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State of Play - Mord auf Seite 1   

State of Play - Mord auf Seite 1
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Original: State of Play   (Großbritannien, 2003)
Laufzeit: ca. 300 min (PAL)
Studio: Polyband
Regie: David Yates
Darsteller: David Morrisey, John Simm, Bill Nighy
Format: 1.78:1 (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: ---
Extras: ---
Preis: ca. 18 Euro
Wertung: 4 / 2-/ 5 (Bild/Ton/Extras)


"Kein Harry Potter - ohne Russell Crowe?"

"State of Play" von David Yates? Moment, hat nicht Kevin Macdonald ("The Last King of Scotland") den Film gedreht? Ja, das ist richtig. Und David Yates, ist das nicht der Regisseur, den die Produzenten von "Harry Potter" aus dem Arm schüttelten, als sie den Regiestuhl des fünften Teils zu besetzen hatten? Ist er nicht jener - jenseits von Fachkreisen - vollkommen unbekannte britische Fernsehregisseur, der über Nacht in die Riege anerkannter Big-Budget-Regisseure aufstieg? Und "State of Play?" - da spielen doch Russell Crowe und Ben Affleck die Hauptrollen. Oder etwa nicht?

Ja ja, das ist alles richtig. Dennoch ist David Yates ebenfalls der Regisser von "State of Play", allerdings ohne einen Hauptdarsteller namens Russell Crowe - denn "State of Play" ist eben nicht nur der Titel eines Hollywoodthrillers, sondern auch eines britischen Sechsteilers aus dem Jahre 2003. Der lief in Deutschland zunächst auf arte, im Zuge der Veröffentlichung seines Hollywoodremakes aber hat auch das britische Original den Weg auf deutsche Silberlinge gefunden.

Worum geht es?

Stephen Collins (David Morrisey) ist ein junger, aufstrebender Labour-Politiker. Seine Karriere scheint nichts aufhalten zu können, bis ihn der Tod einer Assistentin aus der Bahn wirft. Stephen gesteht der Öffentlichkeit eine Affäre mit seiner Mitarbeiterin ein, worauf ihn seine Frau verlässt. Die Klatschpresse greift den Fall auf, Collins gerät ins Visier der Schmierenblätter.
Rückendeckung erhält er von seinem Freund Cal McCaffrey (John Simms), der ist Journalist beim angesehenen "Herald" und er weiß, dass Stephen, allen Verfehlungen zum Trotz, ein ehrlicher Politiker ist. Karrierebewusst, sicher, aber er ist ein Politiker der nie vergessen hat, dass es sein Job ist den Menschen, die ihn gewählt haben, zu dienen. Daher informiert ihn Cal, dass der Unfalltod seiner Assistentin möglicherweise mit dem Mord an einen jungen Drogenhändler in Zusammenhang stehen könnte.
Stephen ist irritiert. Er beginnt Nachforschungen über seine Assistentin anzustellen, die ihn sehr schnell auf die Spur einer amerikanischen Ölfirma bringt, die offenbar daran interessiert war, eine Person in seinem Umfeld zu positionieren, denn als Sprecher des Energieausschusses verfügt Stephen Collins über mehr Macht als ihm selbst bewusst ist.
Auch Cal McCaffrey bleibt nicht untätig. Er recherchiert eine Geschichte, die bald schon Pressegeschichte schreiben könnte. Wie gesagt: Könnte...

"State of Play - Mord auf Seite 1" ist kein Thriller der lauten Töne. Die Geschichte zeigt vielmehr die Beliebigkeit von Verschwörungen auf. Mehr noch: Die Geschichte erzeugt das unschöne Gefühl, dass all das, was hier gezeigt wird, keinesfalls eine aufregende Fiktion darstellt, sondern eher langweilige Realität. Die Figuren, die hinter den Kulissen die Strippen ziehen, sind keine Weltverschörer, keine Illuminaten, die den Lauf der Welt verändern wollen. Sie sind von einer solch liderlichen Gewöhnlichkeit, dass dies fast erschreckender wirkt als die entfernte Möglichkeit, dass vielleicht doch eine umfassende Weltverschwörung unsere Geschicke lenkt.

