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Gladiator SE   (BLU-RAY)

Gladiator SE
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Original: Gladiator   (USA, 2000)
Laufzeit: 155 / 172 Minuten (1080p)
Studio: Universal
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielson, Oliver Reed, Richard Harris u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-Masteraudio 5.1 Englisch DTS 5.1 Deutsch, Englisch, Fr, It, Spa
Untertitel: Deutsch, Englisch, Fr, It u.v.a.
Extras: 2 Kommentare, Trivia-Track, Making of, u.v.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2 / 1 / 1- (Bild/Ton/Extras)


"Rom sehen und sterben!"

Mit seinem “Gladiator” meldete sich Ridley Scott zu Beginn des neuen Jahrtausends mit einem Knall zurück. Nachdem er 1992 mit seinem gigantischen Kassenflop “1492 - Conquest of Paradise” und den Filmen “White Squall” und “GI Jane” in den 90-ern von Kritik und Publikum schon geistig in Rente geschickt wurde, setzte Scott mit seinem Sandalen-Epos wieder zu einem Höhenflug an, der bis heute anhält. Aber im Gegensatz zu seinem aktuellen Ausflug in die Vergangenheit mit “Königreich der Himmel”, der für die Kinoauswertung um über eine halbe Stunde erleichtert wurde, kam “Gladiator” seinerzeit relativ ungeschoren davon. Für die nun vorliegende Blu-Ray hat man sowohl die Kinofassung als auch die Extended Special Edition mit 17 zusätzlichen Minuten, die in der Kinofassung der Schere zum Opfer fielen, auf die Scheibe gepresst. Die Geschichte um den abtrünnigen römischen General Maximus (Russell Crowe), der als Sklave in Nordafrika landet und später als gefeierter Gladiator nach Rom zurückkehrt, um sich an dem königlichen Emporkömmling Commodus (Joaquin Phoenix) zu rächen, gewinnt in der längeren Fassung noch an Größe, Gewicht und Plausibilität. Viele schöne Charaktermomente geben den Beziehungen zwischen den Figuren noch mehr Tiefe. Wenn Maximus nach der Schlacht in Germanien zwischen seinen verwundeten und verstümmelten Truppen umherläuft oder Commodus die Büste seines geliebt verhassten Vaters demoliert, werden die tiefen Wunden dieser Figuren um so deutlicher. Auch Maximus Gladiatoren-Gefährten bekommen ein wenig mehr Raum und lassen den in der Kinofassung etwas knapp abgehandelten Todeszirkus von Geschäftsmann Proximo (Oliver Reed) lebendiger wirken. Ein großes Plus ist allerdings der Hintergrund der römischen Verschwörung gegen Commodus. Hier wird ganz klar gesagt, dass der wahnsinnige Herrscher Rom mit seinen Spielen in den Untergang wirtschaftet. War “Gladiator” schon vorher ein gewaltiges, melodramatisches Epos, das Elemente des alten Hollywood-Kinos in das technische Gewand des neuen Milleniums steckte, so bestätigt diese Langfassung den Film als großen modernen Klassiker, der sich nicht hinter Vorbildern wie “Ben Hur” oder “Spartacus” verstecken muss.
Im Vergleich zu seiner direkten Vorlage "Der Untergang des römischen Reiches" setzt "Gladiator" seine Akzente allerdings anders. Statt großer Gesellschaftskritik an einem System, das an Gier und Dekadenz nach und nach erstickt, steht hier vor allem der mediale TV-Aspekt der Gladiatorenkämpfe als Propaganda im Vordergrund. Beide Filme funktionieren deshalb unterschiedlich, wenngleich sie fast die gleiche Geschichte erzählen.

