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Spooks - Code 9   

Spooks - Code 9
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Original: Spooks - Code 9   (Großbritannien, 2008)
Laufzeit: ca. 294 min
Studio: kudos Film and Television
Regie: Toby Haynes, Brendan Maher, Mat Whitecross
Darsteller: Andrew Knott, Heshima Thompson, Liam Boyle, Ruta Gedmintas, Georgia Moffett
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 2.0 Englisch
Untertitel: --
Extras: --
Preis: ca. 6 Euro
Wertung: 2-/ 3 / 5 (Bild/Ton/Extras)


"Was hat die BBC denn da geritten?"

„Spooks – Code 9“ ist eine Serie, die deutschen Fernsehkonsumenten ein gutes Gefühl gibt. Machen wir uns nichts vor: Deutsche TV-Serien wissen selten zu überzeugen. Gute Ansätze werden regelmäßig von überkorrekten Fernsehräten kaputt geredet. Überambitionierte Hauptdarsteller(innen), das fehlende Gespür für eine episodenübergreifende Dramaturgie, all das macht deutsche TV-Serien unanguckbar. Und das gilt nicht nur für irgendwelche Privat-TV-Produktionen. Im Gegenteil. Was ARD und ZDF ins Rennen schicken, unterschreitet zumeist jedes Privatfernsehniveau (Ausnahmen wie "KDD" bestätigen nur die Regel). So einen Dreck wie „In aller Freundschaft“ würde sich niemals ein Sat1-Redakteur wagen in die Produktion zu schicken, so etwas würde sofort eine Abschiebung zum SWR nach sich ziehen. Das Problem: Der deutsche Serienjunkie ist inzwischen so darauf geeicht, deutsche Produktionen zu meiden und von Anfang an mit bitterster Verachtung zu strafen, dass herausragende Produktionen wie einst das Barbierdrama „Bis in die Spitzen“ oder die hervorragende Krimiserie „Unschuldig“ mit Alexandra Neldel nach einer Staffel eingestampft werden mussten, da sie niemand gesehen hat.

Wie gut haben es da die Briten. „Inspector Barnaby“, „Hautnah – Die Methode Hill“, „Dr. Who”, „Torchwood”, „The Inspector Lynley Mysteries”, „Life on Mars“, "Whitechapel", ach, die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Eine herausragende, hierzulande weitestgehend unbekannte Serie, ist „Spooks“. Bislang kamen nur Zuschauer des Bezahlsenders Fox Channel, den es unter anderem über Unity Media zu abonnieren gibt, in den Genuss der Serie, im „normalen“ TV wird sie bislang mit Missachtung gestraft. „Spooks“, in Deutschland auch „Im Visier des MI5“ benannt, ist eine Agentenserie. Aber nicht etwa eine Serie im Stile von, sagen wir, „Misson: Impossible“. Es geht eher um den Agenten von nebenan. Schließlich führen auch Geheimdienstmitarbeiter ein Privatleben. Und deren Berufsalltag besteht nicht aus aufregenden Einsätzen, bei denen sie ständig die Welt retten müssen, sondern aus Observationen, Warten, Daten auswerten. Dass aber selbst solche Alltäglichkeiten höchst spannend inszeniert werden können, beweist „Spooks“ nun seit 2002. Faszinierend sind die vielen unterschiedlichen Charaktere. Zum Beispiel leidet die Hauptfigur der ersten Staffel, Tom Quinn (Matthew Macfadyen) darunter, dass er seiner Freundin, die er über alles liebt, nicht erzählen darf, worin seine Arbeit eigentlich genau besteht. Diese Information unterliegt der Geheimhaltung. Und so möchte man ihn als Zuschauer in den Arm nehmen und tröstend sagen: „Du tust es für die Sicherheit von uns allen, du bist unser Held!“ Bis zur Schlussszene, in der sich Quinn als ein derart mieser Drecksack offenbart, das im Vergleich selbst Jack „24“ Bauer wie einen Warmmilchschlürfer dasteht. Dennoch – man muss wissen, wie es weitergeht. Was also macht der Serienfreak? Er kauft die britischen DVD-Boxen, in Ermangelung an deutschen Veröffentlichungen.

