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Duplicity - Gemeinsame Geheimsache   

Duplicity - Gemeinsame Geheimsache
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Original: Duplicity   (USA, 2008)
Laufzeit: ca. 125 Min. (PAL)
Studio: Universal
Regie: Tony Gilroy
Darsteller: Clive Owen, Julia Roberts, Paul Giamatti, Tom Wilkinson
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch, Russisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Bulgarisch, Estnisch, Lettisch, Litauisch, Rumänisch, Russisch
Extras: Regiekommentar
Preis: ca. 18 Euro
Wertung: 1-/ 2-/ 4 (Bild/Ton/Extras)


"Fades Verwirrspiel"

Zwischen Claire Stenwick (Julia Roberts) und Ray Koval (Clive Owen) fliegen nach einem zufälligen Treffen in Dubai die Funken. Die beiden landen direkt im Hotelzimmer, jedoch – ganz zufällig war ihr Zusammentreffen nicht. Claire ist CIA-Agentin und wurde auf Ray angesetzt. Der ist pikanterweise MI6-Agent und damit eigentlich ein Verbündeter von Claire. Aber in der Welt der Spionage gibt es keine Freunde, sondern nur Aufträge.

Dummerweise verliebt sich Ray in die schöne Agentenkollegin und als er sie einige Jahre zufällig in Rom wiedertrifft, nun ja, muss sie ihm gestehen, dass auch sie ihm nicht ganz abgeneigt ist. Wiederum Jahre später haben beide ihre Geheimdienste verlassen – und stehen doch schon wieder auf gegnerischen Seiten: Als Mitarbeiter der Sicherheitsabteilungen zweier unterschiedlicher Kosmetikweltkonzerne. Das heißt, eigentlich sind es Spionageabteilungen, die nichts anderes tun als sich gegenseitig auszuspionieren. Pikanterweise kochen Claire und Ray ihre eigenen Süppchen und versuchen die beiden Konzerne gegeneinander auszuspielen – des eigenen Vorteils wegen.

Das Problem des von Tony Gilroy („Michael Clayton“) geschriebenen und inszenierten Thrillers liegt zunächst einmal darin, dass er ein unglaublich kompliziertes Gestrüpp von Verwicklungen und verschiedenen Zeitebenen aufbaut, die dem Zuschauer suggerieren, dass „Dublicity“ ein hoch komplexes Kriminalstück ist. Wer einmal niest oder gar zur Toilette muss – hat schon einen wichtigen Handlungsfaden verloren (gut, man kann die DVD anhalten, aber...). In Wahrheit ist „Duplicity“ eine Art „Mission: Impossible“ des Jahres 2009: Eine Handlung, die auf den ersten Blick intelligent und komplex wirkt, lässt sich eigentlich auf einem Bierdeckelrand zusammenfassen. Tatsächlich ist die Geschichte von „Duplicity“ äußerst simpel: Ein Liebespaar spielt zwei Parteien, die sich nicht mögen, gegeneinander aus. Und mehr passiert eigentlich auch nicht. Das an sich wäre nicht so schlimm, wenn der Film denn auf seiner zweiten Ebene funktionieren würde: Der Beziehungskiste zwischen Ray und Claire. Doch genau in diesem verzwickten Spiel der Gefühle versagt der Film vollkommen, und es ist sogar leicht, die Schuldige zu benennen: Julia Roberts. Weder nimmt man ihr die taffe Agentin ab, noch versteht man als (männlicher) Zuschauer, warum Ray ihrem Charme verfällt. Tatsächlich ist Julia Roberts zu Beginn farblos, ab etwa der Mitte des Filmes ist sie sogar richtig nervig: Da Claire glaubt, Ray würde sie nicht mehr lieben und ihren Plan nur durchziehen, um sich ein paar Millionen einzusacken, ist Claire betrübt. Nur wirkt Julia Roberts selten betrübt. Ihr Spiel erinnert eher an eine an Depressionen leidende Frau, die kurz davor steht, mit einem Fön in die Badewanne zu steigen. Das Problem ist, dass man als Zuschauer eher geneigt ist, den Stecker des Föns in die Steckdose zu stecken als mit ihr zu leiden.
Julia Roberts, die zuletzt in „Der Krieg des Charlie Wilson“ in der Rolle einer ultrakonservativen Südstaatenlady mit Hang zu wilden Sexabenteuern die vielleicht eindrucksvollste, irrsinnigste Darstellung ihrer Karriere ablieferte, vermasselt den Film – zusammen mit Regisseur Gilroy, der nie wirklich weiß, was er eigentlich will und aus einem großen Nichts den großen Zampano zaubern will.
Clive Owen und ein großartiges Nebendarstellerensemble (allen voran Paul Giamatti als lispelnder Vorstandvorsitzender eines der beiden Großkonzerne) können nicht viel mehr tun als gegen ein Desaster anzukämpfen, das sie doch nicht verhindern können.

BILD

Duplicity - Gemeinsame Geheimsache

Der Transfer ist natürlich perfekt. Dies ist eine Hollywood-Hochglanzproduktion, da muss man gar nicht nach groben Spratzern oder ähnlichen Unstimmigkeiten suchen. Vielleicht taugt der Film nicht ganz zur Referenz-DVD (dafür ist die Farbdramaturgie zu sehr auf graue/graublaue Töne fixiert), aber der technische Transfer hat schon Champions-League-Niveau. Da gibt es nichts zu feixen.

TON

Duplicity - Gemeinsame Geheimsache

Der Ton ist nicht ganz so gelungen wie das Bild. Zumindest kommt es auf die zur Wiedergabe genutzten Geräte an. Wer über eine ordentliche Tonanlage verfügt, erlebt eine perfekt abgemixte DVD. Sprechen Personen am linken Bildrand, kommt der Ton von links, fährt ein Auto durchs Bild, schaut man unwillkürlich nach links und rechts, um nicht unter dieses Auto zu kommen. Also: Alles perfekt im Tonland? Nicht ganz. Für Zuschauer, die keine solche externe Tonanlage besitzen, sondern ein ganz normales Röhrengerät mit normaler Tonwiedergabe, wird den Film nur mit der Fernsteuerung in der Hand überstehen. Teilweise ist die DVD unhörbar für solche Zuschauer, vor allem die Dialoge sind da teilweise so leise und verhallt, dass nur die Lautstärketaste Abhilfe bringt. Aber wehe, es setzt die Musik ein. Dann wird’s laut. Dass man Top-DVDs auch für Zwischendurchgucker hervorragend abmixen kann, und trotzdem auch die ausgeklügeltste Tonanlage knallen lässt, bewies zuletzt ein Knaller wie „Watchmen“. Es geht also. In der Benotung ist allein die optimale Wiedergabe berücksicht, auch wenn das Endergebnis nicht als optimal betrachtet werden kann (wenn man denn in die alte Röhre guckt).

EXTRAS

Oh, da lag auf der Rezensions-DVD tatsächlich nur ein Kommentar vom Regisseur vor. Das verwundert, denn solche Hochglanzproduktionen werden für gewöhnlich mit Extras zugeballert. Seltsam, seltsam...

FAZIT

Dieser Film lässt keine Funken fliegen. "Duplicity" bekam beim Kinostart einige sehr, sehr gute Kritiken, die sich vor allem aufgrund des erschreckend farblosen Spiels von Julia Roberts nicht nachvollziehen lassen. Julia Roberts hat viele sehr gute Filme gemacht, "Duplicity" gehört definitiv nicht dazu.



Christian Lukas


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