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Anatomie 2   

Anatomie 2
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Original: Anatomie 2   (BRD, 2002)
Laufzeit: 97 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: Stefan Ruzowitzky
Darsteller: Barnaby Metschurat, Horst Knaup, Heike Makatsch, Wotan Wilke Möhring u.v.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras: Kommentar, Making of, entf. Szenen u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1 / 2 / 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Ihr macht mich alle krank!"

Gibt es einen erfolgreichen deutschen Horrorfilm der nicht von Friederich Wilhelm Murnau oder Fritz Lang ist? Nach dem seltsamen Zufallserfolg von Stefan Ruzowitzkys “Anatomie” wäre sogar fast der Begriff “deutscher Genrefilm” gefallen. Doch wie wenig die Macher des Films die Anatomie des Horrorfilms studiert haben, zeigt sich erst in diesem Sequel, das augenscheinlich nur wenig mit dem Vorgänger gemein hat. Assistenzarzt Jo (Metschurat) will in Berlin unbedingt Erfiolg haben, um seinen an Muskelschwund leidenden Bruder vielleicht helfen zu können. “Und am Ende des Tages ist nichts unheilbar”, prophezeit der selbstherrliche Professor Müller La Rousse (Herbert Knaup hat sichtlichen Spaß am Overacting!) dem ehrgeizigen Mediziner. Schon bald landet Jo in der elitären Forschergruppe um den renommierten Dozenten. Hier wird mit künstlichen Muskeln experimentiert - und zwar am lebenden Subjekt! Zuerst ist Jo mehr als beeindruckt von den enormen wie illegal erreichten Fortschritten. Doch schon bald muss er erkennen, dass die Erfolge einen viel zu hohen Preis kosten - nämlich das Leben der Studenten. Versehen mit etwas medizinischem Gore möchte “Anatomie 2” weniger durch Effekthascherei als durch die manipulative Stimmung in der Forschungsgruppe schocken. Die Mitglieder (u.a. Heike Makatsch und August Diehl) versuchen alles, um dem wahnsinnigen Erfolgsplan des “Mad Scientist” Müller-La Rousse zu erfüllen. Das Aufkommen faschistischer Tendenzen bis zur grenzdebilen Über-Rassen-Fantasie künstlicher Supermenschen werden dabei recht gut ausgespielt. Leider wird dieser interessante Aspekt völlig von der comichaften Inszenierung und einigen erheblichen Drehbuch-Schwächen ausgebremst. Besonders die Rolle des besessenen, blonden Luders in Gestalt von Heike Makatsch (ganz originell!) ist völlig dämlich und obendrein verschenkt. Viel zu wenig wird die Gruppendynamik des jungen Forscherteams ausgelotet. Gleich zu Beginn weiß der Zuschauer, wer welche Rolle spielt und daran ändert sich im ganzen Film einfach gar nichts. “Anatomie 2” hätte sicherlich ein interessanter Film über die Entwicklung faschistischer Enklaven in Hochschulen werden können. So bleibt nur der schale Geschmack eines überzogenen Kasperletheaters zurück. Re-Animation misslungen - Patient tot.

BILD

Anatomie 2

Im Gegensatz zum Film selbst gibt es an der DVD-Umsetzung eigentlich nichts zu meckern. Das anamorphe Widescreenbild (2.40:1) ist gestochen scharf und die Vorlage ist fehlerfrei. Dreckspuren oder Abnutzungen des analogen Filmmaterials sind nicht vorhanden. Die Farben sind äußerst kräftig und lassen besonders die Krankenhausatmosphäre und die roten OP-Anzüge fast surreal erscheinen. Der Schwarzlevel ist sehr tief aber trotzdem detailreich. Auch kleinere Elemente bleiben an dunklen Stellen im Hintergrund sichtbar. Die Kompression bleibt ebenfalls stabil und lässt keine Artefakte oder zusätzliches Grieseln aufkommen. Ein sehr guter Transfer.

TON

Anatomie 2

Auch der Surroundsound in Dolby Digital 5.1 könnte sich sicherlich in einem OP hören lassen. Bei den rockigen Soundtrackstücken werden alle Kanäle voll ausgenutzt. Die Soundstage ist immer offen und der Zuschauer hat wirklich oft das Gefühl, sich tatsächlich in einem Krankenhaus zu befinden. Hintergrundgeräusche und Lautsprecher-Durchsagen wurden geschickt über die Effektkanäle verteilt. Die Dialoge - fest im Center positioniert - sind aber immer gut verständlich. Gezielt direktionale Effekte finden allerdings nur selten im Film statt. Ohne große Überraschungen entfaltet die Tonspur ihre Qualität eher im subtilen Bereich und hat damit auch Erfolg.

EXTRAS

Auch bei dem letzten Titel aus der deutschen Columbia Produktionsstätte wurde bei der DVD-Ausgabe nicht gekleckert sondern geklotzt. Der laufende Audiokommentar mit Regisseur Stefan Ruzowitzky und Hauptdarsteller Barnaby Metschurat ist tatsächlich ein wirklich lohnenswerter Hör- und Sehgenuss. Mittels einer Art Split-Screenverfahren kann sowohl der Film als auch die Kommentarsitzung von Metschurat und Ruzowitzky verfolgt werden. Beide Teilnehmer sind sehr offen über das Projekt und haben genug Rückgart um sich auch gegenseitig kritisieren zu können. In angenehm lockerer Gesprächsform werden hier viele Produktionsanekdoten preisgegeben. Ein unerwartet guter Track. Insgesamt vier Minuten an geschnittenen Szenen kommentiert das Duo zusätzlich in einer weiteren Abteilung der Extras. Hier gibt es eigentlich nichts spektakuläres zu sehen, außer das sich Metschurat dank künstlicher Muskeln wie piderman bewegen kann. Das 17-minütige “Making of” entspringt der PR-Abteilung, aber bietet trotzdem einige kleine Highlights. Hier enthüllt Ruzowitzky endlich das Geheimnis der “Loge”. Für drei Szenen wurde ein Vergleich zwischen den Probeaufnahmen und dem fertigen Film zusammengestellt. Die eigentlich interessante Idee, wird aber völlig verschenkt, da die drei Szenen schlecht ausgewählt und auch jeweils nur ein Probeaufnahmen-Take vorhanden ist. Schauspielimprovisation lässt sich daran kaum nachvollziehen. Richtig drollig ist die Abteilung “Menü-Shooting”. Dies ist ein kleines “Making of” der Dreharbeiten zu den bewegten Menüs der DVD. Hier wird mal gezeigt, dass in den oft übersehen Zwischensequenzen der Menüführung wirklich viel Arbeit stecken kann. Zum Schluss gibt es noch den obligatorischen Trailer, eine Bilder- und Artworkgalerie.

FAZIT

Der Versuch mit diesem Sequel an den unerwarteten Erfolg von “Anatomie” anzuknüpfen misslang. Die DVD-Umsetzung ist jedoch ein echter Kunstgriff. Gute Qualität gepaart mit zahlreichen substantiellen Extras ergibt einen unterhaltsamen Abend im heimischen Multimedia-Operationssaal. Einen Weg in die Videothek ist das allemal Wert.



Kay Pinno


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