Aufgrund des großen Erfolges von „Spooks“ entschlossen sich die Produzenten, einen Ableger für ein jüngeres Publikum zu produzieren: „Spooks – Code 9“. Man muss das Original nicht kennen, um diese Serie zu verstehen, denn abgesehen vom Namen haben sie nix miteinander zu tun. Die Ausgangssituation klingt wirklich nach einem Knüller: Im Jahr 2012 wird London von einem Terroranschlag ungeahntes Ausmaßes heimgesucht. Ein Atomsprengkopf tötet Zehntausende. Da der gesamte Regierungsapparat am Boden liegt, wird eine neue Regierung in Manchester initiiert. Auch der Geheimdienst wird neu organisiert. Und damit wären wir in der Welt von Code 9. Code 9 erzählt die Geschichte von jungen Agenten, Anfängern in ihrem Job, die nun in dieser vollkommen veränderten Gesellschaft ihren Job erledigen müssen.

Warum gibt diese Serie nun dem deutschen TV-Freak ein gutes Gefühl? Ganz einfach: Weil sie beweist, dass auch die alte Tante BBC, deren Produktionen wir normalerweise nur gesenkten Hauptes in Demut und Ehrfurcht zu goutieren wagen, manchmal einen ziemlichen Quatsch auf die Menschheit loslässt. Man stelle sich vor, alles aus dem Hause BBC wäre großartig. Das wäre doch frustrierend. „Spooks – Code 9“ ist genau die Art von Fernsehen, die das britische Fernsehen normalerweise meidet wie der Teufel das Weihwasser. Sämtliche Hauptfiguren sind so cool, dass Eisberge im Vergleich wie Heizdecken strahlen. Alles ist irgendwie hip, als Zuschauer hat man niemals das Gefühl, dass eine der Hauptfiguren mal wirklich in Gefahr gerät. Die Welt in der Hand dieser coolen 23-jährigen Oberklugscheißer? Da ist die Bombenexplosion schon eine ernsthafte Alternative...
Und aus der Ausgangssituation, dass London nicht mehr existiert, dass eine Gesellschaft auseinandergebrochen ist, dass Verunsicherung herrscht, dass politischer Extremismus von allen Seiten einen nie gekannten Nährboden findet – aus all diesen Dingen wird nix, aber auch wirklich gar nichts gemacht.

BILD

Spooks - Code 9

Das Bild ist von ordentlicher TV-Qualität. Es ist klar, ohne Spratzer, ohne Transferverluste, ohne Probleme in den Schwarzwerten. Manchmal überwiegen etwas Grün- und Blautöne. Das ist von der Farbdramaturgie her so gewollt, wirkt aber manchmal etwas hervorstechend. Ansonsten gibt es nichts Negatives zu sagen.

TON

Spooks - Code 9

Tja, es gibt eine einzige Sequenz, die man als herausragend bezeichnen könnte: Die Eingangssequenz der Serie, wenn eben in einem Rückblick die Katastrophe von London gezeigt wird. Da rumpelt es in der Kammer. Ansonsten richtet der Ton keine allzu großen Ansprüche an die TV-Boxen. DD 2.0 reicht da vollkommen aus.


EXTRAS

Offenbar haben die Produzenten erkannt, was sie für einen Quatsch hier auf die Bildschirme gebracht haben. Und so haben sie auf jegliche Extras, die man am Ende gegen sie hätte verwenden können, verzichtet.
"Spooks - Code 9" wurde in Deutschland bislang nicht veröffentlicht. Dieser Besprechung liegt die britische DVD-Veröffentlichung zugrunde. Sie hat in Großbritannien eine Freigabe ab 15 erhalten.

FAZIT

„For Queen, for country, for kicks“ lautet der Untertitel der Serie. Er hätte Warnung genug sein müssen. Auch die Tatsache, dass die DVD nicht mit dem offiziellen BBC-Logo wirbt, sondern nur dem Hinweis „As seen on BBC“ hätte stutzig machen müssen. Aber dennoch landete DVD 1 im Player. Zur Veröffentlichung gelangte eine Doppel-DVD. Nach den katastrophalen ersten Episode wurde auf eine Sichtung der zweiten DVD verzichtet.
Dass ausgerechnet eine Spitzenserie wie „Spooks“ mit einem Ableger wie diesem bestraft werden musste, ist schon eine schreiende Ungerechtigkeit. „Spooks – Code 9“ gehört in den Orkus der britischen TV-Geschichte verbannt.



Christian Lukas


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