BILD

Gladiator SE

Bereits im Vorfeld der Blu-Ray Veröffentlichung wurden Stimmen laut, die von exzessiver DNR-Benutzung und Edge-Enhancement sprachen, die das Bild teilweise völlig verstellten und sogar Bildinhalte "versehentlich" löschten.
Bei eigener Betrachtung per HD-Beamer auf einer Bildbreite von 2,3 Metern muss man die erhobenen Anschuldigungen deutlich relativieren. Das Ausgangsmaterial sieht erstmal sehr gut aus und zeigt immer noch(!) ein paar kleine Bildpunkte und auch in einigen Hintergründen leichtes Filmkorn. Ähnlich wie "300" besitzt "Gladiator" einen sehr speziellen, harten Look, der durch desaturierte Farben, harsche Kontraste und auch eine leichte Körnigkeit auffällt.
Erst bei der Schärfe wird es etwas schwierig. Hier gibt es auf der großen Bildfläche tatsächlich einen etwas deutlicheren Unterschied zwischen dem originalen (älteren) Material und den neuen Szenen der Extended Version. Hier scheinen die Details in den Hintergründen und bei der Kleidung doch deutlicher hervorzutreten als bei den Szenen der Kinofassung, denen der letzte Schärfegrad etwas zu fehlen scheint. Dennoch ist dies nur bei recht genauer Betrachtung und auf einer großen Guckfläche wirklich sichtbar. Ein plötzlicher "radikaler" Qualitätswechsel findet hier nicht statt. Auf kleineren Bildschirmen dürfte dies indes kaum ins Gewicht fallen. Die Farben sind im gesamten Film absolut kräftig und solide. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber kratzt aufgrund des kontrastreichen Looks stark an der Grenze des Machbaren. Details drohen hier schon etwas im Hintergrund zu verschwinden. Dies ist allerdings hauptsächlich dem Look des Films geschuldet. Die Kompression bleibt trotz der vollgepackten Scheibe unauffällig.
Zur Online-Diskussion um das HD-Bild von "Gladiator" muss mal festgestellt werden, dass hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Sicher hätte das Bild noch einen Tick besser sein können. Dennoch ist der Transfer absolut keine Durchschnittsware. Die zudem Online beschworenen Verschwinde-Effekte durch DNR sind im bewegten Bild jedenfalls nicht erkennbar.

TON

Gladiator SE

Versehen mit enormen DTS-Tracks kann "Gladiator" seine Surround- und Klangkarten voll ausspielen. Besonders der englische DTS-HD-Masteraudio 5.1 Track wimmelt in den Surroundkanälen vor kleinen Details und einer guten räumlichen Aufteilung. Vom Hufgetrappel und den klirrenden Geräuschen der Legionäre in Germanien bis zur großen Soundkulisse im Circus Maximus(!) läuft der Track immer mit voller Dynamik und guter Bassunterstützung. Auch die leiseren Dialogszenen mit der ruhigen Musik von Hans Zimmer entfalten hier ihre volle Wirkung. Die Dialoge kommen immer gut verständlich aus dem Centerkanal. Störende Überlappungen gibt es nicht.
Audiotechnisch liegt mit "Gladiator" echtes Demo-Material in HD-Sound vor.

EXTRAS

Für die interaktiven Extras auf der "Gladiator"-Blu-Ray wurde ordentlich gewerkelt. Sämtliche Extras der vorherigen Editionen lassen sich hier in unterschiedlicher Form abrufen und wurden zudem essentiell ergänzt.

Auf der ersten Filmscheibe befinden sich zunächst beide Filmfassungen mit ihrem jeweils eigenem Kommentar.
Zur Kinofassung unterhalten sich Regisseur Ridley Scott, Kameramann John Mathieson und Editor Pietro Scalia über den massiven Aufwand, das Sandalenspektakel auf die Leinwand zu bekommen. Hier werden besonders das Zusammenspiel von inhaltlichen und stilistischen Entscheidungen diskutiert. Weniger technisch als mehr von einem künstlerischen Standpunkt aus besprechen die drei ihre Herangehensweise an den Film. Dabei kommen auch ausführlich die Kürzungen für die Kinofassung zur Sprache. Ein absolut informativer Track, der kaum eine Pause aufweist.
Nur wenn die Kinofassung ausgewählt ist hat man Zugriff auf die geschnittenen Szenen (die ja - bis auf eine - in der Extended Version vorhanden sind). Hier kann man sich die Segmente nochmals einzeln und mit optionalen Kommentar von Ridley Scott ansehen.