In einer der beeindruckendsten Sequenzen des Sechsteilers muss sich der Chefredakteur des "Heralds" vor einem der Anteilseigner für seine Recherchen rechtfertigen. Während des Gespräches geht es nicht etwa um Wahrheit, um krumme Geschäfte hinter den Kulissen der Politik, um Wählerbetrug. Nein, es geht um Recherchekosten, die gedeckelt werden müssen - und um Sendefrequenzen. Da der Verlag zwei neue Frequenzen für sein Privatradio benötigt, möchte man in der Politik niemand verärgern. In nur einer einzigen Szene zeigt Regisseur Yates auf, wie wirtschaftliche Interessen Politik und Medien unterlaufen, wie die Wahrheit niemanden interessiert, wie krumme Geschäfte sogar stillschweigend geduldet werden. Oder, wie ein Politiker so schön (sinngemäß) sagt: Was interessiert mich, was die Ölindustrie anstellt, solange die Benzinpreise unten bleiben.

Allein zwei Dinge misslingen Yates: Zum einen lässt er in der Figur einen affektierten Wirtschaftsberaters Humor in die Geschichte einfließen. Das geht, milde ausgedrückt, in die Hose. Nicht nur, weil Humor in der Geschichte vollkommen fehl am Platze wirkt. Yates hat schlicht kein Gespürr für Humor. Er weiß, wie man eine komplexe Geschichte erzählt, aber das Humoristische ist seine Stärke nicht. Zum Zweiten lässt er Cal eine Affäre mit der Frau von Stephen Collins eingehen. Das ist so weit in Ordnung, so lange diese Geschichte einen Sinn ergibt. Auf die Dauer aber wirkt diese Nebenhandlung ermüdend, da, sobald sie einmal etabliert ist, keiner ständigen Wiederholung bedarf. Sie füllt vor allem Sendezeit. Und das ist ärgerlich.

BILD

State of Play - Mord auf Seite 1

Der Transfer ist nicht sonderlich gut gelungen. Das Bild wirkt oft matschig und vergrieselt. Die Farbdramaturgie (Grau/Silbertöne, keine hellen Farben) lässt das Bild eh blass wirken. Es lässt sich nicht eroieren, ob Yates digital gearbeitet hat. Da aber kaum Kunstlicht auszumachen ist, ist davon auszugehen. Digital zu arbeiten hat den Vorteil, in Nachtszenen auch ohne aufwändige Beleuchtung ein ordentliches Bild zu produzieren. So bietet "State of Play" im ersten Teil eine erstaunlich gut inszenierte Krankenhaussequenz, die sich fast ausschließlich in einem dunklen Treppenhaus abspielt. Diese Szene ist brillant, eben weil sie in Dunkelheit spielt, dennoch nicht ein Detail des Bildes im Dunkel untergeht. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass vor allem die Außenszenen (am Tage) grieselig wirken.

TON

State of Play - Mord auf Seite 1

Da an den Sound keine allzu großen Anforderungen gestellt wird, gibt es wenig zu bemängeln. Die deutsche Synchro wirkt etwas dumpf, was aber nicht an der DVD-Qualität liegt, sondern eher an der simplen Synchro, die im Auftrag von arte entstanden ist. Die Stimmen sind zwar klasse ausgewählt, aber hier und da fehlt es an Atmosphäre.

EXTRAS

Ein Punkt, der wirklich keine gute Benotung zulässt. Es gibt nämlich keine. Außer dem englischen Ton. Der aber ist nicht einmal deutsch untertitelt.

Übrigens, die britische DVD gibt eine Laufzeit von 340 Minuten an, die deutsche von 300. Da die Einzelepisoden auf den deutschen Silberlingen allerdings allesamt jeweils über 50 Minuten lang sind, kommt die deutsche Lauflänge auf ca. 310 Minuten. Fehlen also immer noch 30 Minuten.

Da die Originalversion nicht vorliegt, lässt sich nicht genau sagen, wie diese unterschiedlichen Lauflängen entstanden sind. Vermutung: Die BBC neigt zu der unschönen Angewohnheit, eigene TV-Serien für den internationalen Verkauf den internationalen Sehgewohnheiten anzupassen. Das heißt, bei varrierenden Episodenlauflängen, wie offenbar bei "State of Play" der Fall, werden diese Episoden auf Einheitslängen heruntergeschnitten. Das ist böse und gemein, aber deutsche Verleiher können da wenig machen, da diese auf das Material zurückgreifen müssen, dass ihnen die BBC zur Verfügung stellt.

FAZIT

Eine hervorragende Serie (mit einigen Schwächen) auf einem eher schwachen Silberling. Das tolle Spiel von David Morrisey alleine aber macht diese Serie zu einem Muss für alle Freunde britischer TV-Kost!



Christian Lukas


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