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Drag me to Hell   (BLU-RAY)

Drag me to Hell
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Original: Drag me to Hell   (USA, 2009)
Laufzeit: 99 Min. (1080p)
Studio: Universal
Regie: Sam Raimi
Darsteller: Alison Lohman, Justin Long, Lorna Raver, David Paymer u.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-Masteraudio 5.1 Englisch DTS Deutsch, Spa, Port
Untertitel: Deutsch, Englisch u.a.
Extras: Production Diarys
Preis: ca. 24 €
Wertung: 1-/ 1-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Tanz der Zigeunerin"

Nachdem Sam Raimi mit seiner "Spider-Man"-Trilogie alle Register des großen Blockbuster-Hollywood-Kinos gezogen hat, wollte er sich mit "Drag me to Hell" eine Verschnaufpause gönnen und kehrte zu seinen Genre-Wurzeln zurück. Das Drehbuch schrieb Raimi mit seinem Bruder Ivan bereits nach der Produktion von "Armee der Fisternis". Den damals noch rebellischen Geist des Filmemachers lässt der Film ordentlich durchscheinen. "Drag me to Hell" ist eine klassische Tour de Force des fantastischen Horrorkinos, bei dem Raimi alle Register zieht, ohne dabei die populäre Gewalt- und Folterecke zu bedienen. Mit echtem Schock-Terror, Spaß und kalkuliertem Ekel bringt er einen klassischen Mythos neu auf die Leinwand: die rachsüchtigen Zigeuner mit ihren schlimmen Flüchen. Bereits die gelungene Stephen King Adaption "Thinner" von Tom Holland - bisher auf Deutsch immer noch nicht in einer vernünftigen Edition erschienen - beschäftigte sich mit den fatalen Folgen einer solchen Anfeindung. Doch Sam Raimi wäre nicht er selbst, wenn er mit dieser Thematik nicht völlig über Bord gehen würden. Zigeuner Oma Ganush (sensationell gruselig Lorna Raver!) hat nämlich gleich mehrere Probleme. Neben ihrer schwindenden Gesundheit sitzt ihr auch noch die Bank wegen überfälliger Zahlungen im Nacken. Im Kampf um einen besseren Job in der Bank verweigert ihr die Angestellte Christine (Alison Lohman) aber eine weitere Stundung, so dass die alte Frau ihr Haus verlieren muss. Daraufhin belegt die alte Zigeuner-Hexe ihre herzlose Sachbearbeiterin mit einem Fluch, der es in sich hat. Der Lamia, ein echt fies gelaunter Ziegendämon, beginnt Christine zu terrorisieren, um sie nach drei Tagen endgültig in die Hölle zu zerren. Zunächst unglaubig realisiert die Bankangestellte ihre immer misslicher werdende Lage, die von ekligen Halluzinationen bis hin zu handfesten Angriffen des Lamia reicht. Schließlich muss sie auch noch ihren Freund (Justin Long) davon überzeugen, paranormale Hilfe zu organisieren. Doch der Kampf gegen das Böse gestaltet sich schwieriger als erwartet.
Gleich von Beginn an stellt Sam Raimi klar, dass in "Drag me to Hell" der böse Schelm, der hinter den "Tanz der Teufel"-Filmen steckt, zurückgekehrt ist. Nur mit mehr Erfahrung, mehr Geld und dem richtigen fiesen Comedy-Gespür auch ganz ohne Bruce Campbell. Bereits nach dem erschütternden Auftakt, bei dem ein Kind die Bekanntschaft mit den Mächten der Hölle macht, scheint nichts und niemand im Film mehr sicher zu sein. Den Abstieg in ihre persönliche Hölle verkauft Alison Lohman perfekt, während Justin Long den rationalen wie besorgten Partner gibt, der als Stimme der Vernunft auch den skeptischen Zuschauer anspricht.
Mit seinen gezielten Schocksequenzen drückt Raimi gezielt auf einen entsetzenden Ekelfaktor (ganz ohne Blut!), der sogar Methode hat. So bietet "Drag me to Hell" einige interessante Ansätze zum Thema Magersucht und Habgier, die über die oberflächliche Horrorgeschichte hinausgehen.
Einzig das konsequent wie geradlinig durchgezogene Finale enttäuscht ein wenig im Vergleich zum gut aufgebauten Rest des Films. Die finale Überrschung ist bereits vorab recht offensichtlich, aber wird im entscheidenden Moment leider nicht so variiert, dass einem wirklich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Dennoch verdient Raimi Lob für den bösen Ansatz. "Drag me to Hell" beweist, dass originale Horrorfilme immer noch bestens funktionieren und teuflisch nervenzerfetzend sein können, ohne extreme Folter- oder Splatterszenen zu beinhalten. So bleibt zu hoffen, dass Sam Raimi seinem Publikum nach "Spider-Man 4" auch weiterhin mehr spannende Genre-Kost auftischt.
Auf der Blu-ray befindet sich der "Director's Cut" des Films, der knapp neun Sekunden länger als die Kinofassung läuft (Schnittbericht hier). Dabei wurden allerdings auch viele alternative Einstellungen benutzt, die die Laufzeit nicht verlängern.