Die Extended Version begleitet ein zweiter Audiokommentar mit Regisseur Ridley Scott und Hauptdarsteller Russell Crowe. Beide Stars unterhalten sich angenehm entspannt und sehr enthusiastisch über das Projekt, das vielen seinerzeit als Hirngespinst vorkam. Besonders Crowe zeigt sich ausgelassen und ist nie verlegen, zahlreiche herrliche Anekdoten über sich und seine Schauspielkollegen zu erzählen. Gemeinsam mit Scott plaudert er aber auch viel über die Hintergründe der Figuren und die Erfahrungen am Set. Technische Aspekte werden hier aber größtenteils ausgespart. Fast ohne Pause plauschen die beiden Freunde über die gesamte Länge des Films. Ein sehr guter Track, der wieder einmal zeigt, dass zwei Personen vor einem Kommentar-Mikrofon doch besser funktionieren.

Über das U-Control-Feature ist auf der Filmdisc der geschichtsträchtige Trivia-Track “Seit ihr nicht unterhalten?” zum Film zuschaltbar. Hier werden in einem Infokasten Fakten rund um die römische Geschichte, die römischen Kaiser und detaillierte Einzelheiten zu den Gladiatoren angezeigt. Zwischendurch werden aber immer noch ein paar Infos zu den Filmemachern und Schauspielern sowie verschiedene “Histörchen” vom Set preisgegeben. Ein starkes Feature, dass den Kommentar sehr gut ergänzt.
Links darüber befinden sich in einem ausklappbaren Fenster die "Schriftrollen des Wissens". Hier lassen sich den Filmszenen thematisch zugeordnete Videoclips mit historischen Einschätzungen und Kommentaren von wissenschaftlichem Fachpersonal anwählen. So kann man sich gezielt über einzelne Aspekte der historischen Gegebenheiten dezidiert informieren.
Auf der rechten Seite des U-Control-Features befinden sich die "Visionen aus dem Elysium" (ebenfalls in einem ausklappbaren Fenster): während der Film läuft, werden bestimmte Themen aus dem Extramaterial der 2. Disc angezeigt. Diese genau ausgewählt und abgespeichert werden, damit man später beim Einlegen der zweiten Disc einen schnellen direkten Zugriff auf die ausgewählten Bereiche hat, ohne sich groß durch Menüs und Untermenüs zu klicken oder die Dokumentationen zu durchforsten.
Insgesamt etwas unglücklich ist das Layout des U-Control Features. Wer diese Extras nutzen möchte, verdeckt sich damit zum Großteil die Sicht auf den Film, was doch sehr schade ist.

Auf der zweiten Scheibe befindet sich der Hauptanteil Bonusmaterial. Über das "Visionen aus dem Elysium"-Feature können hier die beim Film ausgewählten Themebereiche direkt aufgerufen und sogar an einem Stück zusammen abgespielt werden.

Die große Dokumentation “Stärke und Ehre: Die Welt von Gladiator” (ca. 197 Min.) ist natürlich hier zu finden. Sie kann sowohl komplett als auch in den einzelnen sieben Kapiteln abgespielt werden. Ähnlich wie bei den gigantischen Dokumentationen bei der “Herr der Ringe”-Trilogie sind alle Beteiligten Personen vor der Kamera zu sehen. Zahlreiche Interviews, die teilweise am Set aufgenommen wurden und sich teilweise auch sehr kritisch geben, mischen sich mit guten On-Set-Aufnahmen, die ein gutes Gefühl der anstrengenden Arbeit am Set vermitteln. Von der ersten Idee bis zum finalen Triumph bei der Oscarverleihung 2001 werden so ziemlich alle Geheimnisse hinter “Gladiator” gelüftet. Hübsch ist dabei, dass sich ein ganzes Segment mit dem plötzlichen Tod von Oliver Reed und den daraus resultierenden Komplikationen für die Produktion beschäftigt. So müssen gute “Making of”-Dokumentationen sein.

