, in einem der wärmsten Winter in Minnesota zu drehen, ist ein zentrales Thema. Für einen Kameramann-Track angenehm unterhaltsam.
Das "Making of" ist eine wirklich gelungene Retrospektive Betrachtung des Films, bei dem alle Hauptdarsteller und auch die Cohens dabei sind. Von den schauspielerischen ansätzen über das Phänomen "Fargo" bis zur Oscar-Verleihung kommt hier alles Wichtige in Sachen "Fargo" zur Sprache. Eine kompakte wie gelungene Featurette.
Zusätzlich sind auch noch der Kinotrailer sowie eine Bildergalerie zum Film vorhanden.

FAZIT

Mit ihrem Independent-Überraschungserfolg "Fargo" haben sich die Coen-Bruder in der vorderste Reihe Hollywoods geschossen. Ihre klassische Erfolgsformel - skurrile Typen in noch skurrileren Situationen - haben sie hier bereits festgelegt. Die Blu-Ray ist keine große Offenbarung, aber eine mehr als solide Umsetzung des grimmigen Thrillers. Da der Film auf DVD bisher nur in schwachen Bare-Bones Editionen verfügbar war, ist die Blu-Ray die sicherlich beste Version von "Fargo".



Kay Pinno


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