BILD

Drag me to Hell

Der anamorphe HD-Transfer (2.35:1) ist gut gelungen und basiert auf einer sehr guten Vorlage. Altersspuren sind hier nicht vorhanden. Schärfe und Kontrast sind sehr gut und lassen jedes noch so kleine Detail im Bild gut erkennen, was besonders bei den ekligeren Passagen vielleicht nicht so gut ist. Einzig die Hintergründe sind oftmals ein wenig grieseliger geraten. Die Farben springen einen förmlich vom Bildschirm an und sind gut definiert, ohne Konturen zu überscheinen. Der Schwarzlevel ist ordentlich tief und trotzdem detailreich. Dies kommt besonders dem Tiefgaragen-Kampf zugute, bei dem trotzdem alle Details erkennbar sind. Die Kompression arbeitet sauber und liefert ein stabiles wie klares Bild ohne Artefakte oder Verzerrungen. Sehr gut.

TON

Drag me to Hell

Im Hause Universal hat man gelernt!!! Die Soundauswahl im Menü zeigt neben der Sprache auch endlich das Audioformat des entsprechenden Tracks an. Eine gute und nötige Verbesserung. Soundtechnisch dürfen die Tracks voll aufdrehen, wobei natürlich englische DTS-HD-Masteraudiotrack die Nase vorn hat. Die Audioauftritte des Lamia sind absolut erschütternd und donnern durch die gesamte Soundstage. Die Schockeffekte kommen mit voller Wucht aus allen Richtungen. Für kleine Subtilitäten bleibt da keine Zeit. Es kracht und rummst, das man meinen könnte, die eigene Wohnung stürzt ein. Dazu gesellt sich die großartige Musik von Christopher Young, die den Zuhörer ebenfalls ordentlich umhüllt. Die Dialoge sitzen fest und gut verständlich im Centerkanal. Störende Überlappungen oder Aussetzer gibt es nicht. Sehr gut.

EXTRAS

Als einziges Extra bringt die Scheibe eine Sammlung von "Production Diarys" mit, die von Co-Star Justin Long anmoderiert werden. Die einzelnen Kapitel lassen sich aber auch komplett zusammen abspielen und ergeben so ein recht umfangreiches "Making of" (ca. 35 Min.). Hier handelt es sich nämlich nicht um wild zusammengefilmte Aufnahmen vom Set, sondern um solide geschnittene Featurettes mit Interviews und wirklich guten Behind-the-Scenes Aufnahmen. Im Fokus stehen dabei natürlich die verschiedenen Spezialeffekte, die als Schlaglichter unter die Lupe genommen werden. Dabei wird auch vor harten Enthüllungen nicht zurückgeschreckt: Alison Lohman musste sich einer echten Maden- und Würmer-Fontäne aussetzen. Dafür wurde sie an anderer Stelle mit Luxusbadeschlamm belohnt. Ein kompakter wie gelungener Blick hinter die Kulissen.
Leider ist weder ein Trailer noch sonstiges Werbematerial zum Film vorhanden.

FAZIT

Mit "Drag me to Hell" kehrt Sam Raimi eindrucksvoll zum Horrorfilm zurück. Mit seiner fiesen Zigeuner-Mär beweist er zudem, dass klassische Gruselthemen noch lange nicht passé sind. Wer den Film im Kino verpasst hat, sollte auf Blu-ay unbedingt zuschlagen. Die Präsentation liegt in der Oberklasse und bringt auch noch ein "Making of" mit. Ein Pflichtkauf für die Halloween-Saison!



Kay Pinno


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