Mit dabei sind schließlich die letzten “Ausgelassenen Szenen” sowie Infos zum Produktionsdesign und das Werbematerial zu “Gladiator”. Die vier ausgelassenen Filmsequenzen handelt es sich um ganz unterschiedliche Elemente. Der “Alternative Vorspann” ist ein wirklich aufwendig produziertes Unikat, das im Kino sicherlich eine große Wirkung gehabt hätte. Die Szene wird von einem Interview und Behind-the-Scenes Material begleitet. Die “Blutvision” zeigt eine alternative Sequenz, die nicht fertiggestellt wurde und auch in der “Treasure Chest”-Montage der geschnittenen Szenen, die hier leider nur in erstaunlich schlechter nicht-anamorpher Qualität vorliegt, zu finden ist. Auf seiner Flucht hat Maximus plötzlich eine Vision der Ermordung seiner Familie. Der aufregende “Nashorn-Kampf” existiert schließlich nur als Storyboard, da die Szene aus Kostengründen verworfen wurde. Zusätzlich gibt’s auch noch die Testaufnahmen eines digitalen Nashorns aus den Tippetstudios zu sehen. “Wählt eure Waffen” ist eine kurze Erweiterung der Szene kurz vor dem ersten Gladiatorenkampf. Maximus gibt seinem Freund Juba ein paar Tipps. Besonders der Nashorn-Kampf wäre sicherlich eine tolle Actionsequenz im Film gewesen, die letztlich aber auch nicht vermisst wird.

Die "Aurelianischen Archive" enthalten zum Großteil die Special Features der ersten Special Edition von "Gladiator" wie das originale Standard-Making-of und verschiedene kleinere Featurettes. Dazu haben sich allerdings noch neue Videoclips gesellt. So darf man Russel Crowe beim Herumalbern am Set beobachten oder wie er nach einer "Gladiator"-Premiere einem Kinosaal voll einheizt.
Hinter den “FX-Untersuchungen” verbirgt sich ein knapp 24-minütiges Video, dass die Arbeit der digitalen Effekte vom “Compositing” (Vermischen verschiedener Bildquellen für eine Aufnahme) bis zu den digitalen Komparsen beleuchtet.

In “Produktionsdesign-Entwurf: Arthur Max” (ca. 9 Min.) äußerst sich der titelgebende Künstler über die Arbeit an “Gladiator”. Hier wird auch noch einmal die detailverliebte Arbeit an den Sets und den Dekorationen deutlich. Storyboard-Zeichner Sylvain Despretz erklärt in “Storyboard-Vorführung” (ca. 14 Min.) ebenfalls detailliert seine schwierige Kunst. Anhand von drei Storyboard-zu-Film Vergleichen erläutert er per Kommentar den praktischen Nutzen und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Storyboards. Mehrere Bildergalerien mit Fotos, Storyboards, Produktionsdesigns und Entwürfen sowie eine Trailergalerie beschließen das Bonusmaterial.

FAZIT

"Gladiator" auf Blu-Ray ist trotz lauten Online-Unkenrufen ein phänomenales Erlebnis geworden. Dem Transfer fehlt zwar ein Quentchen zur deutlichen Brillanz, aber von einem Fiasko zu sprechen, wie dies zur Zeit vielfach geschieht, ist absolut lächerlich. Die Extras setzen außerdem eine noch zu übertreffende Bestmarke und der HD-Sound lässt das Wohnzimmer beben. Obendrein sind auch beide Fassungen des Films auf einer Scheibe vorhanden. So mögen die Spiele beginnen!



Kay Pinno


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